OB-Wahl in Essen - Oliver Kern (SPD)
"Ich bleibe optimistisch"

Glaubt nicht an Wahlprognosen, sondern an seine "Kern"-Themen für die Stadt: SPD-Oberbürgermeister-Kandidat Oliver Kern. Foto: Archiv
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SPD-Oberbürgermeister-Kandidat Oliver Kern zeigt sich weiter kämpferisch. Als langjähriger Geschäftsführer des VKJ, Verein für Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet e.V., und als amtierender AWO Essen-Geschäftsführer weiß Oliver Kern wovon er spricht, wenn es darum geht, um Chancengleichheit für alle in Essen zu kämpfen. Aufgeben kommt für ihn da nicht infrage und so hält er es auch mit seiner Kandidatur bei der Oberbürgermeisterwahl.

"Umfragen sind
keine Wahlergebnisse"

In wenigen Tagen wird gewählt. Die Umfragen sehen nicht gerade rosig aus. Sind Sie noch zuversichtlich?
Oliver Kern: Selbstverständlich! Umfragen sind keine Wahlergebnisse. Gerade bei Kommunalwahlen lagen sie oft daneben. Ich erlebe viel Zuspruch von Essenern, die mir sagen, dass sie frischen Wind im Rathaus wollen. Ich bleibe optimistisch und arbeite weiter. Ich kann gar nicht anders, das hat mit meiner Geschichte zu tun. Als siebtes von zehn Kindern aus schwierigen Verhältnissen habe ich immer nach vorne geschaut und fest daran geglaubt, dass ich ein besseres Leben erreichen kann.

Eine gute Portion Optimismus ist angesichts der Corona-Pandemie sicherlich nicht falsch. Wie haben Sie die Krise erlebt? Wie sehen Sie die zukünftigen Auswirkungen für Essen?
Ich bin stolz auf die Hilfsbereitschaft und Solidarität in unserer Stadt! Überall in Essen haben sich Menschen um andere gekümmert und waren füreinander da. Ich finde, die Politik müsste das viel stärker fördern und betonen: Mehr Zusammenhalt, weniger „Jeder-für-sich“. Jetzt kommt es darauf an, dass wir auch wirtschaftlich gut aus der Krise kommen. Viele Branchen sind nach wie vor in größter Not: Schausteller, Gastronomie, Kulturschaffende, Tourismus – um nur einige zu nennen. Hier brauchen wir mutige und gleichzeitig verantwortungsbewusste Lösungen. Pflegekräfte, Erzieher und Menschen im Einzelhandel brauchen außerdem dringend mehr Geld, statt nur Applaus. Corona hat aber auch gezeigt, was in unserer Stadt schiefläuft.

"Corona-Helden
brauchen keinen
Applaus, sondern Geld"

Inwiefern?
Zum Beispiel im Bereich der Bildung. Viele Kinder waren von der Bildung abgeschnitten, weil sie kein Tablet oder Laptop besitzen. Wir müssen viel stärker daran arbeiten, diese Ungleichheiten auszugleichen. Alle Schulen in der Stadt sind gleich wichtig! Wir benötigen aber dort die größten Anstrengungen zur Modernisierung im Allgemeinen und zur Digitalisierung im Besonderen, wo die Herausforderungen am größten und die Kinder am stärksten benachteiligt sind. Auch die 2.400 fehlenden Kitaplätze wurden nochmal verstärkt zur Belastung. Ich möchte, dass wir in Essen endlich jedem Kind einen Betreuungsplatz bieten können.

„Das persönliche Glück
hängt in Essen zu oft
von der Postleitzahl ab...“

Meinen Sie dies mit ihrem Slogan „Gleiches Glück für alle. Mehr Respekt für jeden“?
Unter anderem. In den letzten 20 Jahren haben wir es in Essen nicht geschafft, überall gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen. Das Glück hängt zu oft noch immer von der Postleitzahl ab. Da hilft es nicht, dass der amtierende OB das Thema vom Tisch wischt und eine Nord-Süd-Diskussion „nicht zulassen“ will. Das Problem ist nicht die Diskussion, sondern die Ungleichheit. Im Norden schaffen nur 30 Prozent der Kinder das Abitur, im Süden fast 90 Prozent. Das ist einfach Fakt und widerspricht meinem Sinn für Gerechtigkeit. Niemand will den Norden schlechtreden. Ich bin dort selbst mit vielen Initiativen engagiert, habe mit verschiedenen Trägern Kitas gebaut und die Arbeit der Menschen vor Ort ist großartig. Wir müssen aber noch mehr tun.

Gerade droht dem Norden mit den Klinik-Schließungen ein weiterer Schlag ins Kontor.
Das dürfen wir nicht zulassen! Die Contilia hat das Vertrauen der Menschen aufs Übelste mit Füßen getreten. Viele haben nun Angst, im Notfall nicht mehr rechtzeitig behandelt werden zu können. Wir müssen alles dafür tun, dass der Norden die bestmögliche Gesundheitsversorgung behält. Ich habe von Anfang an gesagt, dass die Stadt hier aktiver auftreten und zur Not selbst investieren muss. Das wurde erst belächelt, nun sind fast alle derselben Meinung. Und: Wer will schon einen Gesundheitstourismus quer durch die Stadt?

Sauberkeit in Essen:
"Da hat der OB sein
Versprechen nicht gehalten"

Viele Menschen treiben die Themen Sauberkeit und Sicherheit um. Ein wichtiges Thema für Sie?
Ganz klar ja! Gerade beim Thema Sauberkeit müssen wir eine Schippe drauflegen. Es reicht nicht aus, eine App zum Mängel-Melden einzurichten und sonst alles beim Alten zu belassen. Mehr Sauberkeit war ein Versprechen des Oberbürgermeisters vor der letzten Wahl. Stand jetzt muss man sagen: Versprechen gebrochen. Quartiersmanager waren ein sehr vielversprechender Ansatz, doch die gibt es nicht mehr. Ich möchte zudem einen besser aufgestellten Kommunalen Ordnungsdienst, der in den Stadtteilen präsent und rund um die Uhr erreichbar ist. Damit schafft man sicher ein größeres Sicherheitsgefühl als nur mit medienwirksamen Großrazzien.

Zum Schluss noch einmal ganz direkt: Warum sollten die Essener Sie am 13. September wählen?
Weil ich als Quereinsteiger frischen Wind in die politische Landschaft in Essen bringe. Weil ich mit einem unverstellten Blick auf die Dinge mehr bewegen kann als viele, die sich seit Jahrzehnten in gewohnten Bahnen bewegen. Weil ich in meinem Leben nicht nur die Sonnenseiten kennen gelernt habe und aus eigener Erfahrung weiß, wie wichtig es ist, Chancen und Respekt zu bekommen, auch wenn man „von unten“ kommt. Weil ich für unsere Heimatstadt brenne und möchte, dass wir die großen Themen anpacken, statt sie nur weg zu moderieren. Ich bin mir sicher, dadurch würde Essen den dringend benötigen neuen Schwung für mehr Gerechtigkeit bekommen. Dabei möchte ich nicht die Zeit mit der Suche nach Hindernissen verschwenden – vielleicht sind ja gar keine da.

Autor:

Detlef Leweux aus Essen-Steele

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