Interview mit Dirigent Leo McFall - Konzert am 17.+18.04.2018

Wo: Konzerthaus, Bru00fcckstrau00dfe 20, 44135 Dortmund auf Karte anzeigen

Der Gast-Dirigent des 7. Philharmonischen Konzerts “weit_sicht” der Dortmunder Philharmoniker ist Leo McFall, 1981 in London geboren und heute als freischaffender Dirigent tätig. Auch er hat uns vorab schon einige Fragen rund ums Konzertprogramm beantwortet:

Malte Wasem: Lieber Herr McFall, im nächsten Philharmonischen Konzert dirigieren Sie ein deutsches Programm, mit Musik von Weber, Clara Schumann und Johannes Brahms. Sie sind Brite – gibt Ihnen das einen besonderen, anderen Zugang zu dieser Musik?

Leo McFall: Nein, dieser nationale Aspekt spielt für mich dabei überhaupt keine Rolle. So großartige Musik wie die erste Sinfonie von Brahms, das ist eine universal gültige Sprache. Ganz egal, woher man kommt!

MW: Als erstes erklingt an diesem Abend das Konzertstück von Carl Maria von Weber, ein Werk für Klavier und Orchester. Was zeichnet diese Musik für Sie aus?

LMcF: Ganz einfach: Es ist ein charmantes, sehr charakteristisches und einfallsreiches Stück, voller Fantasie! Es wird sehr selten gespielt, daher freue ich mich über die Gelegenheit, es für das Dortmunder Publikum zu spielen. Sonst kennt man von Weber ja häufig nur den „Freischütz“.

MW: Weber hat das Konzertstück spannenderweise genau an dem Tag vollendet, an dem abends die Uraufführung von eben dieser Oper stattfand. Können wir eine musikalische Verwandtschaft zu seinem berühmtesten Werk hören?

LMcF: Man hört auf jeden Fall, dass es sich um den gleichen Komponisten handelt! Eine direkte musikalische Verwandtschaft zum „Freischütz“ besteht allerdings nicht, das ist ein ganz eigenes Werk. Aber Weber zitiert an einer Stelle eine Passage aus Beethovens „Les Adieux“-Klaviersonate. Diese Sonate hat ja ein ganz ähnliches Programm wie Webers Konzertstück…

MW: Da sprechen Sie einen spannenden Punkt an: Weber hat ein Programm für das Konzertstück verfasst. Demnach sitzt ein Burgfräulein auf dem Turm ihrer Burg und wartet auf ihren Ritter, der auf Kreuzzug gegangen ist. Spielen diese Programme eine Rolle für Sie, wenn Sie sich auf ein solches Stück vorbereiten? Oder interessiert Sie zunächst erst einmal nur die Musik?

LMcF: Ein solches Programm spielt eine große Rolle für mich! Es fasziniert mich immer wieder, wenn ein Komponist ein Programm für eine Partitur verfasst. Bei den Tondichtungen von Strauss oder den Ouvertüren von Mendelssohn empfinde ich diese Programme als große Hilfe und Stütze für uns. Auch bei Webers Konzertstück hilft uns das sehr: Man bekommt einen anderen Zugang zu dieser Musik!

MW: Das nächste Stück im Programm ist eine Rarität des 19. Jahrhunderts: Ein Klavierkonzert von einer Frau, von Clara Schumann. Was macht dieses Werk speziell für Sie?

LMcF: Ich finde das sehr interessante und spannende Musik. Sie ist eine der wichtigsten Figuren der klassischen Musik im 19. Jahrhundert, war eine der größten Virtuosinnen der Zeit. Da finde ich es wahnsinnig faszinierend, die Musik zu hören, die sie selbst komponiert hat.

MW: Nach der Pause gibt es dann die erste Sinfonie von Johannes Brahms. Können Sie sich noch daran erinnern, wann Sie diese Musik zum ersten Mal gehört haben?

LMcF: Das allererste Mal habe ich die Erste von Brahms als Aufnahme gehört, das war mit Gunther Wand und dem NRD Orchester. Das erste Mal live habe ich sie dann bei den BBC Broms gehört, als Claudio Abbado die Berliner Philharmoniker dirigierte. Das war wirklich ein unvergesslicher Abend, spätestens seit diesem Tag liebe ich diese Sinfonie!

MW: Die Erste ist in schwierigen Zeiten entstanden: Die ganze Musikwelt fragte sich „Wie können wir nach Beethoven noch neue Sinfonien schreiben?“ Verraten Sie uns: Wie hat Brahms das Problem gelöst?

LMcF: Natürlich hört man in dieser Sinfonie noch den Geist von Beethoven umherwandern. Man nennt sie ja gerne auch „Beethovens Zehnte“ – aber das kann ich persönlich überhaupt nicht nachvollziehen! Denn Brahms hat für mich hier etwas vollständig Eigenwertiges geschaffen: Diese Dramatik, diese blühenden lyrischen Linien, die Einsamkeit in der Musik und gleichzeitig die überbordende Freude des Finales – das ist für mich purer Brahms, und sonst nichts!

MW: Es gibt in dieser Sinfonie viele wirklich wunderschöne Stellen, beispielsweise den großen Hornruf im Finale. Wenn Sie diese Musik dirigieren, können Sie einen solchen Moment dann einfach nur genießen? Oder haben Sie dafür gar keine Zeit, weil Sie im Kopf bereits wieder ein paar Takte voraus sein müssen?

LMcF: Das ist für mich unterschiedlich. In den Proben bin ich total darauf fokussiert, mit dem Orchester zu arbeiten und dem Werk vollständig gerecht zu werden. Im Konzert schlägt das dann bei mir aber um: Mit dem Wissen, dass wir die Musik gut in den Proben erarbeitet haben und ihr gerecht werden können, kann ich die eigentliche Aufführung dann sehr gut genießen! Allerdings lerne ich allmählich, auch einmal in den Proben Spaß zu haben (lacht).

Vielen Dank für das freundliche Gespräch! Wir freuen uns sehr auf die gemeinsamen Konzerte!

PROGRAMM:

Carl Maria von Weber (1786—1826)
Konzertstück für Klavier und Orchester f-Moll op. 79

Clara Schumann (1819—1896)
Klavierkonzert a-Moll op. 7

Johannes Brahms (1833—1897)
1. Sinfonie c-Moll op. 68

Leo McFall, Dirigent
Andreas Boyde, Klavier

19.15 Uhr WirStimmenEin – Orchestermanager Michael Dühn und die Künstler
geben Einblick ins Programm, im Komponistenfoyer

…………..

Termine:

17.+18.04.2018, 20 Uhr, Konzerthaus Dortmund, 19.15 Uhr Einführung

Karten kosten zwischen 19 und 42 Euro, erhältlich an der Theaterkasse im Opernhaus, unter Tel: 0231-50 27222 oder www.tdo.li/philko7

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