Der Autor Heinrich Wolf

Der Schriftsteller Heinrich Wolf wurde am 28. Mai 1858 bei uns in Duisburg gestorben. Er schloß sein Studium mit dem Doktortitel ab. Er arbeitete als Gymnasialprofessor, war aber auch im Vorstand des Alldeutschen Verbandes und ab 1919 im Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund ein führender Redner auf kulturpolitischen Versammlungen (bis 1922). Er starb am 21. Januar 1942 in Düsseldorf.

"Armin Mohler rechnet ihn den „völkischen Systembauern der 20er Jahre“ zu.

In seinen Schriften behauptete Wolf eine geistig-kulturelle Überlegenheit der Deutschen über die Franzosen, war dabei aber zugleich sehr stark von dem Franzosen Arthur de Gobineau beeinflusst, der vor allem in Deutschland große Resonanz erfuhr. Wolf vertrat die deutschvölkische Forderung nach einem nur von einer Rasse, von einem Volk bewohnten Nationalstaat im engsten Wortsinn. Er hat außerdem eine Fülle von antisemitischen Schriften veröffentlicht, von denen ein Teil während der NS-Zeit auch im Unterricht verwendet wurde. In Anlehnung an die Schrift von Heinrich Claß „Wenn ich der Kaiser wär“, dem Manifest des Schutz- und Trutzbundes, lautete der zentrale Titel von Wolf „Wenn ich Kultusminister wäre!“.

Heinrich Wolf behauptete 1921, der „Erzfeind England“, die Briten, hätten während des Burenkrieges 26.600 Frauen und Kinder verhungern lassen.

Seine Judenfeindschaft war nur teilweise christlich begründet, er beruft sich allerdings immer wieder auf neo-apokryphe Evangelien.

Bereits während des Ersten Weltkrieges war er mit weitreichenden Annexionsforderungen an die Adresse Russlands, Belgiens und Frankreichs in der deutschen Öffentlichkeit aufgetreten. In einem mit "Nationalpolitischer Egoismus" überschriebenen Vortrag hatte er 1916 mit Blickrichtung auf eine zukünftige deutsche Ostgrenze „Baltenland, Litauen und weite Teile Polens“ als „das nötige Siedlungsland“ für ein zukünftig siegreiches Deutsches Reich eingefordert und auch die Abtretung ukrainischer Gebiete an Deutschland zumindest angedeutet. Auch die Herstellung einer Ausdehnung Deutschlands „von Hamburg bis zum Indischen Ozean“ propagierte er als lohnendes und machbares deutsches Kriegsziel," ordnet ihn die Internetenzyklopädie Wikipedia ein.

Bei dieser geistigen Gesinnung und den Titeln, die Heinrich Wolf laut Wikipedia veröffentlicht hat, habe ich mir schon gar nicht mehr die Mühe gemacht, in der Duisburger Stadtbibliothek nachzufragen, ob dort Bücher von dem Autoren vorhanden sind. Die Wahrscheinlichkeit habe ich dann doch als zu gering erachtet.

Wolf ist heute völlig aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Zu Recht? Daß seine politischen Ansichten schon zu Wolfs Lebzeiten nicht realisierbar waren, ist in jedem Geschichtsbuch nachzulesen. Allein schon die Aussage, Deutschland solle bis zum Indischen Ozean reiche, zeigt von einer verqueren Geisteshaltung, die jegliches realistisches Verständnis der Welt missen läßt.

Auch der Antisemitismus ist inakzeptabel und menschenverachtend. Das Judentum hat immer zu uns, zu Deutschland gehört. Behaupte ich etwas Falsches, wenn ich Wolf für einen geistigen Wegbereiter des Holocausts halte?

Warum also an Wolf erinnern? Nur weil er in Wikipedia enthalten ist?

Das allein reicht wohl nicht als Begründung aus. Interessant scheint mir persönlich auch ein anderer Ansatz. Wir reden so viel über "die" Nationalsozialisten und meinen damit in der Regel Regierung und Parteiführung. Daß es im Volk, an der Basis, auch viele Menschen gab, die diese Überzeugungen teilten, wird dabei leicht und schnell verdrängt. Heinrich Wolf ist ein beredtes Beispiel.

Menschen wie Heinrich Wolf gereichen keiner Stadt, weder Duisburg noch einer anderen, zur Ehre. Trotzdem gehören sie dazu, sind leider Teil der Geschichte und auch des kulturellen, wenn auch zum Glück verdrängten Erbes.

Man kann durchaus stolz auf seine Heimat und Herkunft sein. Eine Gesinnung, die andere Menschen dagegen gering schätzt, darf es dabei aber nicht geben. Im Volksmund gibt es die scherzhafte Bemerkung, jemand könne immer noch als schlechtes Beispiel dienen. Diese Bemerkung kann bei Wolf durchaus wörtlich genommen werden.

Autor:

Andreas Rüdig aus Duisburg

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