Pedelc-Training, eine wichtige Sache!
Achim Jaspers: "Die Resonanz könnte aus Sicht der Kreispolizeibehörde deutlich besser sein."

Übung macht den Meister!
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Sie sind seit Wochen unterwegs, doch mit den steigenden Temperaturen werden es wöchentlich mehr: Menschen, die auf E-Bikes und Pedelecs über niederrheinische Straßen und Pättkes düsen.

Allerdings unterschätzen manche (vor allem ältere) Nutzer der Elektroräder die Gefahren, die sich bei diesem Freizeitvergnügen auftun. Deshalb haben die Kreispolizei Kleve und die Verkehrswacht gemeinsam eine Reihe von Veranstaltungen auf die Beine gestellt, die E-Bikern das Fahrerleben leichter machen sollen. In erster Linie wären die Termine für Trainingseinheiten zu nennen.

Dazu ein Kurzinterview mit dem Leiter der Direktion Verkehr der Kreispolizeibehörde Kleve, Achim Jaspers.

Fragen und Antworten ....

dibo: Warum bieten Sie nicht mehr Trainingstermine für Pedelec-Fahrer an?
Jaspers: In der Kreispolizeibehörde Kleve sind ausgebildete Verkehrssicherheitsberaterinnen und Verkehrssicherheitsberater für die Durchführung der Pedelec-Trainings verantwortlich. Neben den Pedelec-Trainings führen sie eine Vielzahl anderer Präventionsveranstaltungen für verschiedene Alters- und Risikogruppen (z. B. Motorrad Fahrende) durch. Sie werden zudem auch kurz- und mittelfristig bei landesweiten Präventionskampagnen eingesetzt. Viele Veranstaltungen sind aufwändig und zeitintensiv. Alleine an allen Grundschulen im Kreis Kleve werden jährlich alle Viertklässler mit der Radfahrausbildung auf die sichere Teilnahme als Radfahrende am Straßenverkehr vorbereitet. Von daher sind die Möglichkeiten zusätzliche Pedelec-Trainings anzubieten begrenzt. Hinzu kommt, dass bestimmte logistische Anforderungen für die Möglichkeit, Pedelec-Trainings anzubieten, erfüllt sein müssen (ausreichende und geeignete Fläche, Toiletten pp.)
Die Kreispolizeibehörde Kleve kooperiert beim Präventionsangebot vielfach mit der Verkehrswacht des Kreises Kleve. Erst am letzten 30 April waren Kreisverkehrswacht und Polizei gemeinsam mit einem umfangreichen Präventionsangebot beim Aktionstag „Kleve feiert voller E-nergie“ vertreten. Die Verkehrssicherheitsberaterinnen und –berater der Kreis Klever Polizei haben dort unter andrem auch Pedelec-Trainings angeboten. Die Kreisverkehrswacht hatte ihren Pedelec-Simulator im Einsatz.
Dennoch ist die Verkehrswacht eigenverantwortlich bei der Planung eigener Veranstaltungen.

dibo: Wie ist die Resonanz auf die einzelnen Angebote?
Jaspers: Die Resonanz könnte aus Sicht der Kreispolizeibehörde Kleve deutlich besser sein. Oft finden sich nur vereinzelte Teilnehmer/innen zu den Trainings ein. Offensichtlich besteht bei vielen Pedelec-Nutzerinnen und –Nutzern die Sorge, sich bei einem Training blamieren zu können. Dieses ist natürlich völlig unbegründet, da die geschulten Verkehrssicherheitsberaterinnen und Verkehrssicherheitsberater individuell auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingehen.

dibo: Welche Fehler machen E-Rad-Fahrer besonders gern?
Jaspers: Pedelecs haben ein deutlich höheres Gewicht als herkömmliche Fahrräder. In Verbindung mit der stärkeren Beschleunigung und höheren gefahrenen Geschwindigkeiten verändern sich die Fahreigenschaften. Daher ist die größte Fehlerquelle im Umgang mit Pedelecs grundsätzlich das Handling. Speziell können hier das Anfahren und Anhalten bzw. Bremsen genannt werden.

dibo: Gibt es neuralgische Punkte im Kreisgebiet?
Jaspers: Die Unfallstatistik weist keine örtlichen Häufungsstellen, die man als neuralgische Punkte bezeichnen könnte aus. Radfahrer verunglücken kreisweit, inner- und außerorts. Allerdings bereitet die Unfallentwicklung Sorgen. Während im Jahr 2020 133 Menschen bei Unfällen mit dem Pedelec verletzt wurden, waren es im Jahr 2021 schon 173 Personen. Die Steigerung um 30 Prozent ist besorgniserregend, da sich die Zahl der Verunglückten bereits im Vorjahr verdoppelt hatte. Zudem auffällig bei den im letzten Jahr im Kreis bei Verkehrsunfällen Getöteten: Zwar ist die Gesamtzahl verunglückter Seniorinnen und Senioren auf das Niveau von 2019 gesunken, von den 13 im letzten Jahr Getöteten waren aber zehn aus dieser Altersgruppe, acht Getötete dieser Altersgruppe waren mit dem Fahrrad oder dem Pedelec unterwegs.

