Manege frei für die Kinder der Hinsbeckschule

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Manege frei für die Kinder der Hinsbeckschule

In der Zirkusprojektwoche wimmelt es im Schulgebäude von kleinen Artisten

Wenn eine Horde Mini-Clowns durch Gänge flitzt, in Klassenzimmern Bälle, Stöcke und Tücher herumgewirbelt werden, Knoten aus Seilen wie von Zauberhand verschwinden und sich Teller auf den Spitzen von langen Stöcken drehen, dann ist wieder Projektwoche in der städtischen Gemeinschafts-Grundschule an der Schwermannstraße 9 in Kupferdreh. Bereits zum dritten mal wurde die Hinsbeckschule jetzt eine Woche lang zur Zirkusschule.

Startschuss für das Projekt „Hinsbeckschule Zirkusschule“ war im Februar 2010, damals noch gefördert durch die Essener „Stiftung Mercator“. Seinerzeit wurden zwei Lehrerinnen und eine Erzieherin in zirkuspädagogischer Arbeit ausgebildet und durch die finanzielle Unterstützung der Stiftung konnten auch einige Zirkusartikel angeschafft werden. Doch der große Erfolg hat dafür gesorgt, dass es nicht bei einer einmaligen Aktion blieb. Alle zwei Jahre wird die Hinsbeckschule seitdem zur Zirkusschule. Ohne Unterstützung einer Stiftung, sondern durch den Förderverein und einen Sponsorenlauf der Schulkinder finanziert, verwandeln sich die Klassenräume in kleine Übungsmanegen und eine Woche lang wird jongliert, balanciert und gezaubert was das Zeug hält. Im Zusammenarbeit mit dem Mitmachzirkus „Soluna“, unter Anleitung von Birger Koch und zwei seiner Assistentinnen, werden die 150 Schüler zu kleinen Jongleuren, Zauberern, Artisten, Feuerbändigern oder Clowns. Am Ende der Woche heißt es dann für alle Eltern und Angehörigen „Hereinspaziert, Hereinspaziert!“, denn dann wird in einer tollen Zirkusshow das Erlernte vorgeführt.
Am Anfang der Woche waren erst einmal die beteiligten Eltern, Erzieher und Lehrer gefragt. Gemeinsam mit dem Team des „Circus Soluna“ stellten sie in einer kleinen Vorführung den Kindern die neun Zirkusdisziplinen vor. Angefangen von Feuer über Akrobatik, Seiltanz, Kugel, Jonglage, Zaubern und Flowersticks bis hin zu den Clowns. Aus diesen Angeboten konnten die Schüler dann frei wählen, womit sie sich den Rest der Woche beschäftigen möchten.

„In die Rolle rein und über sich hinaus wachsen“

Schulleiterin Sandra Burchgardt erfreut sich an der Entwicklung der Kinder: „Die einzelne Genres sind für einige Kinder eine große Herausforderung. Im Lauf der Woche sieht man jedoch, wie die Kinder „In die Rolle rein und über sich hinaus wachsen“.
Selbst die berühmte Zauberschule Hogwarts aus den Harry Potter Romanen könnte sich von der Hinsbeckschule eine Scheibe abschneiden, denn in Hogwarts wird schließlich nur gezaubert. An der Schwermannstraße 9 ist aber noch viel viel mehr los! Hinter jeder Tür wartet eine neue aufregende Überraschung.
Im ersten Raum verzaubern Jasper, Paul, Johanna, Melanie, Silas und Gina gerade Tücher, lassen Gegenstände einfach so verschwinden und verwandeln einen normalen Knoten in einem Seil zu einem essbaren, den sie dann einfach aus dem Seil herausbeißen. Währenddessen schlagen die Artisten im Raum nebenan Rad, machen Kopfstand oder bauen menschliche Pyramiden. Im Flur sausen die Pois, das sind Bälle an einer langen Schnur, durch die Gegend und werden von Tayacan, Sahli und Asya kunstvoll durch die Luft geschwungen. Hinter der nächsten Tür balancieren Leonie und Amelie wie selbstverständlich auf riesigen Kugeln und werfen sich dabei gegenseitig noch lässig einen Ball zu. An anderer Stelle explodiert ein kleines Farbfeuerwerk aus bunten Tüchern, nur eben ohne Feuer, welche von den Kindern in einer Gruppenperformance hin und her geworfen und jongliert werden. Echtes Feuer gibt es dafür ein paar Räume weiter, wo Cassian gerade eine Fackel mit einem brennenden Finger entzündet, eine Flamme über den Arm laufen lässt und am Ende die Fackeln mit bloßer Hand wieder löscht. Doch nicht nur das beeindruckt, auch die Leistung der Lehrer, Erzieher und Eltern, die viel Zeit und Engagement investieren, um das Projekt zu unterstützen. Helfend stehen sie den Kindern zur Seite und sorgen so für das nötige Gefühl an Sicherheit. Auch deshalb kann Cassian, der kleine Feuerbändiger, nach seinem Kunststück ganz cool sagen „Angst hab ich davor überhaupt nicht!“, um dann in der Gruppe seiner Mitschüler zu verschwinden und sich über seinen Trick austauschen.
„Das Zirkusprojekt stärkt die Gemeinschaft und das Selbstbewusstsein“, weiß Sandra Burchgardt und freut sich darüber „ein Projekt zu leben, an dem alle beteiligt sind“. Das, was die Kinder im Rahmen dieses Projekts lernen, hilft ihnen auch später im Schulalltag. So werden Fähigkeiten wie Konzentration und Koordination geschult. Und auch wenn die Projektwoche vorbei ist, ist nicht Schluss mit Zirkus. „Auch außerhalb der Projektwoche ist Zirkus ein großes Thema an dieser Schule“, erklärt die Schulleiterin, „Von den drei Stunden Schulsport in der Woche ist immer eine Stunden dem Thema Zirkus gewidmet und auch in anderen Fächern wie Kunst und Musik spielt der Zirkus eine Rolle.“
Während Sandra Burchgardt über die zahlreichen positiven Seiten des Zirkusprojekts berichtet, führen Antonia und Wiktoria in einer Ecke des Schulflurs eine Jonglagenummer mit Tellern auf. Dabei balancieren sie die roten Teller geschickt auf der Spitze von Stäben, die fast größer sind als sie selbst und tauschen das sich drehende Geschirr untereinander aus. Unterdessen sind die Clowns in ihr Outfit geschlüpft und entern den Schulhof. Hinter der letzen Tür balanciert die siebenjährige Verena in luftiger Höhe mit verbundenen Augen über ein Seil. Auch sie scheint völlig angstfrei „Wieso soll ich Angst haben? Ich hab doch vorher geübt.“, lacht sie und fügt nebenbei hinzu „Das war aber das erste Mal auf dem hohen Seil“. Ja, Zirkusartist sein stärkt offensichtlich das Selbstbewusstsein!

„Wieso soll ich Angst haben?“

So können sich nicht nur die Kinder, sondern auch alle Helfer über das erfolgreiche Projekt freuen und vor allem auch darüber, dass es auch in zwei Jahren wieder heißen wird: „Hinsbeckschule - Zirkusschule“.

Autor:

Nina Sikora aus wap

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