Der Einzelhandel im Umbruch - Das Prinzip Verantwortung

Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin kümmert sich um die Auswirkungen des Strukturwandels im Einzelhandel auf die Städte.  (Das Duin Porträt wurde freundlicherweise von der Staatskanzlei NRW zur Verfügung gestellt: Foto Ralph Sondermann)
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Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin fasst den Strukturwandel im Einzelhandel treffend zusammen: "Der Handel ist der zweitgrößte Arbeitgeber und eine entscheidende wirtschaftliche Größe in Nordrhein-Westfalen. Mit der zunehmenden Digitalisierung und dem veränderten Nutzungs- und Kaufverhalten erlebt er derzeit einen tiefgreifenden Strukturwandel. Der anhaltende Boom von E-Commerce und Mobile Commerce erhöht den Druck insbesondere auf den innerstädtischen Einzelhandel, sich mit Innovationen auf die veränderte Situation einzustellen. Hierdurch eröffnen sich Chancen, aber auch Herausforderungen für Händler und Dienstleister." (07.05.2014; Internet World Business). Der NRW-Wirtschaftsminister lädt zum Runden Tisch E-Commerce ein, um sich ein genaueres Bild davon machen, wie sich der E-Commerce auf Verbraucher, Dienstleister und Händler auswirkt. "Darüber hinaus ist es unser Ziel, zusammen mit Wirtschaft, Verbänden, Kommunen und Politik Ideen zu entwickeln, wie wir unsere Städte und Gemeinden lebendig erhalten können," erweitert der Essener Minister das Blickfeld auf den Strukturwandel.

Einkaufszentren auf der grünen Wiese und innerhalb der Stadt

In den letzten 20 Jahren sind auf den grünen Wiesen rund um die Großstädte riesige Einkaufszentren entstanden, die einen Großteil der lokalen Kaufkraft dorthin geleitet hat. Aber auch innerstädtisch werden immer mehr Shopping Center gebaut, die Kaufkraft abschöpfen wollen. Nimmt man das Beispiel Holsterhausen, so ist es geradezu von solchen Zentren umzingelt: Rhein-Ruhr-Zentrum, Zentrum am Limbecker Platz, Neue Mitte Haarzopf, Realmarkt in der Haedenkampstraße, Rüttenscheider Stern. All diese „Einkaufsparadiese“ sind sowohl mit dem Auto als auch mit dem Öffentlichen Nahverkehr gut zu erreichen. Was bleibt da für einen Einzelhändler in Holsterhausen in seinem Geschäft noch anzubieten?

Kaufen per Mausklick

Der E-Commerce, wie die bequeme Art des Einkaufens von zu Hause aus genannt wird, ist eine weitere Herausforderung, die sich der Einzelhandel zu stellen hat. Im Ruhrgebiet und in ländlichen Gebieten entstehen große Logistikzentren, in denen meistens Jobs im Niedriglohnsektor entstehen. Also bringen diese Stellen dem Arbeitnehmer und den Kommunen sowie Landkreisen wenig Steueraufkommen. Hinzu kommen die vielen Lieferfahrzeuge, die dann den Verkehrsstrom gerade in Ballungsgebieten noch weiter anschwellen lassen. Hier ist der Gesetzgeber auf Bundes- und Landesebene gefordert, dem Wildwuchs auf den innerstädtischen Straßen und Autobahnen Einhalt zu gebieten. Ein erster Versuch zur Eindämmung des Lieferverkehrs findet zur Zeit in Amsterdam statt (ELTIS), was sich auch deutsche Stellen mal ansehen sollten.

Holsterhausen im Strukturwandel

Holsterhausen ist in vielen Bereichen besondere stark von einem Strukturwandel betroffen. Die großen öffentlichen Einrichtungen wie das Uni-Klinikum und das nahe Justizviertel prägen die Struktur der angesiedelten Unternehmen und Freiberufler. Wegen der günstigeren Mieten im Vergleich zu Rüttenscheid haben sich viele Ärzte, Physiotherapeuten, Steuerberater, Anwälte und Pflegedienste hier niedergelassen. Das hat auch die Entwicklung der Gastronomie im Stadtteil verändert. Tagsüber halten die vielen Imbisse, Pizzerien, Bäcker mit Cafébetrieb, Cafés und Eiscafés ein reichhaltiges Angebot vor. Der Bereich der Gemarkenstraße am Kirchvorplatz lädt viele Menschen bei gutem Wetter zum Schlendern und Verweilen ein. Die Bevölkerungsstruktur Holsterhausens hat sich auch dramatisch in den letzten 30 Jahren verändert. Früher prägten die vielen Arbeiter das Stadtteilbild. Das ist mittlerweile Geschichte. In den vergangenen Jahren haben sich viele allein erziehende Mütter und Studenten für eine günstige Wohnung in Holsterhausen entschieden. Auch viele ältere Menschen sind Holsterhausen treu geblieben. Dennoch fehlen in Holsterhausen größere Wohnungen für junge Familien, altengerechte Wohnungen und Kitaplätze.

