Wohnen mit Unterstützung - Börse in Essen

Ein gelungenes Beispiel für Wohnen mit Unterstützung gibt es bereits am Kuhlmannsfeld in Essen-Borbeck. Fotos: Sara Holz
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Eine Wohnbörse in der Weststadthalle Essen informiert am Samstag, 5. April, über Wohnformen für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Ein gelungenes Beispiel dafür gibt es bereits in Essen-Borbeck.

Petra schwingt den Staubsauger, Joachim wischt feucht durch und Elke kümmert sich um die Schränke. Großreinemachen ist am Kuhlmannsfeld 1 angesagt. So wie an jedem Mittwochnachmittag.

„Die Woche der Wohngemeinschaft ist genau durchstrukturiert“, erklärt Nicole Buttkus. „Mittwochs ist Putztag, an Dienstagen und Freitagen wird eingekauft“, zählt sie die notwendigsten Aufgaben auf.
Freizeitvergnügen ist aber natürlich auch eingeplant. „Die Donnerstagabende sind für Spiele reserviert und montags verfallen wir zumeist ohnehin in lange Gespräche über die vergangenen Wochenenden.“ Die verbringen die insgesamt acht Bewohner nämlich allein oder im Kreise von Freunden und Verwandten, während sie unter der Woche eine Betreuung erfahren. Denn hier, im Zentrum Borbecks, leben Menschen mit geistiger Behinderung zusammen - und zwar weitestgehend völlig selbstbestimmt. Eine Einrichtung der Gesellschaft für Soziale Dienstleistungen Essen mbH (kurz: GSE).
Tagsüber arbeiten die Frauen und Männer in den GSE-Werkstätten in Borbeck und Holsterhausen, am Nachmittag, meist gegen 16 Uhr, kommen sie dann in ihrer erst 2010 fertiggestellten Bleibe zusammen. „Ausgesucht haben sie sich ihre Mitbewohner nicht“, weiß Buttkus um die Besonderheit der Gemeinschaft, „aber man arrangiert sich miteinander und unterstützt sich gegenseitig.“ Das ist auch notwendig, denn auch wenn im Hause optisch nichts auf die Einschränkungen der Bewohner hindeutet (bis auf die Barrierefreiheit), braucht so mancher Hilfe bei alltäglichen Abläufen.

Acht Privaträume und vier Bäder

„Bei Joachim Reese äußert sich das hier am deutlichsten“, weiß die Betreuerin. Er wird zusätzlich von Pflegekräften umsorgt und ohne Unterstützung auch in Zukunft nicht auskommen, während viele Zimmernachbarn - alle acht Personen haben ihren eigenen Privatraum, hinzu kommen vier Bäder und ein gemeinschaftlicher Wohn/Ess-Bereich - dem Sprung zu einer selbstständigen Bleibe schon sehr nahe gekommen sind. Und dennoch: Es braucht Struktur von Außen und auch etwa beim Kochen begleiten die Sozialarbeiter ihre Gruppe. „Ich kann ja allein eh nur die Mikrowelle anschmeißen“, grinst Joachim, dessen Zimmer verspielt ist und eher dem eines Teenagers gleicht. Und manchmal bestellt man auch einfach Pizzen. Stubenhocker sind die Acht alle nicht. Stefan zum Beispiel fotografiert gern Flugzeuge. „Einmal im Monat ist Kegelabend“, erzählt Buttkus. Regelmäßige Ausflüge, zum Shoppen ins Centro Oberhausen, nach Venlo, ins Musical oder ins Legoland, die sind selbstverständlich.
Und dann gibt es im Erdgeschoss ja auch noch die „Flotten Socken“ als ständige Anlaufstelle. Die Tanzgruppe ist vor allem Joachims Ding. „Am liebsten gebe ich den Wolfgang Petry“, schwärmt er von seiner Liebe zu Bewegung und Musik. Und seiner freien Entfaltung steht hier ganz sicher nichts und niemand im Wege.

Wohnbörse in der Weststadthalle

- Die „Wohnbörse für das Wohnen mit Unterstützung“ wird von den Essener „KoKoBes“ (Koordinierung-, Kontakt- und Beratungsangebote für Menschen mit geistiger Behinderung) am Samstag, 5. April, von 10 bis 13 Uhr in der Weststadthalle, Thea-Leymann-Straße 23, veranstaltet.
- Der Eintritt ist frei und der Veranstaltungsort barrierefrei zugänglich.
- Die Wohnbörse wird zum dritten Mal durchgeführt und bietet Menschen mit Lernschwierigkeiten, ihren Angehörigen und Betreuern die Möglichkeit, sich über Wohnangebote der Essener Wohnungsbaugesellschaften zu informieren und zudem verschiedene Hilfen beim eigenständigen Wohnen (insbesondere im Bereich Betreutes Wohnen) kennenzulernen.
- „Peer-Counseler“ berichten in kleinen Gesprächsrunden von persönlichen Wohn-Erfahrungen und bieten sich auch als Paten an, um die Besucher zu den einzelnen Ständen zu begleiten und sie bei der Kontaktaufnahme zu unterstützen.

Autor:

Sara Drees aus Dortmund

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