Der Spion, der aus der Kälte kam

Ein Roman aus dem Jahr 1963 von John le Carré (Orginaltitel: The Spy who came in from the cold). 1965 wurde der Roman unter der Regie von Martin Ritt mit Richard Burton, Oskar Werner und Clair Bloom verfilmt.

Der Roman zeigt auf, wie ein Spion von seinem Chef geopfert wird. Nur das Ergebnis zählt für Geheimdienste. Unterschiede zwischen verschiedenen Regimen sind kaum vorhanden, was Arbeit und Motivation dieser Dienste angeht.
John le Carré zeichnet ein dunkles, grausames Bild von Geheimdiensten, die vor keinem Mittel zurückzuschrecken scheinen, um ihr Ziel zu erreichen.

Aktueller Fall Nummer 1:
Die Bundesanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche einen 31-jährigen Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes festnehmen lassen. Er soll über mehrere Jahre über 200 Dokumente an US-Geheimdienste weitergeleitet und eine fünfstellige Summe dafür kassiert haben. Daran gibt es inzwischen kaum noch Zweifel. Dennoch müssten die Dokumente sorgfältig bewertet und analysiert werden, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Es werde mit Nachdruck ermittelt.

Aktueller Fall Nummer 2
Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hatte am Mittwoch bestätigt, dass es einen weiteren "Anfangsverdacht der geheimdienstlichen Agententätigkeit" für die USA gebe. Es handelt sich um einen Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums in Berlin. Nach Presse Informationen war der Verdächtige seit rund einem Jahr als Länderreferent in der Abteilung Politik eingesetzt. Dort kümmerte er sich um Fragen der internationalen Sicherheitspolitik und hatte weitreichenden Zugang zu internen Dokumenten des Ministeriums.
Schon seit Monaten hatte der Militärische Abschirmdienst den Mitarbeiter im Visier, da er sich verdächtig oft mit Kontaktleuten traf, die man dem US-Geheimdienst zuordnet. Bisher allerdings gibt es nur Indizien, der Verdächtige wurde nach der Beschlagnahme seiner Computer und einer ausführlichen Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt.
Erst kürzlich war bekannt geworden, dass ein Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) im Verdacht steht, für die USA unter anderem den NSA-Untersuchungsausschuss bespitzelt zu haben.

Die US-Botschaft in Berlin hatte am Montagabend erklärt: "Wir arbeiten mit der deutschen Regierung zusammen, um sicherzustellen, dass die Frage angemessen gelöst wird." Zur Sache wollte sie sich nicht äußern.

US-Regierungssprecher Josh Earnest äußerte sich ähnlich. Er betonte, das Verhältnis zu Deutschland sei "unglaublich wichtig" auch die Kooperation in Geheimdienstfragen.

Was sagt uns das?

Die Diskussion über das flächengreifende Ausspionieren der deutschen Bevölkerung wird in eine der unteren Schubladen gesteckt. Dafür werden jetzt zwei Einzelpersonen präsentiert, die diese Tätigkeit berufsmäßig ausüben.
Und unsere führenden Berufspolitiker können jetzt so richtig empört sein und weiterhin naiv tun.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte: "Die Antwort auf Spionage ist nicht Gegenspionage. Es braucht mehr Sicherheit und gegenseitigen Respekt unter Partnern."

Der transatlantische Koordinator der Bundesregierung Jürgen Hardt (CDU-Bundestagsabgeordneter) "Wir fordern von der amerikanischen Seite eine klare Aussage dazu, ob die Person von den USA abgeschöpft wurde. Sollte dies der Fall sein, wäre dies ein schwerer Vertrauensbruch".

SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi: „Die Hintermänner in der US-Botschaft in Berlin müssten belangt werden“.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen: "Wir erwarten, dass die Vereinigten Staaten nicht nur einräumen, was geschehen ist, sondern konstruktiv mit uns zusammenarbeiten, dass so etwas nicht wieder geschieht" und
Washington müsse "wieder mit uns eine gemeinsame Sicht darauf entwickeln, wie wir in Zukunft unsere Zusammenarbeit gestalten wollen".
Seit den Enthüllungen Edward Snowdens sei "das Vertrauen erschüttert", sagte von der Leyen weiter. Eine Politik, die an "langfristigen, vertrauensvollen Beziehungen interessiert" sei, habe aber auch die Verantwortung, den Geheimdiensten klarzumachen, dass nicht alles, was möglich auch "politisch vertretbar" sei.

SPD-Fraktionsvize Rolf Mützenich: "Eine Ausweitung des BND-Aufklärungsauftrags auf das befreundete Ausland ist nicht hilfreich." Man könne die maßlose Datensammelei der US-Dienste nicht kritisieren und dann dasselbe tun.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht es wesentlich pragmatischer.
Er verurteilt nicht die Tätigkeit der Berufsspione, sondern das sie erwischt wurden.
Bei einer Diskussionsrunde im Sender Phoenix äußerte er scharfe Kritik: zwar sei es durch Informationen von Nachrichtendiensten gelungen, "terroristische Bedrohungen auf Deutschland abzuwehren". Das bedeute aber nicht, "dass die Amerikaner drittklassige Leute bei uns anwerben dürfen". Das sei "so was von blöd, und über so viel Dummheit kann man auch nur weinen", so Schäuble. Deswegen sei "die Kanzlerin da auch 'not amused'", so der CDU-Politiker. Gleichwohl fühle er sich "von den Amerikanern weniger bedroht als von manchen anderen in der Welt". Dennoch hege er die Sorge vor einer wachsenden Entfremdung zwischen beiden Staaten.

Die US-Regierung schweigt auch zu dem neuen Spionageverdacht. Man habe entsprechende Berichte gesehen, wolle aber Ermittlungen deutscher Justizbehörden oder Behauptungen über Geheimdienstangelegenheiten nicht kommentieren, sagte Caitlin Hayden, Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats.

In meinen Augen findet mal wieder eine große Täuschung statt. Frei nach John le Carré, Verwirrung stiften und vom wahren Ziel ablenken, bis es erreicht ist.

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