„Any questions?“

Die THG-Schüler lauschen den Ausführungen des britischen Generalkonsuls.
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Britisches Understatement ist nicht seine Sache. Generalkonsul Malcolm Scott besucht das Theodor-Heuss-Gymnasium und findet klare Worte über sein „Great Britain“ und den Rest des Kontinents.

Sein Vortrag, in bestem Oxford-English, nicht unflott und mit fundierten Kenntnissen serviert, wirft in dreißig informativen Minuten ein Schlaglicht auf die deutsch-britischen Handelsbeziehungen und die Rolle Großbritanniens in Europa.
Historische Exkurse, der eine oder andere Gag, Scott weiß seine Zuhörer zu fesseln. Selbst hartgesottene „Null Bock“-Schüler fängt der Diplomat so, obwohl sein übliches Publikum oft - leider - deutlich älter ist.
Der Förderverein des THG mit Sabine Rast Burkhalter hatte die Präsentation ermöglicht, denn gerade die Schüler der Kettwiger „Europaschule“ sollten sich schon Gedanken machen über die europäische Krise, besonders die damit verbundene hohe Jugendarbeitslosigkeit.

Ein "Chamäleon"

Malcom Scott freut sich, den Standpunkt der englischen Regierung vortragen zu können, tritt jedoch zwischen „höchstoffiziellen“ Statements oft genug als Mensch hervor: „Formell hat mich die Queen ernannt. Aber ich vertrete natürlich die jeweils aktuelle Regierung. Als Repäsentant muss man ein Chamäleon sein. Aber wenn ich mit der Politik nicht klar käme, wäre ich nicht hier!“
Historisch gewachsen ist die britisch-deutsche Liaison, denn jedem Briten muss klar sein, dass seine Insel nur durch „a very small piece of water“ - den Ärmelkanal, von Europa getrennt wird. Und Deutschland ist halt ein ganz wichtiger Handelspartner, rund die Hälfte aller britischer Deals werden mit den „Germans“ abgewickelt.
Nach den ersten 50 Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die von schlechten Beziehungen zu den „Krauts“ und zwei Weltkriegen geprägt waren, begannen die Engländer, ihre bis dahin spärlichen ökonomischen Beziehungen zu Europa zu überdenken, denn die glorreichen Zeiten des Commonwealth waren endgültig vorbei.

Winston Churchill

Der große Winston Churchill erwähnte 1946 zum ersten Mal die „United States of Europe“, wollte allerdings sein Land dort raushalten. Erst 1973 hievte Prime Minister Edward Heath das United Kingdom in die Europäische Union, doch den Euro als Währung mochten die Briten nicht übernehmen.
„Do you have any questions?“, fragt der gebürtige Schotte in die Runde, nach anfänglichem Zögern kommt da auch einiges an Fragen, in souveränem Englisch - die verantwortlichen Lehrer nicken zustimmend - vorgetragen. „Was würde passieren, wenn Großbritannien die EU verließe?“ Die Antwort lässt keinen Interpretationsspielraum: „Das United Kingdom wie die Schweiz? Das wäre nicht gut - irgendeine Beziehung, sei es wirtschaftlicher Art, wird es immer geben!“
Auch die scheinbar harmlose Frage „Was denken die Briten, wollen sie ihre Unabhängigkeit bewahren?“ wird mit „a good question!“ quittiert. Erstens gäbe es die hohe Skepsis beileibe nicht nur auf der Insel, außerdem seien Umfragen nicht das gleiche wie Wahlen. So werde es auch 2017 sein, falls wirklich ein britisches Referendum über den Austritt aus Europa kommen sollte.

Die deutsche Rolle

„Warum hat England keinen Euro?“ - „Aufgrund schlechter Erfahrungen, es gibt auch historische Gründe - aber Großbritanien ist dennoch für Investoren aus aller Welt attraktiv!“
Die Vorteile für die weitere Zugehörigkeit zur Europäischen Union? Zwar würden viele konservative Hinterbänkler drakonisch „Nein“ rufen, aber ein Mantra schwebe Scott immer vor Augen: „Join the club who sets the rules!“ Für wirtschaftlichen Erfolg muss man da mitmischen, wo die Regeln aufgestellt werden, das leuchtet auch den Schülern ein.
Aber wie sehen seine Landsleute die deutsche Rolle in der Euro-Krise? Gar nicht so eindimensional, wie behauptet werde, weiß Malcom Scott: „ Deutschland hat große Opfer gebracht für den Euro, deswegen hat die Bundesrepublik ein großes Interesse, die Krise zu stoppen. Aber England wünscht sich halt weniger, nicht mehr Einflussnahme durch Europa!“

Klassische Musik

Über die Liebe zur klassischen Musik hat Scott als junger Mensch zur deutschen Sprache gefunden, diese Vorliebe dann kultiviert: „Um Musik zu verstehen, muss man Deutsch können!“
Als Student lebte er ein Jahr lang in Wien, „I had a lot of fun!“ Nun vertritt er sein Land in Deutschland und macht diesen Job richtig gut: „Ich hoffe, in Kettwig gibt es jetzt ein paar neue Freunde Großbritanniens...“

Die THG-Schüler lauschen den Ausführungen des britischen Generalkonsuls.
Der britische Generalkonsul Malcom Scott.
Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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