Pflegemaßnahmen im Baerler Busch vorerst gestoppt – erster Erfolg für die Bürgerinitiative
„Der Wald gehört zu den Bürgern“

Lukas Rose, Gernot Fischer, Luzie Kalthoff und Thomas Balitzki-Schulze von der Bürgerinitiative mit der dicken Unterschriftenmappe.
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  • Lukas Rose, Gernot Fischer, Luzie Kalthoff und Thomas Balitzki-Schulze von der Bürgerinitiative mit der dicken Unterschriftenmappe.

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Die Bürgerinitiative Baerler Busch kann einen ersten großen Erfolg für sich verzeichnen. Der Eigenbetrieb Ruhr Grün des Regionalverbandes Ruhr (RVR) wird die geplanten Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen im Baerler Busch vorerst nicht durchführen.
In den vergangenen Monaten kämpften die Mitglieder für „ihren“ Wald und sammelten so 3500 Unterschriften bei Baerler Bürgern. Und das in nur fünf Wochen. Diese dicke Mappe wollten sie nun an die Verantwortlichen des RVR übergeben. Doch trotz Einladung zum Pressetermin ist von Ruhr Grün niemand erschienen. 
Aber die Mitglieder der Bürgerinitiative ließen nicht locker. Auf der 21. Sitzung des Betriebsausschusses RVR Ruhr-Grün im Waldkompentenzzentrum Heidhof des RVR in Bottrop-Kirchhellen am vergangenen Freitag konnte eine Delegation der Bürgerinitiative „Baerler-Busch-ist-bedroht“ dann endlich die Unterschriften von 3500 Bürgerinnen aus Du-Baerl und den Ortschaften rund um den Baerler Busch übergeben. Ruhr Grün hatte vorab die Dialogbereitschaft mit der BI signalisiert.
„Dass so viele Bürger unsere Initiative unterstützen, zeigt, wie sehr das Thema um den Baerler Busch die Menschen bewegt. Es ist schockierend, wie viele Bäume markiert sind und später fallen sollen“, macht Gernot Fischer, Sprecher der Bürgerinitiative und Baumexperte deutlich. Mitglied Lukas Rose ergänzt: „Die Verschiebung ist ein erster Erfolg!“

Gemeinsam nach Lösungen suchen

Was die Mitglieder wollen, ist klar definiert. Sie fordern mit Nachdruck das Einhalten von geltenden rechtsverbindlichen Verboten. Um gemeinsam nach Lösungen zu suchen, forderten sie die Vertreter des RVR auf, die geplanten Maßnahmen zu stoppen. Dies ist nun geschehen. „Nun wünschen wir uns Gespräche mit den Vertretern. Gerne möchten wir in weitere Planungen miteinbezogen werden“, so Fischer weiter. Zudem fordert die Bürgerinitiative unter anderem den Vorrang für den Natur-und Artenschutz und die Erholungsnutzung vor der forstwirtschaftlichen Nutzung sowie die Entwicklung eines dynamischen Konzeptes, um den Anteil an Naturwaldbereichen schrittweise zu erhöhen. Weitere Flächen des Baerler Busches sollten möglichst nach dem Konzept des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) sowie der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) erfolgen. Das 15-Punkte Forderungsprogramm ist lang. Darin enthalten ist zum Beispiel die Förderung der natürlichen Waldentwicklung, der Wiederaufbau von Waldrändern anstatt Waldgrenzen und der Ausbau der Waldwege nur in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Duisburg. Desweiteren soll der Verzicht auf den Einsatz von Bioziden erfolgen. Zudem sollte vor weiteren fortwirtschaftlichen Maßnahmen eine Bestandsaufnahme insbesondere gefährdeter Brutvogelarten durchgeführt werden, um keine planungsrelevanten Brutbestände zu beeinträchtigen.
Für die Mitglieder der Bürgerinitiative ist eines von besonderer Bedeutung: Statt Gewinne aus dem Holzverkauf zu schlagen, sollten die natürliche Pflege und der Erhalt des Waldes im Vordergrund stehen. Fazit sei deshalb: Die Politiker, die die Rahmenbedingungen für den RVR und RVR Ruhr Grün bestimmen, müssten jetzt entsprechend handeln. Die geplanten Erlöse seien nach den Dürresommern 2018 und 2019 sowie in Zeiten des Klimawandels nicht mehr zeitgemäß. Die finanziellen Daumenschrauben für RVR Ruhr Grün sollten sofort gelöst werden. Ansonsten würde weiter abgeholzt.

Weiterhin viel Unterstützung

„Die Bürgerinitiative hat weiterhin die volle Unterstützung von Rot-Grün“, machte Hans-Gerd Bosch, SPD-Fraktionschef in der Bezirksvertretung, auf der Pressekonferenz deutlich. „Der Druck ist raus! Nun ist es Zeit, dass sich alle an einen Tisch setzen und darüber diskutieren, wie man den Wald als Erholungsort erhalten kann.“
Luzie Kalthoff von der Initiative sprach allen Beteiligten aus dem Herzen: „Ich bin mit dem Baerler Busch groß geworden. Das, was der RVR bis jetzt schon durchforstet hat, lässt keinen Wald mehr zurück. An vielen Stellen fehlen die Bäume und wenn man nach oben schaut, sieht man keine Baumkrone mehr. Der Wald gehört zu den Baerler Bürgern.“ Für diese Aussage bekam die junge Frau viel Zuspruch der anderen Mitglieder, die den Wald in erster Linie als Erholungsort sehen, der Lebensqualität spendet.
Als besondern Erfolg wertet die Bürgeriniative die Tatsache, dass die Verwaltung von RVR Ruhr Grün beauftragt wird, die weitere Planung der Maßnahmen im Baerler Busch mit der Bürgeriniative abzustimmen.  Durch den Stopp der geplanten Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen verschieben sich auch die bereits vorgesehenen Neuanpflanzungen.
RVR Ruhr Grün wird die Gespräche mit Vertretern der örtlichen Politik sowie dem amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutz fortsetzen, um einen Kompromissvorschlag für die weitere Entwicklung des Baerler Busches zu erarbeiten, heißt es. „Dieser wird anschließend den Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt. Unser Ziel ist es, die Forstwirtschaft des Regionalverbandes Ruhr zukunftsfähig aufzustellen. Klimaanpassung und Klimaschutz müssen daher auch bei Pflegemaßnahmen höchste Priorität haben“, so RVR-Beigeordnete Nina Frense.
Betriebsleiter Thomas Kämmerling von RVR Ruhr Grün bestätigt: „Wir hoffen, auf diesem Wege eine einvernehmliche Lösung zu erzielen. Schließlich wollen wir alle nur das Beste für den Wald.“
Alle Informationen gibt es auch auf der Homepage: www.baerler-busch-ist-bedroht.de.

Zur Information:

RVR Ruhr Grün hat in den vergangenen Jahren umfangreiche Pflegemaßnahmen in den Baerler Wäldern durchgeführt. Dabei wurden rund 120.000 Euro in die Instandsetzung der Wege und etwa 80.000 Euro in Aufforstungen investiert. Auf einer Fläche von mehr als 100.000 Quadratmetern wurde die Spätblühende Traubenkirsche bekämpft, die dort heimische Arten verdrängte. RVR Ruhr Grün arbeitet dabei nachweislich mit hohen Standards.

Autor:

Nadine Scholtheis aus Moers

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