TalentTage Ruhr: VKJ-Zeitungswerkstatt-Interview mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Dirk Heidenblut - „Wir müssen zu den ursprünglichen Zielen der SPD zurückkehren!“

Joyce Dufour, Milan Braasch und Daniel Bade führten ein Gespräch mit dem Essener SPD-Bundestagsabgeordneten Dirk Heidenblut. Fotos Janz
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Im Zuge der „TalentTage Ruhr“ (Stiftung TalentMetropole Ruhr) organisierte der VKJ, Verein für Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet e.V., eine „Zeitungswerkstatt“ für Jugendliche. Bei diesem Projekt bekamen die Teilnehmer die Chance, Politiker zu interviewen. Joyce Dufour, Milan Braasch und Daniel Bade führten ein Gespräch mit dem Essener SPD-Bundestagsabgeordneten Dirk Heidenblut.

Was hat Sie dazu bewegt, in die Politik zu gehen?
Ich war als Jugendlicher auf einer Art Demo, dem Ostermarsch gegen Atomkraft, bei dem sich auch die Grünen und die Jusos beteiligt haben. Dort bin ich erstmals in Kontakt mit Politik getreten.

Warum sind Sie der SPD beigetreten?
Ich gebe zu, dass die Grünen während meiner Jugend überzeugender auf mich wirkten. Später bemerkte ich jedoch, dass der Fokus der Partei hauptsächlich dem Umweltschutz galt und soziale Themenbereiche vernachlässigte. Die fehlenden Parteiprogrammpunkte fand ich stattdessen bei der SPD. Aus diesem Grund bin ich den Sozialdemokraten beigetreten.

Was konnten Sie in der Ihrer politischen Laufbahn bereits bewirken?
Ich habe meine politische Laufbahn im Jahr 2009 für die SPD im Stadtrat begonnen und wurde sozialpolitischer Sprecher der Fraktion. 2013 wurde ich dann Bundestagskandidat und habe meinen Wahlkreis im Essener Nord-Osten gewonnen. Mitgewirkt habe ich u.a. am Pflegestärkungsgesetz und an der nun einheitlichen Ausbildung für Pflegekräfte. Ich setze mich weiter dafür ein, dass es mehr Chancen für Arbeitslose auf dem sozialen Arbeitsmarkt gibt und dass der Bund auch mal ohne Umwege über das Land sofort in den Städten etwas bewirken kann – z.B. ganz konkret bei der Verbesserung der Schul- und (Aus-)Bildungssituation in den Essener Stadtteilen (Aufhebung des Kooperationsverbots). Wir haben den Mindestlohn eingeführt und bessere Renten erkämpft, für mehr BAföG, Kita- und Studienplätze gesorgt, die Unterstützung von Familien und Alleinerziehenden verbessert und die Gleichstellung von Frauen vorangebracht. Das Teilhabegesetz wird das gesellschaftliche Teilhaben für körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen in unserer Gesellschaft verbessern, gerade erst haben wir eine neue Beratungsstelle in Essen an der Weberstraße eröffnen können.

Haben Sie ein großes Ziel oder einen Traum, den Sie erreichen möchten?
Ja! Mein Ziel ist die Umsetzung von ausgeglichenen Lebensverhältnissen zwischen den verschieden sozialen Schichten in den Bereichen Schule, Arbeit, Freizeit und Gesundheit.

Was belastet Sie an Ihrer Arbeit als Politiker am meisten?
Natürlich hätte ich gerne mehr Freizeit für Sport, Familie und mein Hobby: das Theater. Aber was mich wirklich belastet, sind die unsachlichen Auseinandersetzungen mit den Anhängern rechter Parteien wie der AfD.

Was sind Ihre persönlichen Stärken und was Ihre Schwächen?
Ich kann gut neue Sachverhalte erfassen, auch in Themenbereichen, die nicht meinem Fachgebiet entsprechen. Allerdings reagiere ich des Öfteren aufgebracht in Diskussionen, bei denen starke Meinungsdifferenzen vorliegen und eigentlich mehr Gelassenheit angebracht wäre.

Finden Sie es fair, dass Kassenpatienten länger auf Facharzttermine warten müssen als Privatversicherte, obwohl sie eigentlich genauso auf eine medizinische Versorgung angewiesen sind?
Nein, überhaupt nicht! Jedem steht die gleiche Behandlungsqualität zu.

Glauben Sie, dass jemals die 2-Klassen-Krankenversorgung abgeschafft wird?
Ich bin der festen Überzeugung, dass es eines Tages soweit sein wird. Jedoch sind wir auf unseren Koalitionspartner, die CDU, und ebenfalls auf die Wähler angewiesen. Die CDU hat stets gegen eine Änderung dieser Gesetzeslage entschieden. Linksorientierte Parteien sehen den SPD-Ansatz positiv, dennoch reicht es noch nicht für eine Änderung.

Woran liegt es, dass die SPD in Essen bei Wahlen eine relativ hohe Prozentzahl holt, während die SPD auf Bundesebene nur noch auf etwa 17,5 % kommt?
Es gibt dafür viele Gründe. So haben wir beispielsweise die Sozialpolitik, für die wir eigentlich stehen, vernachlässigt. Wir mussten uns in einem zu großen Maßstab mit internen Konflikten befassen. Außerdem haben wir einige Fehler im Umgang mit der Flüchtlingsproblematik begangen. Wir haben zu wenig Geld für mehr Personal im BAMF investiert. Obwohl ich die Aufnahme von Flüchtlingen eindeutig befürworte, hätten wir deutlich entschlossener und koordinierter vorgehen müssen. Es ist viel zu langsam vonstatten gegangen.

Was macht die SPD-Spitze Ihrer Meinung nach falsch?
Ein Fehler ist, dass wir nicht konsequent genug an unserem sozialen Leitfaden festhalten.

Wie kann man AfD-Wähler schnellstmöglich zurückholen?
Indem wir zu unseren ursprünglichen Zielen und Wurzeln zurückkehren. Wenn es uns gelingt, die Lebensumstände der Bürger zu verbessern, werden wahrscheinlich viele ehemalige SPD-Wähler, die im Zuge der letzten Wahl zur AfD gewechselt sind, zurückkommen. Sie werden merken, dass - anders als die AfD behauptet - nicht die Asylsuchenden an ihrer vielleicht nicht so guten Lebenssituation schuld sind, sondern eben die Vernachlässigung von sozialer Gerechtigkeit.

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