Das Schauspielhaus präsentiert seine Pläne für die erste Hälfte der kommenden Spielzeit
Unter Vorbehalt

Susanne Winnacker, Johan Simons, Vasco Boenisch und Cathrin Rose (von links) am Donnerstag, 25. Juni, bei der Vorstellung der Pläne für die kommende Spielzeit.
  • Susanne Winnacker, Johan Simons, Vasco Boenisch und Cathrin Rose (von links) am Donnerstag, 25. Juni, bei der Vorstellung der Pläne für die kommende Spielzeit.
  • Foto: Sadrowski
  • hochgeladen von Nathalie Memmer

"Wir klopfen auf Holz." - Diese Aussage von Vasco Boenisch, Chefdramaturg des Schauspielhauses, bezieht sich ganz konkret auf die für die ersten Wochen und Monate der nächsten Theatersaison vorgesehenen Premierentermine. Der Satz könnte aber auch das Leitmotiv der auf Hochtouren laufenden Vorbereitungen für die neue Spielzeit sein.

Ob Intendant Johan Simons seine Adaption von Shakespeares "King Lear", die die Spielzeit eröffnen soll, tatsächlich am 10. September zeigen kann hängt vom Infektionsgeschehen ab - und von den Folgerungen, die die Politik daraus zieht. Völlig offen ist auch noch, wie viele Theaterfans dann im Großen Haus dabei sein dürfen. "Corona hat Wunden im Zuschauerraum geschlagen", sagt Vasco Boenisch mit Blick auf die Lücken, die in den Stuhlreihen klaffen, "und das wird auch in der kommenden Spielzeit so bleiben."
"Wir hoffen dennoch, dass im August neue Regelungen beschlossen werden, die es uns erlauben, deutlich mehr Zuschauer zuzulassen", erklärt Susanne Winnacker, stellvertretende Intendantin an der Königsallee. Es sei nach der derzeit geltenden Verordnung nämlich schwierig, den Einlass so zu gestalten, dass mehr als 100 Zuschauer im eigentlich auf 800 Personen ausgerichteten großen Saal Platz nehmen dürfen. "Es ist unsere Pflicht, auf die Einhaltung der Abstandsregeln zu achten", macht Winnacker deutlich, "weil sonst womöglich alle Theater wieder schließen müssen."
Für Intendant Johan Simons ist Schauspiel in diesen Zeiten wichtiger denn je. "Gerade jetzt kann und muss die Kunst ihre Kraft zeigen", ist er überzeugt. Und ihren Zauber soll die Bühnenkunst, soweit alles gut geht, Anfang November bei der Premiere von Henrik Ibsens "Peer Gynt" in der Regie von Dusan David Parizek, dessen "Iphigenie" an der Königsallee viel Beifall fand, und im Januar 2021 bei Johan Simons' Adaption von "Ödipus, Tyrann" in der Übersetzung von Heiner Müller entfalten.

Musikalischer Abend über das Sehen

Fans von "Istanbul" dürfen sich auf einen neuen musikalischen Abend von Selen Kara und Torsten Kindermann freuen: "Mit anderen Augen" beschäftigt sich mit dem Sehen und fragt dabei nach dem Wirken blinder und sehbehinderter Künstler wie Stevie Wonder und Ray Charles. Vasco Boenisch verspricht: "Torsten Kindermanns musikalische Bandbreite kann sich hier wieder voll entfalten - es geht von Pop und Rock über Soul bis zum Chanson. Und es werden auch blinde und sehbehinderte Musiker mitwirken."
Nicht nur Kinder, sondern auch viele Erwachsene warten schon sehnlichst auf die Adaption von Michael Endes "Die unendliche Geschichte", das neue Kinder- und Familienstück. Bei reduzierter Platzkapazität im Großen Haus dürfte klar sein, dass die Nachfrage nach Karten nur schwer zu befriedigen sein wird. Daher hat man sich am Schauspielhaus entschlossen, dass Stück auch noch in der Spielzeit 2021/2022 zu zeigen.
Cathrin Rose, Leiterin des Jungen Schauspielhauses, betont: "Gerade in Zeiten von Corona ist es wichtig, dass auch Familien und Schulklassen zu uns ins Theater kommen." Um noch mehr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene für das Theater zu begeistern, soll die Zeche Eins zu einem Theaterrevier speziell für diese Gruppe ausgebaut werden. Seine Funktion als Treffpunkt wird es aber wohl erst nach dem Ende der Corona-Krise voll entfalten können. Mit deutlichen Lockerungen der bestehenden Einschränkungen dürfte frühestens in der zweiten Hälfte der Spielzeit 2020/2021 zu rechnen sein.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Herbert Fritschs Inszenierung "Herbert" mit Herbert Grönemeyers Musik gehörte zu den ersten Premieren, die in diesem Frühjahr der Pandemie zum Opfer fielen. "Das Stück ist als Popkonzert zum Mitsingen angelegt, bei dem viele Menschen ein großes Fest feiern. Vor dem Ende der Corona-Krise werden wir das nicht auf die Bühne bringen können", lautet die einhellige Meinung am Schauspielhaus.
Erst einmal hoffen alle, den Theaterbetrieb im September mit möglichst geringen Einschränkungen wieder aufnehmen zu können. "Das Schauspielhaus lebt vom Austausch", bringt es Susanne Winnacker auf den Punkt, "wenn hier nicht gespielt wird, ist das ein trauriger Zustand."

Infos:
- Akuelle Informationen gibt es auf: www.schauspielhausbochum.de.

Autor:

Nathalie Memmer aus Bochum

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