Reiher verliebt sich in Plastikvogel

Schau mir in die Augen Großes! Reiher Egon und sein angebeteter Plastikvogel. | Foto: privat
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Eigentlich ist alles so wie jedes Jahr im Spätsommer. Willi Smolka hat den kleinen Teich in seinem Garten mit einem Netz abgedeckt, um die Goldfische, die darin putzmunter hin und her schwimmen, vor Angriffen von Wildvögeln zu schützen.

Auch die etwa ein Meter große Reiherfigur hat der Bottroper wieder aufgestellt, die die lebendigen Reiher-Kollegen von den Fischen fernhalten soll. Und wie jedes Jahr beobachtet Willi Smolka auch den ein oder anderen echten Reiher, der in Nachbars Garten oder auf seinem kleinen Schuppen landet und sich zu dem Gewässer vorpirscht. Nichts ungewöhnliches also, was in den letzten Tagen in den Gärten im Eigen geschehen ist.

Wäre da nicht Reiher Egon. Das graue Federvieh stattete dem Teich der Familie Smolka vermutlich schon öfters mal einen Besuch ab, in der Hoffnung den ein oder anderen Fisch vertilgen zu können. Doch seit vergangenen Dienstag, so scheint es, hat das Tier wohl anderes im Sinn. „Ich habe gesehen wie er im Nachbargarten auf der Wiese saß und immer zu unserem Teich rüberschaute. Dabei hat er sich so merkwürdig geduckt“, erzählt Willi Smolka, „ich dachte zunächst er sei krank.“

Von wegen. Und auch auf die Goldfische hatte es Egon nicht mehr abgesehen. Stattdessen schlägt das Herz des großen Vogels nun nur noch für die Reiher-Attrappe am Teich, seine neue große Liebe. „Er ist total auf den Kumpel hier fixiert“, lächelt der Eigener. Und selbst wenn sich das Ehepaar Smolka und die benachbarte Familie Hochberger in ihren Gärten aufhält, lässt sich der Frischverliebte nicht davon abhalten, dem Plastikvogel schöne Augen zu machen. „Dass so ein Wildtier so nah an den Menschen herankommt, ist eigentlich einmalig“, staunen Helga und Hubert Hochberger.

Aber was nun? Auf Rat eines Fachmanns stellt Willi Smolka den unechten Reiher in die Gartenlaube. Doch für Egon, keineswegs blöd, ist kein Hindernis zu groß. Völlig selbstverständlich stiefelt er Richtung Laubentür und platziert sich auf dem Schrank hinter dem Fenster. Möglichst nah zum angebeteten Artgenossen aus Plastik. „Er hat gesehen, wie ich die Figur in den Schuppen gestellt und die Tür nicht zu gemacht habe“, erklärt Smolka, „da ist er dann direkt dort rein.“ Mittlerweile hat der sichtlich verliebte Wildvogel die Holzhütte wieder verlassen und der unechte Reiher steht wieder am Teich.

Wie lange die Romanze zwischen Egon und „seinem“ Plastikvogel noch dauern wird, ist, wie bei Beziehungen halt so üblich, völlig offen. Doch eines hat der graue Reiher bereits geschafft: Er darf nun in einem Atemzug mit Trauerschwan Petra, die sich in ein schwanenförmiges Tretboot verguckte, und Höckerschwan Schwani, der für einen blauen Traktor schwärmte, genannt werden. Und diese Tiere haben es bekanntlich zu bundesweiter „Berühmtheit“ gebracht.

Autor:

Nina Heithausen aus Bottrop

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