OB Sören Link über das Image der Stadt, ihre Stärken und die neue Marketing-Kampagne
"Duisburg ist überraschend anders"

"Ich will die Stadt nicht schön reden, schon gar nicht schön lügen."
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  • "Ich will die Stadt nicht schön reden, schon gar nicht schön lügen."
  • Foto: Hannes Kirchner
  • hochgeladen von Sabine Justen

Die Stadt Duisburg ist besser als ihr Ruf, kann mit weit mehr punkten, als ihr bundesweites Negativ-Image vermuten lässt. Nach dem mit großer Bürgerbeteiligung entwickelten neuen Leitbild für die Stadt, soll nun eine neue Stadtmarketing-Kampagne die Außenwirkung verbessern, eine überzeugende Wort-Bild-Marke die Stärken der Kommune auf den Punkt bringen. Was alles für Duisburg spricht und wie der Imagewandel gelingen kann, darüber sprachen wir mit Oberbürgermeister Sören Link.

"Was wir anbieten können, ist ein authentisches Duisburg, nichts Schöngezeichnetes, nichts Fiktives, sondern tatsächlich das, was Duisburg auszeichnet", erklärt OB Link und nennt gleich eine Vielzahl an Punkten, die für die Stadt sprechen: die hoch engagierte Uni, die Flächenentwicklung für Wohnen und Gewerbe, der Hafen, der zu den erfolgreichsten in Deutschland und Europa gehöre, die Neue Seidenstraße, die China nutzt, um zigfach wöchentlich Waren für Europa per Bahn zum Ziel-, Verlade- und Verteilort Duisburg zu transportieren.
In seiner Aufzählung nicht fehlen darf „dass der Duisburger Stahl der beste in Europa und vielleicht sogar der modernste weltweit ist“. Aber auch, „dass hier Hightechforschung funktioniert, weil man in Duisburg praxisnah und nicht nur theoretisch forschen kann“. Ob Stahl jemals CO2-frei produziert wird oder nicht, entscheide sich in Duisburg. Das sei für die Weltentwicklung, weil Stahl auf Jahrzehnte hinaus gebraucht werde, von großer Bedeutung.
Welche guten Gründe gibt's denn für Familien und Firmen, gerne nach Duisburg zu kommen und zu bleiben? „Wenn sich Familien fragen, wo sie leben wollen, ist die Rhein-Ruhr-Region eine der attraktivsten und abwechslungsreichsten Gegenden Europas“, meint Link. „Hier kann man gut wohnen, hier kann man wunderbar seine Freizeit verbringen. Die Verkehrsanbindung ist hervorragend.“ Kalkuliere man eine Fahrtzeit von einer halben Stunde ein, gebe es in der Region alles, was man braucht: eine Vielzahl an Geschäften für jeden Geschmack, Universitäten, Forschungseinrichtungen, und, und, und ...

Bürger zu Botschaftern machen

Schaue man sich dann die Region genauer an, könne sich Duisburg als Scharnier von Ruhrgebiet, Rheinland und Niederrhein in dieser Ansammlung denkbarer Wohnorte „wirklich gut platzieren“. Kultur-, Freizeit- und Sportangebote in der Nähe, ebenso der Flughafen.
Duisburg selbst habe auch eine ganze Menge zu bieten: die Theater- und Museenlandschaft, die Freizeitwerte in Grün und Blau: Wälder, Wiesen, Ruhr- und Rheinauen, Seen. Der Kontrast Industrie und Natur sei mega-spannend. „Ich finde das großartig“, sagt Sören Link. Aber auf ihn komme es nicht an. „Es gibt 500.000 Duisburger. Die zu Multiplikatoren und Botschaftern ihrer Stadt zu machen, das ist eine der wesentlichen Aufgaben von Stadtentwicklung“.
Reichen ein flotter Slogan und ein schmuckes Bild, eine Wort-Bild-Marke, um das schlechte Image der Stadt nachhaltig zu verbessern?
"Nein", die Antwort des OB. "Wir machen keine Imagekampagne, die am Ende in drei Worten Duisburg beschreibt. Da muss mehr hinterstecken." Man brauche aber eine Headline, eine Wort-Bild-Marke, tolle Bilder, um die Leute auf Duisburg zu fokussieren, so dass sie sich informieren, anfangen, über Duisburg zu reden und mal ein Stück hinter die Kulissen zu blicken statt die bekannte Schublade aufzuziehen. Ein ambitioniertes Ziel, wie Link weiß.

