Ab September wird das Museum der Heimkehrer-Dankeskirche in Weitmar umfassend erneuert

Christian Herker (r.)  zeigt Kai Krischnak, Pressesprecher der Stadtwerke, die Ausstellung in der Heimkehrer-Dankeskirche.
  • Christian Herker (r.) zeigt Kai Krischnak, Pressesprecher der Stadtwerke, die Ausstellung in der Heimkehrer-Dankeskirche.
  • hochgeladen von Nathalie Memmer

Noch heute erinnert die Pfarrer-Halbe-Straße in Weitmar an den Mann, auf dessen Initiative die Errichtung der Heimkehrer-Dankeskirche an der Karl-Friedrich-Straße zurückgeht. Der Pfarrvikar war 1949 aus russischer Gefangenschaft heimgekehrt. Der erste Spatenstich „seiner“ Kirche erfolgte 1958 und bereits ein Jahr später war der Bau, der nicht von ungefähr ein wenig an eine Lagerbaracke erinnert, vollendet.

August Halbe und seine Mitstreiter schufen damit eine Stätte des Dankes für die Heimkehr aus Krieg und Gefangenschaft und zugleich ein Mahnmal für Versöhnung und Frieden. Die Heimkehrer-Dankeskirche dürfte die einzige Kirche sein, die in dieser Weise an das Schicksal der mehr als 12.000.000 deutschen Soldaten und Zivilisten in Kriegsgefangenschaft erinnert. Das begründet ihren nationalen und internationalen Rang.

Museum in der Krypta

In der Krypta der Kirche ist ein Museum untergebracht, in dem zahlreiche in Kriegsgefangenenlagern entstandene Gegenstände ihren Platz gefunden haben. Gemälde und Zeichnungen geben eindrucksvoll Einblick in das Alltagsleben der Lagerinsassen. Besonders markant ist eine Reproduktion der Stalingradmadonna, deren Original der deutsche Lazarettarzt Kurt Reuber 1942 in Stalingrad gemalt hat. „Eine Witwe“, erläutert Christian Herker, der sich als Mitglied des Gemeinderates St. Franziskus Bochum-Weitmar besonders für die Heimkehrer-Dankeskirche engagiert, „hat das Bild auf Sackleinen gestickt.“
Die Ausstellung soll nun den Anforderungen an ein modernes, sachgerechtes Museum angepasst werden. Herker erläutert, was das bedeutet: „Sortierung und Katalogisierung sind zentrale Prinzipien. Wenn der neue Anstrich aufgebracht ist, werden neue Vitrinen aufgestellt Die Beschriftungen werden erneuert, Bilder restauriert und eine neue Beleuchtung angebracht.“ Dabei soll die Krypta weiterhin auch als Gottesdienstraum genutzt werden.

Förderung durch Stadtwerke

„Bis zu 20.000 Euro sind für die Modernisierung erforderlich. Besonders die Standvitrinen sind teuer“, erklärt Herker. Um die notwendigen Mittel einzuwerben, hat sich die Heimkehrer-Dankeskirche als Bürgerprojekt bei den Stadtwerken beworben. Kai Krischnak, Leiter der Unternehmenskommunikation beim Energieversorger, erinnert sich: „Im Bürgervoting hat die Heimkehrer-Dankeskirche nicht die volle Fördersumme erhalten. Der Beirat hat die Förderung dann auf 13.000 Euro aufgestockt. Das entspricht der Antragssumme.“ - „Zusätzliche Mittel“, ergänzt Christian Herker, „kommen von unserem Förderverein. In Zukunft können wir auch Landesmittel beantragen.“
Ziel ist es, die Dauerausstellung einem noch breiteren Publikum zugänglich zu machen. „Schülergruppen können hier im Rahmen einer Geschichtswerkstatt arbeiten“, hat Herker bereits Vorstellungen für die Zukunft. Schon jetzt kommen Besuchergruppen nicht nur aus Bochum, sondern auch aus den umliegenden Städten an die Karl-Friedrich-Straße. Besonders stolz ist Herker, dass die Heimkehrer-Dnkeskirche mittlerweile zur „Blauen Linie“ der Sehenswürdigkeiten in Bochum zählt.

Beginn der Arbeiten Mitte September

Ein Zeitplan für die Überarbeitung der Ausstellung wurde bereits aufgestellt. „Am 11. September öffnet sich unser Museum den Besuchern beim diesjährigen 'Tag des offenen Denkmals'. Direkt im Anschluss beginnen die Modernisierungsarbeiten. Das Museum ist Also ab 12. September geschlossen“, blickt Herker voraus. Ende des Jahres soll der Erneuerungsprozess abgeschlossen sein. Die Einweihungsfeier des runderneuerten Museums soll im Februar 2017 stattfinden.
Dabei war die Heimkehrer-Dankeskirche immer auch ein Ort, an dem die heimgekehrten Kriegsgefangenen die Schuld verarbeiten konnten, die sie im Krieg auf sich geladen hatten. „Die neue Ausstellung widmet sich auch den KZ-Opfern und den ausländischen Zwangsarbeitern“, ist es Herker wichtig zu betonen. Sein Anliegen ist dabei durchaus demokratiepädagogisch: „Wir sollten uns bewusst machen, dass ein Leben in Frieden und Freiheit nicht selbstverständlich ist.“ Die Heimkehrer-Dankeskirche ist zwar eine katholische Einrichtung, lädt aber bewusst auch evangelische Christen und Nichtgläubige ein. „Sie ist“, so Herker, „ein spiritueller Ort.“

Autor:

Nathalie Memmer aus Bochum

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