Star-Architekten machen sich stark fürs Museum

Der Lichthof des Museums am Ostwall nach dem Umbau durch Stadtbaumeister Friedrich Kullrich im Jahr 1911. Hier haben sich im Laufe der Jahre nur wenige Einzelheiten geändert, auch die Lichtdecke, die den Krieg überstanden hat, ist nahezu unverändert. | Foto: Archiv
  • Der Lichthof des Museums am Ostwall nach dem Umbau durch Stadtbaumeister Friedrich Kullrich im Jahr 1911. Hier haben sich im Laufe der Jahre nur wenige Einzelheiten geändert, auch die Lichtdecke, die den Krieg überstanden hat, ist nahezu unverändert.
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Schon seit Monaten wird über den Erhalt des ehemaligen Museumsgebäudes am Ostwall diskutiert. Der Rat der Stadt hatte das Gebäude zum Verkauf freigegeben - damit droht der Abriss.

In einem Offenen Brief an den Rat der Stadt Dortmund haben sich jetzt zehn international tätige Architekten für den Erhalt des Hauses stark gemacht:

"Sehr geehrte Mitglieder des Rates der Stadt Dortmund, wir fordern Sie dringend dazu auf, das Alte Museum am Ostwall in Dortmund zu erhalten. Es ist eines der ganz wenigen Bauten in Dortmund, die mit einer internationalen Strahlkraft das Bild der Stadt als Kulturstadt in die Welt getragen haben.

Die Substanz des Hauses am Ostwall stammt in den aufgehenden Wänden bis hinauf zum Dach vom Oberbergamt, das 1872 in Dortmunds Gründerzeit errichtet wurde. Bereits 1911 wurde es – frühester Zeuge des Strukturwandels – vom Montan- zum Kulturbau von niemand geringerem als dem Stadtbaumeister Friedrich Kullrich umgebaut. Aus dieser Zeit stammt der eindrucksvolle Lichthof – in seiner Form und Substanz inklusive der heute noch vorhandenen Lichtdecke, die den Krieg überstanden hat!

In der Nachkriegszeit wurde der in seinem Mauerwerk aufrechtstehende Bau unter der legendären Museumsdirektorin Leonie Reygers zum paradigmatischen und ersten Museumsbau, der nach dem Krieg in Deutschland wiedereröffnet wurde, umgebaut. Seine ostentative Schlichtheit zeugt noch heute von der moralischen Überzeugung eines demokratisch-kulturellen Neubeginns. Ab 1975 erhielt der Bau durch die von Josef Paul Kleihues veranstalteten Dortmunder Architekturtage eine weit über Deutschland hinausreichende Beachtung: Internationale Architekten schufen in Dortmund ein städtebauliches und architektonisches Leitbild, das wenig später Kleihues in der IBA Berlin bahnbrechend umsetzen sollte.

Das alte Museum am Ostwall ist heute – nach den vier wiederaufgebauten mittelalterlichen Kirchen – der älteste Bau in der Dortmunder Innenstadt. Es ist der einzige erhaltene öffentliche Bau aus der Gründerzeit in der Dortmunder Innenstadt. Es ist der einzige überlebende Kulturbau Dortmunds aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Es ist – wie das Alte Museum in Berlin oder die Alte Pinakothek in München – das zentrale Kunstmuseum der Stadt. Es ist als Veranstaltungsort der Dortmunder Architekturtage ein zentraler Ort der Architekturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Der Abriss dieses für die Stadtgeschichte so einzigartigen Baues, der bis heute den schönsten öffentlichen Veranstaltungsraum der Stadt enthält, wäre eine nicht zu rechtfertigende kulturelle Sünde, die dem Abriss des mittelalterlichen Rathauses nach dem Zweiten Weltkrieg mindestens ebenbürtig wäre.

Erhalten Sie dieses Haus, das für die Identität Dortmunds und die Architekturgeschichte Deutschlands so bedeutsam ist!

Hochachtungsvoll

Helge Bofinger,
Mario Botta,
Klaus Theo Brenner,
Eckhard Gerber,
Vittorio Gregotti,
Jan Kleihues,
Hans Kollhoff,
Rob Krier,
Arno Lederer,
Richard Meier"

Autor:

Lokalkompass Dortmund-City aus Dortmund-City

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