Heribert Hölz stellte sein Buch vor - „Von Lebertran bis Slivovic“

Rund 50 Zuhörer kamen in der vergangenen Woche im Katholischen Stadthaus am Wieberplatz zusammen, darunter auch Verlagschef Alexander Laubenthal, um der Lesung aus dem Buch von Heribert Hölz zu lauschen.

Der Gründer der „Bosnienhilfe“ des Caritasverbandes Duisburg wurde im Kriegsjahr 1942, wie er in seiner Begrüßung betonte, nicht nur in Duisburg und nicht nur in Hochfeld, sondern „auf dem Immendahl“ geboren. Darum trägt der Buchtitel auch den Zusatz „Vom Kriegskind zum Bosnienhelfer“.

Während eines zweiwöchigen Aufenthaltes im Krankenhaus im Sommer 2011 hatte Hölz den größten Teil des Buches geschrieben.

„Damals in der Nachkriegszeit wuchs ich in Trümmern in Hochfeld auf. Toilette halbe Treppe und die ausgebombten Familienmitglieder auch in unserer kleinen Wohnung! Es waren bescheidene Verhältnisse! Wir mussten sehen, das wir überleben!“

Hölz erzählt vom Badetag am Samstag in der Zinkwanne in der Küche.

„Mutter schaute dann immer wer am schmutzigsten war, der kam dann zuletzt dran, damit das Wasser länger sauber blieb.“ Bei den Zuhörern wurden Kindheitserinnerungen wach.

Und aus diesem Baderitual resultiert der erste Teil des Buchtitels.

„Natürlich wurden auch die Haare gewaschen, denn am Sonntag mussten wir als Messdiener zur Kirche. Und dann kam es zum fatalen Fehlgriff. Anstatt wohlriechendem Schampoo war es Lebertran, der uns ins Haar eingerieben wurde. Das hat gestunken!“

Und dann seine Erinnerungen an einen der großen Brötchengeber in Hochfeld, die „Kupferhütte“ und deren Qualmwolken, die durch den Stadtteil waberten.

„Da hat man damals einen Kamin höher gebaut, damit der Qualm sich dann auch in die Nachbarstadtteile verteilte. Und da ist mir ein Lied in Erinnerung geblieben, das damals in St. Peter von den „4 Hajos“ gesungen wurde, die „Hochfelder Serenade“!“

Und seine Heimatverbundenheit kam in einer musikalischen Episode zum Ausdruck, als Heribert Hölz seine Gitarre nahm, und eben diese „Hochfelder Serenade“ des Hochfelder Komponisten Matthias Lixenfeld intonierte.

„Örgeswo in Hochfeld stütt gez en Kamin, boah wat is de hoch man kann bove janz witt sin!“

Das Lied steht natürlich auch in seinem Buch.

Die nächste Eisode handelt von seinem ersten Arbeitstag im Bereich der Jugendhilfe. Er erzählt von Frl. Linke und deren Anmerkung, als Irmgard, eine der jungen Mächen, die sie betreute heiratet: „Das war doch so ein nettes Mädchen!“ Die Zuhörer schmunzeln. Oder die Fahrt mit dem Dienstwagen, der am Grunewald von der Polizei angehalten wird, und wo sogar der Wanheimerorter Polizist vor der resoluten Dame kapituliert.

Ernst wird es, als Heribert Hölz seine Kindheitserinnerungen erzählt, die ihn wohl für seinen weiteren, auch beruflichen Lebensweg prägten.

Der Vater im Dezember 1944 in Lettland gefallen hinterlässt seine junge Familie im ebenfalls zerstörten Duisburg.

„Die Nachricht erreichte unsere Mutter am Aschermittwoch 1948! Und man muss wissen, dass die Ehe nur kurz war. 1936 geheiratet und 1942 in den Krieg gezogen, das war nicht viel!“

208 Briefe hat der Vater in zwei Jahren als Soldat von den Fronten an seine Familie geschickt!

„Meine Mutter hat diese gehütet wie einen Schatz. Es sind Dokumente der Liebe eines Soldaten an seine Familie und ein unschätzbares Gut!“

Einen dieser Briefe liest Hölz mit stockender Stimme vor und zeigt, wie schlimm der Krieg in das Leben der Menschen eingreift!

Und eine weitere große Gabe erreicht die Familie nach dem Tod der Mutter im Jahr 1987. Briefe, die diese über Jahrzehnte an eine Freundin im Bayrischen Wald geschickt hat.

Doch dann geht er weiter auf den zweiten Teil seines Lebens, den das Buch ebenfalls eindrucksvoll schildert, die „Bosnienhilfe“.

