Schauspielhaus fährt jetzt die Früchte der Arbeit ein

Schauspielhaus-Intendant Anselm Weber freut sich, dass das Schauspielhaus nun auch finanziell besser aufgestellt ist. Foto: Küster
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  • Foto: Foto: Schauspielhaus / Diana Küster
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Anselm Weber verkündet zur Spielplanvorstellung „lauter gute Nachrichten“

„Dieser Spielplan ist ganz sicherlich der Höhepunkt einer dreijährigen Entwicklung.“ Mit breiter Brust stellte Schauspielhaus-Intendant Anselm Weber jetzt das Programm für die kommende Spielzeit vor: 21 Neuproduktionen - darunter acht Uraufführungen - sowie 30 Wiederaufnahmen soll es 2012/2013 geben. Der Vorhang an der Königsallee hebt sich erstmals nach der Sommerpause wieder am 22. September.

Doch nicht nur diese künstlerischen Zahlen sind es, die das Selbstbewusstsein Webers stärken - auch die wirtschaftlichen Zahlen tragen dazu bei. „Wenn uns nicht noch der Himmel auf den Kopf fällt, dann werden wir zum Ende dieser Spielzeit eine schwarze Null schreiben können.“
Gleich mehrere Faktoren tragen dazu bei - vor allem ein rigoroser Sparkurs in den letzten 13 Monaten, verbunden mit einem Einstellungs- und Wiederbesetzungs-Stopp sowie eine „komplette Kehrtwende in der Haushaltspolitik“: Es habe, so Weber, im ganzen Haus „ein Umdenken im Umgang mit öffentlichen Mitteln“ stattgefunden.“ Geholfen habe nicht zuletzt die Unterstützung des Landes durch den Theaterpakt sowie ein höheres Aufkommen von Spenden- und Sponsorengeldern.
Im letzten Jahr habe sich die Situation noch ganz anders dargestellt: „Wir standen mit einem Fuß über der Klippe.“ In enger Zusammenarbeit mit dem Kämmerer und der Politik habe man das Sparpaket geschnürt. Mit Erfolg: Denn nicht zuletzt trage nun der Ratsbeschluss, dass künftig beim Schauspielhaus - wie bei anderen städtischen Ämtern auch - steigende Personalkosten durch Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst von der Kommune refinanziert werden, dazu bei „dass wir über den Berg sind.“ Angesichts Hiobsbotschaften aus anderen Städten wie jüngst Köln und Düsseldorf sei dies keine Selbstverständlichkeit.
Freilich sei diese „schwarze Null“ nicht umsonst zu haben: Eine deutliche Arbeitsverdichtung dadurch, dass ausscheidende Mitarbeiter nicht ersetzt wurden, sei unvermeidlich. „Das hat sicherlich nicht jedem im Haus gefallen.“ Aber auch auf dem Spielplan konnte man die Folgen sehen: rund 390 Vorstellungen wird es zum Ende der Spielzeit an der Königsallee gegeben haben - und damit gut 200 weniger als im letzten Jahr unter der Intendanz von Elmar Goerden. Damit sanken natürlich auch die absoluten Zuschauerzahlen. Die Auslastung hingegen stimmt: sie lag Ende April bei 76,9 Prozent. Zum Vergleich: in den letzten beiden Hartmann-Spielzeiten lag sie bei 78 bzw. 77 Prozent. Hinzu kamen die Schließung des Melanchthonsaals und Erhöhungen der Eintrittspreise.
Angesichts der harten Einschnitte freut sich Anselm Weber umso mehr über den künstlerischen Erfolg des Schauspielhauses: „Endlich sind wir an dem Punkt angelangt, wo wir auch überregional positiv wahrgenommen werden.“ Mehr noch: der „Europäisierung des Schauspielhauses“ werde inzwischen eine „Vorarbeiterrolle“ zugesprochen und sie gelte als Modellbeispiel für die Weiterentwicklung eines Stadttheaters. „Immer mehr kristallisiert sich da eine Erfolgsstory heraus.“

Schauspielhaus in der
„Vorarbeiter-Rolle“

Und diese will er im nächsten Jahr weiter schreiben. Mit den Regisseuren Jan Klata, Paul Koek und Fadhel Jaibi kehren eben jene Regisseure mit neuen Arbeiten zurück, die für diese Öffnung des Schauspielhauses stehen: Jaibi wird sich gemeinsam mit dem Ensemble Kafkas „Prozess“ aneignen (Premiere: 13. Oktober) - „eine tunesische Sicht auf einen deutschen Stoff“; der Niederländer Paul Koek bringt „Moby Dick“ als Musiktheater in Bochum zur Uraufführung, um die Inszenierung anschließend auf Gastspielreise durch die Niederlande zu schicken und Jan Klata inszeniert den „Hamlet“. Die beiden Hausregisseure Roger Vontobel und David Bösch werden je zwei Inszenierungen zeigen: Vontobel gleich zum Spielzeitauftakt „König Richard der Dritte“ von Shakespeare - eine Verdichtung aus „Richard III“ sowie der Vorgeschichte, wie sie in Shakespeares „Henry VI“ geschildert wird, zu einem Abend. Premiere ist am 22. September. „David Bösch und Roger Vontobel sind in ihren Jahren hier in Bochum geradezu erblüht.“ Beide Regisseure sind inzwischen international gefragt - und tragen so das Renommée des Bochumer Schauspielhauses nach außen.
Anselm Weber selbst wird in der kommenden Spielzeit ebenfalls zwei Mal Regie führen: Bei der Uraufführung von Lutz Hübners „Richtfest“ am 8. Dezember und der Carl-Sternheim-Trilogie „Aus dem bürgerlichen Heldenleben“ am 8. Juni nächsten Jahres.
Freuen können sich die Freunde des Johnny-Cash-Abends, denn in der nächsten Spielzeit wird es eine Fortsetzung des Publikumsrenners geben: „We‘ll, you‘re my friend“ - ebenfalls mit Thomas Anzenhofer - soll am 27. September Premiere feiern.
Als Familienstück ist „Kleiner König Kalle Wiersch“ in der Regie von Katja Lauken geplant. Das junge Schauspielhaus zeigt zwei neue Produktionen und macht mit dem Projekt „Schulen in Bewegung“ weiter. „Wir wissen, welch eine exzellente Qualität das junge Schauspielhaus hier leistet“, betont Weber, dass trotz der Schließung des Melanchthonsaals die Arbeit Martina van Boxens wie bisher weiter geführt werden soll - „obwohl wir das bei weitem nicht refinanziert bekommen.“
Mit dem „Mythos Schauspielhaus“ selbst beschäftigt sich der Künstler Hans-Peter Litscher: Er wird im Januar das komplette Haus in eine begehbare Installation verwandeln, um die Geschichte des Schauspielhauses neu zu erzählen - ein Spiel mit Fakten und Fiktionen.
Trotz der „lauter guten Nachrichten“, die Anselm Weber zur Vorstellung des kommenden Spielplanes zu verkünden hatte: Nach dem Schulterklopfen geht die Arbeit weiter: „Es ist erst der Beginn der Entwicklung. Wir sind auf einem langen Weg.“

Autor:

Petra Vesper aus Bochum

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