Pollen-Alarm
Mildes Wetter bringt erste Probleme für Heuschnupfen-Allergiker

Die Telefone standen nicht still: Die drei Allergie-Experten Prof. Dr. Eggert Stockfleth, Priv.-Doz. Dr. Heinrich Dickel des Katholischen Klinikums Bochum und Dr. Cornelia Beimfohr, Apothekerin bei der AOK Nordwest, beantworteten zahlreiche Fragen der Leser rund um das Thema Pollenallergie.
  • Die Telefone standen nicht still: Die drei Allergie-Experten Prof. Dr. Eggert Stockfleth, Priv.-Doz. Dr. Heinrich Dickel des Katholischen Klinikums Bochum und Dr. Cornelia Beimfohr, Apothekerin bei der AOK Nordwest, beantworteten zahlreiche Fragen der Leser rund um das Thema Pollenallergie.
  • Foto: AOK/hfr.
  • hochgeladen von Vera Demuth

Die Nase kribbelt, die Augen jucken und der Hals kratzt: Die ersten Pollen fliegen seit einigen Wochen. Für Allergiker brechen harte Zeiten an. In Deutschland leidet fast jeder Dritte an einer allergischen Erkrankung. Der Heuschnupfen ist dabei die häufigste Allergie. Zahlreiche Anrufer aus Bochum nutzten die Chance, sich bei der Telefonaktion des Stadtspiegels Bochum und der AOK Nordwest von den Allergieexperten Prof. Dr. Eggert Stockfleth, Priv.-Doz. Dr. Heinrich Dickel des Katholischen Klinikums Bochum sowie AOK-Apothekerin Dr. Cornelia Beimfohr zu Pollenallergien und zur Abgrenzung einer Corona-Infektion beraten zu lassen.

Hier sind die wesentlichen Antworten auf die Leser-Fragen zusammengefasst:

Welche Pollen lösen eine Allergie aus und wie macht sie sich bemerkbar?
Bedeutsame Auslöser eines Heuschnupfens sind hierzulande Pollen frühblühender Bäume wie Hasel, Erle und Birke, Gräser- und Roggenpollen, Beifußpollen und zusehends auch Ambrosiapollen. Innerhalb von wenigen Minuten nach Allergenkontakt entwickeln sich Niesreiz, ein Juckreiz der Nase und Augen sowie Nasenlaufen. Parallel kommt es zur entzündlichen Anschwellung der Nasenschleimhaut mit „verstopfter“ Nase, das heißt behinderter Nasenatmung.

Wie kann ich mich vor den Beschwerden schützen?
Sportliche Aktivitäten und Spaziergänge in Wiesen und Feldern während der jeweiligen Blütezeit reduzieren oder meiden. Die Fenster tagsüber nach Möglichkeit geschlossen halten, erst ab 19 Uhr kräftig durchlüften. Der Pollenflug setzt in den frühen Morgenstunden ein, die Pollendichte ist in dieser Zeit am höchsten. Getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer ablegen und häufig waschen, denn die Pollen haften an der Kleidung. Abends duschen und die Haare waschen, um die Pollen zu entfernen, die sich tagsüber am Körper und im Haar festgesetzt haben. Vorsicht beim Verzehr von Honig, denn Honig ist pollenhaltig. Und beim Autokauf auf eine Klimaanlage mit Pollenfilter achten.

Was kann allergischen Schnupfen lindern?
Grundsätzlich führt die Vermeidung („Karenz“) des auslösenden Allergens zur effizientesten Beschwerdelinderung. Ein Vollbad mit Minzöl wirkt schleimlösend und ist antibakteriell. Ein Wasserdampfbad mit einer Kochsalzlösung beruhigt ebenso die gereizten Schleimhäute.

Treten Pollenallergien im Laufe des Lebens auf oder bestehen sie schon seit der Geburt?
Hauptursache für Allergien bei Säuglingen sind zumeist Nahrungsmittel wie Hühnerei, Kuhmilch oder Weizenmehlprodukte, die nicht vertragen werden. Im Verlauf der frühen Kindheit kann es aber auch schon zu Heuschnupfen kommen, der in der Regel zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahrzehnt auftritt.

