Sicher ins Leben: Langsam aber behütet transportiert der „Storchenwagen“ seine kleinen Patienten

Alle lebenswichtigen Funktionen in greifbarer Nähe: Chefarzt Dr. Martin Günther (l.) und Oberarzt Dr. Sezgin Ata (r.) mit dem Transportinkubator des MHB, der im Einsatzfall von einem der fünf Rettungswagen der Feuerwehr Bottrop abgeholt wird.
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  • Alle lebenswichtigen Funktionen in greifbarer Nähe: Chefarzt Dr. Martin Günther (l.) und Oberarzt Dr. Sezgin Ata (r.) mit dem Transportinkubator des MHB, der im Einsatzfall von einem der fünf Rettungswagen der Feuerwehr Bottrop abgeholt wird.
  • Foto: Kappi
  • hochgeladen von Christian Gensheimer

Babys werden, wie gemeinhin bekannt, vom Storch gebracht. Sind sie allerdings etwas zu früh dran und benötigen eine medizinische Betreuung, kommt der Storch mit dem Wagen und holt sie ab.

Mit dem sogenannten „Storchenwagen“ sind Inkubatortransporte gemeint, die der Rettungsdienst der Feuerwehr Bottrop gemeinsam mit dem Marienhospital im Rahmen der Pränatalmedizin durchführt.
Frühgeborene aus den umliegenden Geburtskliniken St. Elisabeth in Dorsten und dem St. Sixtus Haltern, aber auch Kinder, die notfallmäßig zuhause das Licht der Welt erblicken, werden so auf sicherem Weg zur weiteren Behandlung und Obhut ins Marienhospital gebracht.
„Das Marienhospital hat den Status einer ‚Pränatal Level 1-Klinik‘“, wie Oberarzt Dr. Sezgin Ata erklärt. „Unsere Babynotärzte sind also bestens auf jedes neue und noch so kleine Leben vorbereitet.“
Tritt der Fall eines eiligen Transportes ein, trifft sich das Team aus Ärzten (speziell ausgebildeten Neugeborenen-Intensivmedizinern) und Kinderkrankenpflegern mit den Rettungssanitätern der Feuerwehr, die denrund 120 Kilogramm schweren Inkubatorkasten in den Rettungswagen einladen, und fahren dann zusammen zum Kind.

„Brutkasten“ mit High-Tech Medizin

Alles intensivmedizinisch Notwendige kann im Inkubatorkasten, auch transportabler „Brutkasten“ genannt, geleistet werden – dazu gehören Beatmung, Infusionen und die Aufrechterhaltung einer konstanten Temperatur um das Kind zu stabilisieren. „Eben all das, was auch auf der Intensivstation möglich ist“, so Dr. Sezgin Ata.
Um Schlaglöcher zu vermeiden und damit der zarte Organismus des im Brutkasten liegenden „Frühchens“ so wenig wie möglich beansprucht wird, nehmen die extra-geschulten Fahrer auch Umwege in Kauf. Hirnblutungen durch Ruckler könnten fatale Folgen haben.

Mit minimaler Geschwindigkeit und Blaulicht samt Martinshorn bahnt sich der Rettungswagen den Weg durch den Verkehr.
„Aufgrund des geringen Tempos von manchnmal nur 20 Kilometern pro Stunde kommt es immer wieder vor, dass der Transport auf Unverständnis bei anderen Verkehrsteilnehmern stößt,“ weiß Christoph Lang, Pressesprecher Feuerwehr Bottrop. „Was sie dann durch ‚Gesten‘ bekunden.“
Vielleicht würden sie ihren Unmut unterdrücken und auf derartige Reaktionen verzichten, wenn sie wüssten, dass der Patient an Bord ein Säugling ist.

Hintergrund
- Etwa 100 Inkubatortransporte führt die FW Bottrop jährlich durch.
- 1 bis 3 % der in Deutschland geborenen Kinder sind Frühgeburten.
- 2200 Geburten im Bottroper Einzugsgebiet im Jahr.
- Der kleinste frühgeborene MHB-Säugling in den letzten Jahren wog nur 320 Gramm, der größte 6.000 Gramm.

Alle lebenswichtigen Funktionen in greifbarer Nähe: Chefarzt Dr. Martin Günther (l.) und Oberarzt Dr. Sezgin Ata (r.) mit dem Transportinkubator des MHB, der im Einsatzfall von einem der fünf Rettungswagen der Feuerwehr Bottrop abgeholt wird.
Vorbereitung zum Transport: Die Rettungssanitäter (v. l.) Sebastian Junge und Sascha Brzezina holen den „Brutkasten“ ab und laden ihn in den Rettungswagen ein.
Autor:

Christian Gensheimer aus Essen-Nord

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