Mit Weihnachten verbinden sich ganz unterschiedliche Gefühle
Borbecker erinnern sich an ganz persönliche Festtage

Jürgen Noll hat die Eisenbahn, die er als Zwölfjähriger geschenkt bekommen hat, bis heute in seinem Besitz.  | Foto: Doris Brändlein
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  • Jürgen Noll hat die Eisenbahn, die er als Zwölfjähriger geschenkt bekommen hat, bis heute in seinem Besitz.
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Beim Spaziergang durch den Wald kann man herrlich die Gedanken schweifen lassen. Und gerade in der Vorweihnachtszeit erinnert man sich gerne zurück an die eigene Kindheit. Wie war das damals an Weihnachten? Was war früher anders? Und gibt es vielleicht Rituale, die bis heute gleich geblieben sind?

Wir haben nachgefragt. Einer, der für uns tief in die Erinnerungen an die Weihnachtstage seiner Kindheit eingetaucht ist, ist Rudolf Spitzer, Jahrgang 1931. Ganz besondere Gefühle verbindet er mit dem Weihnachtsfest 1941. „Wir waren damals total ausgebombt und ich war mit meiner Mutter und meinen drei Geschwistern in Oberschlesien in einem Kloster evakuiert. Da gab es an Weihnachten eine große Feier in der Kirche und meine Geschwister und ich durften auch bei den Krippenspielen mitwirken. Die Nonnen des Franziskaner-Klosters bewirtschafteten eine eigene Landwirtschaft, zu essen gab es also immer genug.“

Das erste Weihnachten in Essen war einsam und bescheiden

Bald danach waren die Spitzers wieder auf der Flucht, diesmal nach Thüringen und erst 1946 fand sich die Familie wieder in Essen ein. „Da war Weihnachten dann sehr einsam und bescheiden.“
Ilse Lange ist 1945 geboren und weiß noch, dass es an Weihnachten immer Süßigkeiten gab. „Meine Mutter hat für uns fünf Geschwister immer alles getan, was ging“, versichert sie. „Mit 13 habe ich mir eine Puppe mit Haaren gewünscht. Die habe ich auch bekommen“, berichtet die 73-jährige stolz.
„Weihnachten ist ein Fest der Familie, Kirche gehört dazu. Und früher gehörte auch die immer wiederkehrende Diskussion - erst Essen oder erst Bescherung - dazu. Oberbürgermeister Thomas Kufen schaut nicht ganz so gerne zurück.

Schön zu wissen, wo man an Weihnachten hingehört

„Meine Eltern hatten sich ja scheiden lassen und Weihnachten war immer ein Gezerre. Umso froher bin ich heute, dass ich ganz genau weiß, wo ich an Weihnachten hingehöre. Am Heiligen Abend sind wir immer in Ratingen bei den Eltern meines Mannes. Er ist Einzelkind und da ist ganz klar, dass er Weihnachten zu Hause ist. An den Feiertagen beginnt dann die Rallye durch die Familie.“
Der 1948 geborene Jürgen Noll kann nicht klagen. „Ich bin Einzelkind und habe immer sehr große Zuwendung bekommen, es hat mir nie an etwas gefehlt“, berichtet er. Besonders gerne erinnert er sich an die große Modelleisenbahn, die er mit zwölf Jahren bekam.

Unter dem Tannenbaum lag eine Modelleisenbahn

„Ich habe mich schon sehr früh für Technik interessiert“, blickt er zurück „und die Eisenbahn habe ich heute noch.“
„Mein Vater war Bäckermeister und Konditor und bei uns zu Hause an Weihnachten immer für den Gänsebraten zuständig“, erzählt Hans-Joachim Witzer. Als der Vater nicht mehr kochen konnte, übernahmen Sohn und Tochter diese Aufgabe. „Die Familie wurde ja auch immer größer, also haben wir Geschwister jeder eine Gans zubereitet. Das tun wir heute noch und die ganze Familie trifft sich dann an den Feiertagen zum gemeinsamen Essen“, freut sich Witzer.
Die Erinnerungen an das Weihnachtsfest der Kindheit sind so unterschiedlich wie die Menschen. Wenn wir uns an vergangene Zeiten erinnern, haben wir oft nicht nur die Bilder von damals vor Augen, sondern erinnern auch Geräusche, Gerüche und vor allem Gefühle. Vielleicht hilft uns der Rückblick in die Vergangenheit, die Gegenwart zu schätzen und mutig in die Zukunft zu blicken.

Text und Fotos: Doris Brändlein

Autor:

Christa Herlinger aus Essen-Borbeck

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