Verkopfte Kampagne ist nicht das Ziel

"Duisburg ist überraschend anders." Das wolle man im Schulterschluss von Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Rathaus deutlich machen. Ziel sei keine verkopfte Kampagne von einigen wenigen, sondern eine mit Herz und Verstand, die in den Sozialen Medien gerne geteilt wird. Eine, die auch die Duisburger als witzig und gelungen bezeichnen. "Ich will die Stadt nicht schön reden, schon gar nicht schön lügen. Aber ich will, dass wir auch die schönen Seiten als das darstellen, was sie sind: nämlich einfach schön. Wir meckern zwar gerne über unsere eigene Stadt, aber die allermeisten leben gerne hier. Das müssen wir deutlich machen."
Was soll Menschen in Zukunft als erstes in den Sinn kommen, wenn sie an Duisburg denken? "Dass Duisburg eine Stadt ist, die aus einer durchaus problematischen Situation eine Menge gemacht hat. Dass die Menschen hier anpacken, herzlich und ehrlich sind. Dass hier echt was geht. Dass man hier gut wohnen und arbeiten kann."

Gut Wohnen und Arbeiten

Die Wohnbau- und Stadtentwicklungsprojekte 6-Seen-Wedau und Duisburger Freiheit werden laut Link in zehn Jahren Beispiele dafür sein, wie sich die in den Köpfen oftmals noch vorhandene Stadt Montan verändert hat, wie hier moderne, zukunftsfähige Arbeits- und Wohnplätze entstanden sind. Auch beim Thema Smart City, intelligente Stadt, sollen, so hofft der OB, vor allen Dingen Duisburger Projekte, beispielsweise für eine besonders kundenfreundliche Verwaltung, in den Sinn kommen.
"Was wir, wenn's nach mir geht, nicht brauchen: weitere Logistikflächen", erklärt Link. "Wir haben genügend Flächen für Logistik vorgehalten, wir haben unseren Beitrag geleistet. Weitere Flächen sollte es dafür nicht mehr geben." Duisburg werde auch weiterhin als Logistik-Standort erfolgreich bleiben, sollte sich allerdings nicht nur auf einen Bereich, den einen Wirtschaftszweig, stützen. „Je breiter wir uns aufstellen, desto unabhängiger werden wir von den Schwankungen einzelner Branchen.“

Keine weiteren Logistikflächen

Die Stadt sollte vielmehr auf weiteren Flächen Handwerksbetrieben, kleinen mittelständischen Unternehmen, Gewerbe, Dienstleistung, Wohnen und Grün Chancen geben. Immer dann, wenn sich die Frage überhaupt stellt, müsse von der Politik auch über die weitere Verwendung der von der Industrie genutzten Uferflächen des Rheins entschieden werden. Vormals für Bürger abgeschottete Flächen könnten so für diese wieder nutz- und erlebbar werden. Sören Link nennt als Beispiele den RheinPark in Hochfeld und den Innenhafen.
„Ein spannender Prozess“, meint der OB. „Und wir sind mittendrin!“

Hintergrund
=> 2016 startete der von OB Sören Link initiierte Bürgerbeteiligungsprozess unter dem Motto „Ihre Ideen - unsere Stadt“. Mit Hilfe der Duisburger wurden Stärken und Schwächen der Stadt erörtert, Ziele und somit ein Leitbild für die Stadt entwickelt.
=> Darauf aufbauend, wurde im Februar 2019 die Duisburg Kontor GmbH mit der Entwicklung einer neuen Stadtmarketing-Kampagne beauftragt.

"Ich will die Stadt nicht schön reden, schon gar nicht schön lügen."
„Wir meckern zwar gerne über unsere eigene Stadt, aber
die allermeisten leben gerne hier. Das müssen wir deutlich machen.“
Autor:

Sabine Justen aus Duisburg

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