Wie gefährlich ist eine Heuschnupfen-Allergie und wie lässt sie sich behandeln?
Die größte Gefahr beim Heuschnupfen ist der sogenannte Etagenwechsel. Das heißt, dass die Heuschnupfenbeschwerden vom oberen Rachenraum und der Nase in die Lunge hinabwandern. Aus dem Heuschnupfen entsteht ein chronisches allergisches Asthma mit Hustenanfällen, Atemnot und Minderbelastbarkeit. Antihistaminika und kortisonhaltige Nasentropfen oder -sprays stellen die medikamentöse Therapie der Wahl zur Beschwerdelinderung dar. Unterstützt werden kann sie zum Beispiel durch Augentropfen. Die spezifische Immuntherapie (SIT, Hyposensibilisierung) ist die einzige Therapie, die sich durch schrittweise „Gewöhnung“ an das Allergen gegen die Ursache des Heuschnupfens richtet. Hierbei werden regelmäßig niedrige Dosen des Allergens verabreicht, entweder in Form einer Injektion oder unter die Zunge in Form von Tropfen oder Tabletten. Eine Hyposensibilisierung dauert etwa drei Jahre. Sie ist sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen möglich. Nach einer erfolgreichen Behandlung sind häufig weniger oder gar keine Medikamente mehr nötig. Eine Erfolgsgarantie gibt es jedoch nicht.

Welchen Arzt suche ich bei einer Allergie auf?
Betroffene sollten zuallererst allergologisch tätige Ärzte, also Haut-, Hals-Nasen-Ohren-, Lungen- oder Kinderärzte mit der Zusatzbezeichnung Allergologie, aufsuchen.

Sind Husten und Niesen erste Anzeichen einer Corona-Erkrankung oder steckt vielleicht eine Allergie dahinter?
Eine Corona-Infektion zeichnet sich durch einen trockenen Husten aus. Der Husten bei Heuschnupfen ist mit Auswurf verbunden. Lässt die laufende Nase auch keine sichere Unterscheidung zu, so sind der starke Niesreiz und Juckreiz der Nase und Augen doch typisch für den Heuschnupfen, bei einer Erkältung oder Corona-Infektion ist das nicht der Fall. Im Zweifelsfall ist der Hausarzt und Allergologe zu kontaktieren.

Welche Symptome treten bei einer Heuschnupfen-Allergie auf und wie unterscheiden sie sich zu einer Corona-Infektion?
Im Gegensatz zur Corona-Infektion sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn im Allgemeinen nicht beim Heuschnupfen zu beobachten.

Tragen Pollenallergiker ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren?
Corona ist besonders gefährlich für Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Asthma. Pollenallergiker, bei denen aus einem Heuschnupfen ein chronisches allergisches Asthma entstanden ist, zählen demzufolge zur Corona-Risikogruppe und sollten besondere Vorsicht walten lassen.

Lässt der Pollenflug die Corona-Infektionen steigen?
Ja, starker Pollenflug kann einer internationalen Studie zufolge das Corona-Risiko erhöhen. Die Infektionsraten korrelierten mit der Pollenzahl in Ländern mit und ohne Lockdown. Gab es viele Pollen in der Außenluft, stiegen die Infektionszahlen, beobachtete ein internationales Team unter Leitung von Wissenschaftlern der Technischen Universität München und des Helmholtz-Zentrums München. Wenn Pollen fliegen, reagiert die Körperabwehr in abgeschwächter Form auf Viren der Atemwege. Der Körper produziert dann unter anderem weniger sogenannte antivirale Interferone.

Können durch das Tragen von OP- oder FFP2-Masken Pollen zurückgehalten werden?
Ist es gegenwärtig grundsätzlich wichtig, im öffentlichen Raum einen Mund- und Nasenschutz zu tragen, können insbesondere FFP2-Masken hier auch als zumindest leichte Pollenfilter wirken, mit denen man die Aufnahme von Pollen minimiert und damit die allergischen Reaktionen mindert. Auf eine täglich frisch genommene FFP2-Maske sollte dabei geachtet werden.

Ist bei Allergikern während der Allergiezeit eine Impfung gegen Corona möglich?
Pollenallergiker mit Heuschnupfen und/oder kontrolliertem, das heißt medikamentös eingestelltem allergischen Asthma, können eine Covid-Impfung mit normaler Nachbeobachtungszeit erhalten.

Kann durch eine Corona-Impfung sogar eine andere Allergie ausgelöst werden?
Ja, allergische Reaktionen wie Hautjucken, Atem- und Kreislaufprobleme können im Zusammenhang mit der Impfung gegen COVID-19 selbst auftreten. Als potenzielle Auslöser für diese allergischen Reaktionen werden zurzeit Hilfsstoffe in den Impfstoffen wie Polyethylenglykol oder Polysorbat genauer untersucht.

Weitere Informationen zum Thema Allergien gibt es auch unter www.aok.de/nw (Rubrik "Gesundes Leben") oder beim Deutschen Allergie- und Asthmabund unter www.daab.de. Die aktuellen Pollenflugdaten können beim Deutschen Wetterdienst (DWD) unter www.dwd.de/pollenflug abgerufen werden.

Autor:

Vera Demuth aus Bochum

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