Corona-Virus - Covid 19
Der Impfstoff kommt: Hausärzte impfen gegen Corona

Heute kommt der Impfstoff zu den Hausärzten - morgen werden die ersten Patienten gegen Covid-19 geimpft. Das soll Vertrauen schaffen und Schwung in die Impfkampagne bringen. Fragen und Antworten.

Deutschland hinkt arg hinterher, was die Impfung gegen Covid-19 betrifft. Zu wenig Impfstoff, zu viele verwirrende Bestimmungen: Das sind zwei sehr wichtige Gründe. Aber genau so macht sich das fehlende Vertrauen bemerkbar: Ist der Impfstoff wirklich sicher? Was denken sich die Politiker eigentlich, wenn sie ein Vakzin erst empfehlen, dann wieder aus dem Verkehr ziehen? Da bleiben viele lieber ungeimpft und gehen damit das Risiko einer Erkrankung ein.

Deswegen sollen es die Hausärztinnen und Hausärzte richten - die Mediziner also, die ihre Patienten mit allen Krankheiten genau kennen und erklären können, wie der Impfstoff funktioniert.

35.000 Praxen wollen mitmachen, die Kassenärztliche Vereinigung geht sogar von 50.000 aus. In NRW wollen wohl die meisten der 11.000 Praxen mitmachen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärte vor Ostern: "Indem wir mit dem Impfen in den Hausarztpraxen beginnen, etablieren wir Strukturen, die uns helfen, schneller und mehr zu impfen." Wie das konkret ablaufen soll: Fragen und Antworten.

Wann geht es los?
In manchen Praxen ist schon versuchsweise geimpft worden. Grundsätzlich gilt aber: Der Impfstoff ist bestellt, ausgeliefert wird er am Dienstag - ab Mittwoch können dann die ersten Patienten einbestellt werden.

Wer wird zuerst geimpft?
Chronisch Kranke und Menschen mit schweren Vorerkrankungen. So sieht es die Impfverordnung des Bundes vor, in der eine Impfreihenfolge festgelegt ist und an die sich auch die Hausarztpraxen halten. Viele Ärztinnen und Ärzte haben schon entschieden, wen sie als erstes impfen wollen, entsprechende Listen angelegt und zum Teil auch Termine gemacht. Das gilt übrigens für Kassen- und Privatpatienten gleichermaßen. Laut kassenärztlicher Vereinigung Westfalen-Lippe würden in der Regel zunächst die bettlägerigen Patienten geimpft werden - und zwar im eigenen Zuhause.
Das heißt: Es ergibt wenig Sinn, sich ans Telefon zu hängen. Vor allem soll man einen Termin im Impfzentrum, den man schon bekommen hat, auf keinen Fall absagen. Dafür haben die Praxen noch nicht genug Impfstoff bekommen.

Ist genug Impfstoff da?
Jein. Die 35.000 Hausarztpraxen in der Bundesrepublik, die sich an der Impfkampagne beteiligen, sollen in den ersten Wochen zwar 940.000 Impfdosen bekommen - umgerechnet sind das aber pro Praxis gerade mal 26. "Es ist noch kein großer Schritt, aber ein wichtiger", sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dazu. Er kündigte aber auch an, dass die Impfungen "Ende April deutlich an Fahrt aufnehmen können"; dann würden dreimal so viele Impfdosen ausgegeben werden.

Womit wird geimpft?
In der ersten Woche wird der Impfstoff von Biontech/Pfizer verimpft. Eigentlich hieß es, dass er für den Einsatz in den Hausarztpraxen nicht in Frage kommt, weil er tiefgekühlt werden muss. Ende März hat die Europäische Arzneimittelbehörde EMA die Zulassung aber geändert, das Vakzin kann jetzt bei höheren Temperaturen ausgeliefert werden. Das heißt, der Großhandel liefert ihn aufgetaut an die Apotheken, die schicken ihn gekühlt weiter in die Praxen.

Eine Woche später soll die Impfstoff-Palette ausgeweitet werden. Dann kommt Astrazeneca zusätzlich zum Einsatz, für die Gruppen, die ihn bekommen dürfen. In der Woche darauf wird auch das Vakzin von Johnson&Johnson geliefert. Moderna bleibt erst mal außen vor, weil nicht klar ist, ob der Stoff den Transport vom Großhandel über Apotheken in die Praxen unbeschadet übersteht.

Wie geht es weiter?
Nach den Hausärzten sollen auch die Fachärzte und Betriebsärzte eingebunden werden. Vielleicht wird auch die Impfreihenfolge, die sich an Alter und Risiken orientiert, aufgeweicht. Das wünscht sich jedenfalls Ulrich Weigeldt vom Hausärzteverband: "Ein Mann von 69 Jahren mit Hypertonus und Diabetes sollte vielleicht eher die Impfung erhalten als eine 72-Jährige Triathletin."

Quelle: WDR - Auszug

Autor:

Rainer Bresslein aus Wattenscheid

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