Die Verantwortung des Konsumenten

Selbstverständlich ist es toll, von zu Hause aus bequem seine Waren zu bestellen. Ein Fahrer bringt die Pakete und meistens nehmen die lieben Nachbarn die Lieferung entgegen, wenn der Käufer tagsüber nicht zu Hause sein kann. Ein großes Problem stellt sich aber der Allgemeinheit, wenn Kunden z.B. mehrere Schuhe in unterschiedlichen Größen bestellen und somit ein weiteres Fahrzeug diese Waren wieder zum Anbieter zurückfahren muss. Leider sind viele Verbraucher auf niedrige Preise von Waren angewiesen, weil sie nicht so gut verdienen. Der Mindestlohn kann hier ein wenig Abhilfe schaffen, aber nicht das Problem lösen, dass es auf das Preis-Qualitäts-Verhältnis ankommt. Trotzdem sollten sich die Verbraucher darüber Gedanken machen, bei welchem Händler sie welches Produkt kaufen. Manche billigen Produkte können nach einiger Zeit richtig teuer werden.

Die Verantwortung der Immobilienbesitzer

Am Beispiel der Gemarkenstraße kann man schon erkennen, welche Probleme die Besitzer von Häusern und Gebäuden haben, aber auch anderen Gruppen im Stadtteil machen. Der Holsterhauser Makler Jens Noetzel hat da einen guten Überblick: "Es gibt Hausbesitzer, die in ihrem Haus leben und auf die Mieteinnahmen angewiesen sind. Sie kümmern sich um ihr Haus, suchen sich bewusst die neuen Mieter aus, achten auch darauf, ob das neue Geschäft ins Bild passt. Dann gibt es die Gruppe von Hausbesitzern, die hier nicht wohnen und nur auf das Kassieren von Mieten aus sind. Der Rest ist für sie uninteressant." Die Häuser gerade auf der Gemarkenstraße sind oft alt, der Zuschnitt der Geschäfte nicht mehr zeitgemäß und die Pachten oft völlig überzogen. Hier ist viel Spielraum für neue Geschäftsideen, der genutzt werden könnte - besser sollte.

Die Verantwortung der Politik

Der Kommunalpolitik sind wegen der angespannten Finanzlage in vielen Städten enge Grenzen gesetzt. In Essen rangeln viele Einkaufsstraßen um mehr Beachtung, um das eine oder andere an Straßen oder Gebäuden verbessern zu lassen. Ob mehr Investitionen in Einkaufsstraßen zielführend zur Steigerung der Attraktivität sein kann, ist unter Fachleuten umstritten. Das Beispiel Gemarkenstraße zeigt deutlich die Ambivalenz von Bauvorhaben. Die Pflasterung der Gemarkenstraße und die Erstellung des Kirchvorplatzes haben zunächst dazu geführt, dass dieser Teil der Einkaufsmeile so gut wie keinen Leerstand kannte. Aber die von der Stadt damals geforderte Entscheidung, den preisgünstigsten Anbieter mit der Durchführung der Pflasterung zu beauftragen, musste schief gehen, weil der billige Straßenbau den Belastungen nicht standhalten konnte. Schon zum zweiten Mal muss die Gemarkenstraße deshalb repariert werden. Nun wird roter Asphalt aufgetragen, weil die Stadt nicht mehr Geld hat und den Anwohnern und Händlern eine längere Bauzeit nicht zuzumuten ist. Die SPD Holsterhausen fordert in diesem Zusammenhang eine Asphaltierung bis zur Cranachstraße, damit wenigstens schon mal optisch eine Verbindung zum Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Berufskollegs erkennbar ist.

Die Verantwortung der Werbegemeinschaften

Gut funktionierende Werbegemeinschaften zeichnen sich nicht allein durch ihre Feste aus, sondern durch ihr Engagement für die Interessen der Geschäftsleute in ihrem Stadtteil. Dazu gehört auch eine große Identität mit dem Stadtteil. Durch den Strukturwandel in Holsterhausen reichen die Einzelhändler als alleinige Mitglieder nicht mehr aus. Die vielen Dienstleister, Freiberufler und Gastronomen müssen überzeugt werden, in der Interessengemeinschaft mit zu machen, damit sich das gemeinsame Engagement für den Stadtteil auch auf den Umsatz und Gewinn der Selbstständigen auswirkt. Auch die Vernetzung mit den politischen und Vereinsakteuren sollte zukünftig eine Selbstverständlichkeit sein, um den Stadtteil vor einem Stillstand bzw. Rückschritt zu bewahren.

Das vorläufige Fazit: Gemeinsam mehr Verantwortung übernehmen

Der Strukturwandel nicht nur des Einzelhandels kann nur gemeinsam im Dialog und in der Kooperation aller aktiven Gruppen im Stadtteil gemeistert werden. Die SPD Holsterhausen hat sich schon in den vergangenen Jahren vielen Vereinen geöffnet und wird das Gespräch auch in Zukunft suchen, um daraus Politik für Holsterhausen zu machen.

Autor:

Benno Justfelder aus Essen-Süd

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