dibo: Was empfehlen Sie Erstkäufern eines E-Bikes oder Pedelecs?
Jaspers: Erstkäufer sollten sich vor dem Kauf eines Pedelecs zunächst überlegen, welche Art von Pedelec für die persönlichen Ansprüche und Fähigkeiten geeignet ist. Hier gibt es große Unterschiede, daher empfiehlt sich eine fachkundige Beratung durch Fachhändler. Bei eingeschränkter Mobilität bietet es sich an, ein Pedelec mit tiefen Einstieg anzuschaffen. Ist die Kaufentscheidung gefallen, sollte man sich vor der ersten Ausfahrt mit der Technik und den Fahreigenschaften vertraut machen.
Der Fahrradhandel im Kreis Kleve wird durch die Kreispolizeibehörde Kleve aktuell mit Informationsmaterial ähnlich der „Bitte nicht stören“-Schilder in Hotels ausgestattet. Diese Anhänger wurden von den Verkehrssicherheitsberaterinnen und –Beratern der Kreispolizeibehörde Kleve entworfen und durch den Handel beim Verkauf an die Pedelecs gehängt. Die Käuferinnen und Käufer erhalten durch die Anhänger wichtige Hinweise und können mit dem aufgedruckten QR-Code die nächsten Termine für Pedelec-Trainings abrufen. Auch diese Maßnahme soll zur Steigerung der Sicherheit Pedelec Fahrender beitragen und wird sich hoffentlich auch bei der Resonanz der Pedelec-Trainings bemerkbar machen.

Achim Jaspers betont auf der Homepage der Verkehrswacht die Wirksamkeit der Zusammenarbeit beider Stellen und die Effektivität einer Teilnahme an einem Kurs mit dem Pedelec-Simulator. Dieser Simulator stelle rund 90 verschiedene Verkehrssituationen virtuell da, wobei auch die Reaktionszeit getestet werden kann. Offenbar eine empfehlenswerte Übungsergänzung!  
Am 28. Juni 2022 findet um 10 Uhr ein Pedelec-Training in Rees an der Realschule statt.

Sichtweise der Verkehrswacht

Weitere Antworten gaben uns Falk Neutzer und Peter Baumgarten von der Verkehrswacht Kreis Kleve.

dibo: Wie hoch ist die Resonanz auf die einzelnen Angebote?
Neutzer/Baumgarten: Den Simulator haben wir Ende 2019 angeschafft und, bedingt durch die Pandemie, über längere Zeit nicht einsetzen können. Buchungen durch Seniorengruppen aber auch Veranstaltungen von Kommunen oder eigene Veranstaltungen im Rahmen der, durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr geförderten Bundesprogramme, mussten größtenteils in dieser Zeit abgesagt werden. Inzwischen haben wir wieder viele Anfragen, auch weit über das Kreisgebiet hinaus, die wir bisher alle bedienen konnten. Alleine im April haben wir schon drei durchgeführt, weitere sind schon bis in den Juni terminiert. Einmal aufgebaut erfreut sich die Möglichkeit, Teilaspekte des Pedelec Handlings ohne Sturzgefahr zu erleben, großer Beliebtheit bei den Teilnehmern.

dibo: Wie genau hat man sich ein Simulations-Training vorzustellen?
Neutzer/Baumgarten: Das Simulationstraining ist eine sinnvolle Ergänzung zum praktischen Training auf einem Parcours. Insbesondere die Reaktionsfähigkeit und das Bremsverhalten zeigt den Teilnehmern die Herausforderung mit diesen Rädern. Die dauerhaft hohe Geschwindigkeit und der dadurch verlängerte Anhalteweg sorgen in den filmischen Konfliktsituationen für erhöhte Sensibilisierung. Diese Erfahrungen werden quasi im Schonraum ohne die Gefahr einer Eigengefährdung gemacht. Insbesondere auf das Tragen eines Fahrradhelmes und die Erhöhung der eigenen Sichtbarkeit weisen wir bei den Trainings besonders hin, da sie Unfällen vorbeugen bzw. Auswirkungen abschwächen.

dibo: Welche Fehler machen E-Rad-Fahrer besonders gern?
Neutzer/Baumgarten: Sicherlich machen „E-Rad-Fahrer“ Fehler nicht besonders gerne! Es sind einerseits die Tücken, die im technischen, fahrphysikalischem Bereich liegen und andererseits solche in der Wahrnehmung anderer Verkehrsteilnehmer.
So werden beispielsweise das Beschleunigungs- sowie das Verzögerungsverhalten durch Fahrräder mit Accu-Unterstützung unterschätzt. Je nach eingestellter Unterstützungsstufe kann die Beschleunigung ungewöhnlich hoch sein – sowie die Wirkung besonders bei den Hydraulikbremsen sehr stark sein. Beides kann sich bei unsicheren Straßen- oder Platzverhältnissen negativ auswirken und mit einem Sturz enden.
Nicht selten wird die Geschwindigkeit Pedelec fahrender Menschen im Straßenverkehr aufgrund zuvor genannter Gründe unterschätzt oder sie werden wegen der schmalen Silhouette übersehen. Diese Phänomene führen oft zu Unfällen im Kreuzungs- oder Begegnungsverkehr.

dibo: Was empfehlen Sie Erstkäufern eines E-Bikes oder Pedelecs?
Neutzer/Baumgarten

  • 1. Suchen Sie eine gute Beratung bei einem Fachhändler Ihres Vertrauens.
  • 2. Wählen Sie die richtige Größe beim Bike.
  • 3. Testen Sie die Handhabung des Rades bei einer ausführlichen Probefahrt.
  • 4. Schaffen Sie sich bitte einen Helm zur Benutzung an, soweit noch nicht geschehen. Denn etwa 9 von 10 meist tödlich verlaufenden Radunfällen könnten durch das Tragen eines Helmes vermieden werden.

Nähere Auskünfte geben
Vors. Peter Baumgarten
Geschäfsführer Falk Neutzer Tel. 2821-18000
Norbert van de Sand

Autor:

Dirk Bohlen aus Wesel

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