„Ich habe Tagebuch über jede einzelne Fahrt geführt. Es waren mittlerweile über 70 Fahrten!“

Die Zuhörer erfahren etwas über die schweren Kämpfe und die Auswirkungen auf die notleidende Bevölkerung, die am Ende ihrer Kräfte ist!

„Ich hatte den Opel der Caritas voll mit Lebensmitteln!“ erinnert sich Heribert Hölz.

Er erzählt von Checkpoints, Feindberührung und seiner Sorge um die Familie in Deutschland - „die wussten ja nicht wo ich überhaupt war“ - da er doch ein Ziel für die feindlichen Soldaten darstellte.

Seine kurzen Ausschnitte aus dem Buch machen Appetit auf „mehr“ !!!

Vieles sei ihm schwergefallen zu schreiben.

„Ich habe einen Blick in die Hölle getan!“ erklärt Hölz.

Ergreifend auch die Geschichte vom 5. Dezember 1996, als er ein Jahr nach der Belagerung von Sarajewo den St. Nikolaus spielte - „und zwar den Bischof und nicht den aus der Werbung“.

„Ich animierte die Kinder, das Lied „Lasst uns froh und munter sein“ mitzusingen, und mit zu klatschen. Erst während wir sangen fielen mir die Kinder auf, die in Rollstühlen saßen und nicht mit klatschten, weil sie keine Händchen mehr hatten!“

Die Zuhörer sind betroffen.

Eine Stunde lang hat Heribert Hölz aus seinem Buch vorgelesen und im Nachgang mit den Zuhörern diskutiert.

Dem an Geschichte interessierten Duisburger gibt dieses einen Eindruck von einem Menschen, der in seiner Kindheit im kriegszerstörten Duisburg geprägt wurde und sein Leben den Kriegsopfern in Bosnien verschrieben hat!

Ein Auszug aus dem Buch:

In der Schlange fällt mir eine alte Frau auf, eine Oma, an der Hand ein kleines Mädchen. Geduldig
wartet die Oma, bis auch sie an der Reihe ist und ein Paket erhält.

Was dann passiert, habe ich ganz genau beobachtet. Sie nimmt das Paket, trägt es zur Seite, um für die Nachrückenden Platz zu machen. Sie öffnet es und staunt – ich sehe es ihrem Gesicht an. Obenauf liegen vier Tafeln Schokolade. Sie greift nach einer Tafel, entfernt vorsichtig,

fast behutsam das Papier und bricht einen Riegel Schokolade ab. Den steckt sie dem kleinen Mädchen an ihrer Seite in den Mund. Ich bin wie gebannt. Das kleine Mädchen verzieht ihr Gesicht, fast zu einer Grimasse, so als wollte es sagen: Was hat mir denn da meine Oma in den Mund gesteckt?

Und nur Sekundenbruchteile danach huscht ein Lächeln über das kleine Gesichtchen, ja, es strahlt. Der Grund ist klar: Denn was mir da meine Oma in den Mund gesteckt hatte, schmeckt ja lecker, schmeckt süß, schmeckt unheimlich gut. Schokolade eben.

Ich gehe zu der alten Frau, spreche sie an. Sie versteht etwas deutsch. Ich sage zu ihr: „Ich habe das nicht verstanden. Warum hat das kleine Mädchen soeben das Gesicht zu einer Grimasse verzogen“ – ich mache das vor – „so als möchte sie gar keine Schokolade? Warum?”

Daraufhin macht die Oma einen Schritt auf mich zu. Sie steht ganz dicht vor mir. Sie umarmt mich und sagt schluchzend: „Kind keine Schokolade kennen! Kind erste Mal Schokolade!“ Dann weint sie bitterlich.

Das Buch ist rund 160 Seiten stark und kostet 14,95 Euro! Und wie sollte es anders ein, 1.- EURO pro Buch geht an die Bosnienhilfe der Duisburger Caritas.

Heribert Hölz „Von Lebertran bis Slivovic“, ca. 160 Seiten, Paperback mit Folienkaschierung, Format: 12,8 x 21 cm, 14,95 Euro, ISBN 978-3-939256-06-9.

Anno-Verlag • Ulmenallee 29 a • 47495 Rheinberg
www.anno-verlag.de • Tel. (0 28 02) 5 99 00 65
eFax (0 32 22) 2 43 75 57 • E-Mail: info@anno-verlag.de

Erhältlich im Buchhandel, bei Heribert Hölz, Tel. 02845/56 86, E-Mail: heriberthoelz@t-online.de

Detlef Schmidt hat die Lesung im Bild dokumentiert und hat seine Fotostrecke ebenfalls hier eingestellt:

http://www.lokalkompass.de/duisburg/leute/fotostrecke-heribert-hoelz-stellte-sein-buch-vor-von-lebertran-bis-slivovic-d166074.html/action/lesen/1/recommend/1/

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