DRK Wattenscheid bietet neues Kursformat
Erste Hilfe-Kurse für Menschen mit Handicap

DRK-Ausbilder Ralf Frede (links) und Christian Lange demonstrieren, wie die Herzdruckmassage funktioniert. | Foto: Petra Anacker
  • DRK-Ausbilder Ralf Frede (links) und Christian Lange demonstrieren, wie die Herzdruckmassage funktioniert.
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"Das Wichtigste ist, möglichst viele Menschen für Erste-Hilfe-Kurse zu gewinnen", betont Christian Lange vom DRK-Kreisverband Wattenscheid. Deshalb besteht in Wattenscheid bereits ein umfangreiches Angebot für die unterschiedlichsten Zielgruppen: Kinder, Senioren, Betriebshelfer, Einsatzkräfte und Sportler. Am Sonntag, 23. August, von 10 bis 15 Uhr können nun in den barrierefrei zugänglichen Räumen an der Voedestraße 53 Menschen mit Handicap vieles rund um Notruf, Verband und Herzdruckmassage lernen.

Von Sabine Beisken-Hengge

"Wir schließen hier eine ganz wichtige Lücke", sind sich Christian Lange und Ralf Frede, der den neuen Kurs leiten wird, einig. Angesprochen sind Menschen mit geistigem oder körperlichem Handicap.
"Dieser 'stationäre' Termin ist erstmal ein Feldversuch", so Lange. Kommt er bei vielen Menschen an, sind weitere Termine geplant. "Das Angebot der Kurse für Menschen mit Handicap richtet sich auch direkt an die Einrichtungen. Wir besuchen dann beispielsweise Behinderten-Werkstätten, Wohngruppen oder Schulen für Menschen mit Förderbedarf", ergänzt Ralf Frede, der als Ausbilder des Deutschen Roten Kreuzes schon seit 37 Jahren ehrenamtlich unterwegs ist. "Er ist einer der aktivsten Ausbilder bei uns", bewundert Langen seinen Kollegen. Schüler der Comenius-Schule im benachbarten Essen durften bereits bei Ralf Frede die Grundlagen der Ersten Hilfe erlernen. Zusätzlich zu seiner Erfahrung hat Frede einen Qualifizierungslehrgang beim DRK Nordrhein abgeschlossen, der ihn berechtigt, Fachwissen auch an Menschen mit Handicap weiterzugeben.


Theorie und Praxis werden vermittelt


Ein Kurs, der sich an eine breite Zielgruppe richtet und wie er im August erstmals auch in Wattenscheid stattfinden soll, erfordert ein hohes Maß an Flexibilität. Zunächst wird, wie in allen anderen Kursen auch, Theorie vermittelt. Dazu gehört zunächst einmal eine Einschätzung des Vorwissens aller Teilnehmer. Dann folgt eine Gefahrenanalyse: Die meisten Unfälle passieren nämlich im Haushalt, dann beim Sport, auf der Straße und zuletzt am Arbeitsplatz. In der Reihenfolge "prüfen-gucken-rufen-drücken" werden im Anschluss praktische Handgriffe eingeübt.

Dem Verletzten Beistand leisten

"Natürlich ist es für einen Rollstuhlfahrer schwierig bis unmöglich, eine Herzdruckmassage durchzuführen. Das wird zwar in der Theorie demonstriert, aber in der Praxis ist das eher nicht durchführbar", erklärt Ralf Frede. "Einem Rollstuhlfahrer kommt dann die Aufgabe zu, andere Menschen zur Hilfe zu animieren, auf den Notfall aufmerksam zu machen", führt Christian Lange aus.
Denn für alle Menschen, die Erste Hilfe leisten, gelten die gleichen Grundsätze: "Überblick verschaffen- raus aus der Gefahrenzone -Eigenschutz - Hilfe holen und Notruf absetzen - Verletzte betreuen und bleiben, bis der Rettungsdienst eintrifft."
Wer bei einem Verletzten so lange bleibe, bis der Krankenwagen kommt, leiste bereits einen enorm wichtigen Beitrag, betonen die beiden erfahrenen Rotkreuzler.
Menschen mit körperlichem Handicap können zudem häufig Verbände anlegen. Wie so ein Verband fachmännisch gebunden wird, wird im Kurs gezeigt.
Teilnehmer mit geistigem Handicap werden spielerisch angeleitet. "Ein Klassiker in meinem Repertoire ist der Fingerkuppenverband, der nach Fertigstellung mit einem Gesicht versehen wird. Aber auch die Kopfhaube mit zwei Öhrchen sorgt immer wieder für Begeisterung", weiß Ausbilder Ralf Frede aus Erfahrung.

Selbstbewusstsein fördern, Ängste abbauen

Vor allem gehe es bei diesem Angebot aber darum, das Selbstwertgefühl der Teilnehmer zu steigern und Hemmschwellen abzubauen.
"Viele Menschen haben Angst, das Falsche zu tun. Dabei sollte man nie vergessen: 'Keine Hilfe ist die schlechteste Art von Hilfe'", so Christian Lange.
Ralf Frede freut sich auf seine neuen Schüler, denn: "Ich habe immer wieder erlebt, wie dankbar und glücklich die Teilnehmer sind."
Und Christian Lange fügt hinzu: "Sie kommen ja im Gegensatz zu den meisten anderen Kursteilnehmern, die den Erste-Hilfe-Schein etwa für Führer- oder Trainerschein oder als Betriebshelfer benötigen, freiwillig!"

Information

 Der Kurs findet am Sonntag, 23. August, von 10 bis 15 Uhr in den DRK-Räumen an der Voedestraße 53 statt.
 Die Teilnehmerzahl ist auf zehn beschränkt, Begleitpersonen sind selbstverständlich zugelassen.
 Anmeldung unter der Telefonnummer: 02327/87017 oder per E-Mail an: info@drk-wattenscheid.de.
 Die Angabe des jeweiligen Handicaps ist erforderlich, um individuell auf die Bedürfnisse der Teilnehmer eingehen zu können.

Autor:

Sabine Beisken-Hengge aus Essen-Ruhr

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