Beim "Eisenbahn-Treffen" rockte Altuns Gattin Gönül die Schmiede
Die Zwei Eisen-Männer Abdullah Altun und Heinz Billen unter sich

Inmitten der einzigartigen Modelleisenbahn sind die Herren Altun und Billen irgendwie wieder „Heinzi“ und „Abi“. Fotos: Ferdi Seidelt
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  • Inmitten der einzigartigen Modelleisenbahn sind die Herren Altun und Billen irgendwie wieder „Heinzi“ und „Abi“. Fotos: Ferdi Seidelt
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Kennen und schätzen gelernt hatten sich die Männer beim Bau der Zechen-Denkmäler in Rumeln-Kaldenhausen und Bergheim. Abdullah Altun, seit zwei Jahrzehnten erfolgreich als Gleis- und Tiefbauer unterwegs, war fasziniert von den vielen Talenten des Kaldenhausener Heimatfreunds und Kunstschmieds Heinz Billen.

Da beide eine „geerdete“ Vergangenheit haben, stimmte die Chemie von gleich auf jetzt. Altun verlegt in ganz Deutschland genormte Walzstahlerzeugnisse auf Beton-Schwellen, hat also mit der „großen Eisenbahn“ zu tun. Zum Einsatz kommen neueste Technik und Maschinen.
Billen, muntere 81 Jahre jung, ist der exakte Gegenentwurf zu seinem 30 Jahre jüngeren Freund. In seiner Werkstatt frönt der bekannte Kunsthandwerker dem Freiformschmieden - das manuelle Schmieden gehört zu den ältesten Handwerken überhaupt. Hier muss der Schmied die Form seines Werkstückes am Amboss frei erarbeiten, was Einfühlungsvermögen und vor allem Erfahrung voraussetzt. Der Schmied arbeitet mit Schmiedehammer, Amboss und Kohlen-Esse. Letztere sorgt für 1.100 Grad Celsius, der „Herr des Eisens“ hat das Material gern knackig heiß.
Als der „Macher der Gleise“ erfuhr, dass Billen in seinem Garten eine große Modelleisenbahn-Anlage betreibt, war ein Treffen gewissermaßen Ehrensache. In der Tat, die Billen'schen Gleise, Brücken, Unterführungen, Züge, Bahnhöfe, Gebäude und Burganlagen halten allen Vergleichen stand. Altun war hin und weg, wurde stante pedes zum großen Jungen. Gattin Gönül wiederum staunte nicht schlecht, als Billen nicht ihren Mann, sondern sie zu einem Arbeitseinsatz am Amboss verdonnerte:

Mit Hammer und Amboss bewaffnet

Schnell ist die Schmiedeschürze geschnürt und die Grifftechnik am schweren Mottek geübt, da ist auch schon der Stahl glühend-rot und wartet auf seine Druckumformung. Die Waffen sind gewählt, unten der Amboss, oben der Hammer. „Ping, ping!“ gibt Meister Heinz den Takt vor, „Ping, ping!“ antwortet Azubi Gönül. Schnell ist der Stahl-Vierkant platt, aber auch erkaltet - ab zurück ins Feuer. Dann wieder „Ping, ping!“. Nach einer Viertelstunde ist es fertig - ein filigranes Buchenblatt mit Haken. Das kommt, klar doch, in die Küche der Familie Altun, hier wird künftig die Kochschürze aufgehängt. Welche (türkische) Frau kann schon sagen, dass sie den Haken für ihre Kochschürze selbst geschmiedet hat? Gönül kann's!
Nun, wer bei Billen A sagt muss auch B sagen. Doch war weder für Abdullah noch für Gönül Altun das Vier-Gänge-Menü am Amboss ein Muss, es war der lukullische Abschluss eines Abends, den es so und in dieser Form nicht wieder geben wird. Doch wer weiß! Vielleicht bietet die Volkshochschule im nächsten Semester ein Schnupper-Seminar „Schmieden für türkische Frauen“ an. Mit Ausbilder Heinz und Vorarbeiterin Gönül.

Text und Fotos: Ferdi Seidelt

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