Voltaire: Die Moyländer Tafelrunde und das Wasser von Cleve. (2)

Schloss Moyland 1746

Was geschah in Moyland und was hat es mit dem in Teil 1 erwähnten Sleus-Meuse auf sich?
Einen ausführlichen Bericht dazu liefert Thomas Carlyle zur „Geschichte Friedrichs II. von Preußen“¹ Unter Quellennachweis der Link (Bayrische Staatsbibliothek) zu diesem Buch. Es lohnt sich dort mal reinzuschauen, Kapitel IV ab Seite 86. Hier in der Folge einige Auszüge:

Es ist gewiß, daß Voltaire in dem kleinen Schloß Moyland am 11. Sept., Sonntag Nacht wirklich ankam. (...) Kommt Sonntag Nacht an, altes Schloß Moyland, zwei Stunden von Kleve; es war Mondschein (...) Wie weit von Brüssel? (...)Die Entfernungen berechne ich: (...) im Ganzen 30 Meilen. Zwei Tagesreisen? Ein Acquimoctialmond und noch über zwölf Stunden Tageslicht für ´M. le Comte. Von dem Orte, wo. Voltaire, der es hätte wissen sollen, nennt ihn „petit Cháteau de Meuse“, ein Schloß das, außer etwa in Träumen, nirgendwo existirt. Andere französische Biographen sind noch lebhafter. Das kleine Schloß Moyland, - ganz und gar nicht „Meuse“, und auch nicht Mörs, welches Voltaire vermuthlich meint, wenn er Cháteau de Meuse sagt, - war, wie die geringste Untersuchung außer Frage stellt, der Ort wo Voltaire und Friedrich sich zuerst trafen. (...) Büsching unterrichtet mich ausdrücklich, daß es ein Kirchspiel und zusammen mit Till eine Gerichtsbarkeit sei: (...) Ein kleiner Flecken, dieses Moyland, Größe nicht angegeben, ward, sagte er, (...) Wer es bewohnte; was für eine Art Ding es eigentlich ist? Altum silentium von Seiten Büsching´s und der Welt. Gehörte vor fünfzig Jahren denen von Spaen; (...) Ein dunkles altes Herrenhaus, mit einem „Hof“, mit einem bischen Ausstattung, da stehend im Mondlicht; - es erschien dem Voltaire nicht sehr prächtig als er ausstieg. So daß unsere ganze Kenntnis sich auf diesen einen Punkt beschränkt: nämlich, daß wir Moyland auf der Karte gefunden haben, und Datum, und Reminifcenz die sich daran knüpft! Gut. (...) So daß der Ort, „á deux lieues von Cléves“, selbst nach Voltaire´s Beshreibung dieses Moyland ist, wäre sonst irgend ein Zweifel darüber. Mit „Cháteau de Meuse“ auf die schattenhafte Spur von Mörs hinschicken, daß heiße ich den Leser schlecht bedienen. Von einem verständigen Manne, geschweige von einem Trismegistus der Menschen, erwartet man daß er nach dreitägiger Efahrung, wie hier, wisse in welchem Ort er sich befinde. Aber er weiß es nicht immer...

Nun folgt eine ausführliche Beschreibung von Voltaire zum Treffen auf Moyland:
Am Hoftor fand ich, als Schildwache, einen einzigen Soldaten. Der Geheimrath Rambouet, Staatsminister wandelte im Hof auf und ab und blies sich in die Finger. Er, Rambouet trug leinerne Manchetten, die sehr schmutzig waren, einen löcherigen Hut, eine alte Beamtenperücke, deren eine Seite hinab in seiner Tasche hing und die andere kaum über die Schulter reichte. Man sagte mir, dieser Mann sei eben mit einem wichtigen Geschäfte betraut, und das bewährte sich auch.
Ich ward in das Gemach Sr. Majestät geführt. Da war nichts als die vier kahlen Wände. Bei dem Licht einer Kerze bemerkte ich in einer Kammer ein kleines dritthalb Schuh breites Rollbett, worauf ein in einem Schlafrock von grobem blauen Düffel eingehülltes Männlein lag: dies war der König, der in einem heftigen Fieberanfall unter einer schlechten Decke schwitzte und zitterte. Ich machte meine Verbeugung und begann die Bekanntschaft damit, daß ich ihm den Puls fühlte, als wäre ich sein erster Arzt. Als der Anfall vorüber war, kleidete er sich an und begab sich zur Tafel. Algarotti, Keyserling, Maupertuis, und der königliche Minister bei den Generalstaaten, wir nahmen Theil an diesem Abendessen, wo man über die Unsterblichkeit der Seele, über Freiheit. Schicksal, und die Androgynen des Platon gründlich verhandelte.

Der Verfasser dazu: Das ist Voltaire´s Meldung von dem Besuche, - der drei „Abendessen“, hier alle in eins zusammengeworfen, in sich faßte; - und weiter sagt er nichts davon (...) Drei Abende war man beisammen gewesen, mit zwei geschäftigen Tagen dazwischen (...) Wir werden anderswo finden, daß er im Verlauf dieser drei Abende „seinen Mahomet“, zur sprachlosen Bewunderung seines königlichen Wirthes declamierte; und daß er bei Tage sogar seine Feder zur Hand nahm...

Voltaire: Die Moyländer Tafelrunde und das Wasser von Cleve.
Teil 1: hier klicken
Teil 3: hier klicken

Quellennachweis:
1 Thomas Carlyle, Geschichte Friedrichs II. von Preußen, dritter Band, Berlin 1863, Bayrische Staatsbibliothek digital Link
Abb.: Schloss Moyland 1746, Stich nach einer Zeichnung von Jan de Beijer, Wikipedia, Gemeinfrei, Hochgeladen von Sir Gawain.

Autor:

Günter van Meegen aus Bedburg-Hau

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