Heidhausen boomt

Die Heidhauser Hundewiese muss zunächst in ihrem westlichen Bereich saniert werden.
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Lange umstrittene Baumaßnahme wurde in der Bezirksvertretung vorgestellt

Zwei Flächen an der Barkhoven- und Jacobsallee sollen nun endgültig bebaut werden. Im erneuten Anlauf möchte die Stadt die begehrten Areale vermarkten, dabei aber auch Schutz der Umwelt und Einhaltung der Sozialquote achten.

Es boomt in Heidhausen. Überall werden händeringend Flächen gesucht, um den Zuzugswillen gerade junger Familien zu befriedigen. Das bereits vor Jahren aufgelegte Programm „Bedarfsgerechte Flächenentwicklung“ für attraktiven Wohnraum soll nun durchgeführt werden. Auch an der Barkhovenallee soll nun gebaut werden. Die Pläne dazu wurden nun in der Bezirksvertretung IX vorgestellt. Für Stadtplanerin Eva Fendel sind die beiden Flächen schon „alte Bekannte“, sie stünden auf der Liste weit oben: „Weil sie sehr gute Eigenschaften haben.“ Insgesamt könnten 60 Wohneinheiten entstehen, zwei Varianten sehen eine Bebauung mit zweigeschossigen Einzel- und Doppelhäusern sowie Mehrfamilienhäusern mit drei Geschossen (plus Staffelgeschoss) vor. 30 Prozent dieser Wohnungen sollen öffentlich gefördert werden.

„Altlastenverdachtsfläche“

Neben der Kita an der Barkhovenallee, wo einst zwei Übergangswohnheime standen, wo der Bebauungsplan ein Schwesternheim für den inzwischen aufgegeben Klinikstandort des LVR vorsah, hat sich die Natur längst die Fläche zurück erobert. Die Einfamilienhäuser könnten hin zur Straße, der Geschossbau nach hinten platziert werden. Hier muss noch ein Stollen von Flöz Finefrau verfüllt werden. Das den Plan ursprünglich ausbremsende Problem der entwässerungstechnischen Erschließung konnte zwischenzeitlich gelöst werden. Wichtig ist auch der Erhalt der Alleebäume. Dafür werden eigens Grünstreifen als Schutzzonen für Baum und Wurzelwerk eingerichtet. Die Fläche an der Jacobsallee, besser bekannt als „Hundewiese“, ist problematischer. Sie war zuletzt umstrittener Standortvorschlag für ein Flüchtlingsheim, was nach massiven Protesten ausblieb. Nun aber soll dort der gestiegene Bedarf an Kita-Plätzen mit einer mindestens 2.000 m² großen „Sperrfläche“ berücksichtigt werden. Hier ist eine dreizügige Einrichtung geplant, allerdings absolut unabhängig von dem Bebauungsplan. Eventuell könnte auch ein Ausbau der aus allen Nähten platzenden Grundschule dort Platz finden. Dieser Ansatz fand breite Zustimmung bei allen BV-Mitgliedern. Zunächst muss aber der westliche Bereich der Wiese mit seiner „Altlastenverdachtsfläche“ saniert werden. Ein Spielplatz dort musste geschlossen werden. Hanslothar Kranz berichtete aus der Historie: „Da sind rund 60 Zentimeter Bodenschicht kontaminiert. Die Fläche hat viel erlebt, war der erste Sportplatz des TuS Heidhausen, danach standen dort die Baracken der Organisation Todt, die nach dem Krieg noch lange von Aussiedlern bewohnt wurden. Was da wohl alles in den Boden gekippt wurde für die Fundamente? Das muss alles zunächst abgetragen werden.“

„Das ist uns zu hoch“

Patrick Widmaier begrüßte für die CDU die Baumaßnahme: „Wir haben uns lange dafür eingesetzt. Doch es sollte sich an die umliegende Bebauung anschließen.“ Denn Widmaier mochte sich nicht mit der vorgesehenen Höhe der Mehrfamilienhäuser abfinden: „Das ist uns ein Geschoss zu hoch. Wenn hier als Referenz ein einziges Gebäude angegeben wird mit kleinem Sockel, zwei Stockwerken und einer Dachgaube, fühlt sich der Bürger verarscht!“ Das wollte Eva Fendel so nicht gelten lassen: „Es ging auch nur um den Vergleich der Gesamthöhen. Dreigeschossig plus Staffelgeschoss muss schon sein, es muss sich ja wirtschaftlich rechnen.“ Einen anderen Ansatz fand Ulla Lötzer, die auf den geförderten Wohnungsbau abhob: „Das fehlt bei uns im Essener Süden. Der Wohnungsbedarf steigt, aber nicht abstrakt. Es wird bezahlbarer Wohnraum gesucht. Sollte man da nicht sogar höher gehen, um die Quote von 30 Prozent hier zu übertreffen?“ Auch die Grünen freuen sich über die gefundene Lösung: „Wir können damit leben, denn wir wollen Bebauung auf weiteren Grünflächen vermeiden. Auf beiden Flächen standen bereits etwas, von daher ist diese Planung vertretbar. Im Stadtteil ist in der Tat einer hoher Bedarf an Mietwohnungen im mittleren Bereich.“

Öffentlichkeitsbeteiligung

Die BV hatte keine Bedenken, nun geht Bebauungsplan am 19. Oktober in den Ausschuss für Stadtentwicklung und Stadtplanung. Eigentlich sollte er zunächst im beschleunigten Verfahren ohne zum Beispiel Umweltprüfung aufgestellt werden. Doch nun besann sich das Amt und führt doch ein Regelverfahren durch. Dazu Bezirksbürgermeister Dr. Michael Bonmann: „Dass hier das beschleunigte Verfahren gekippt wurde, ist bei diesen so umstrittenen Flächen natürlich begrüßenswert.“ Es beginnt mit der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung. Die Planvarianten werden nach dem Beschluss öffentlich ausgelegt. Vorgesehen ist der Zeitraum 6. bis 20. November. In einer öffentlichen Anhörung besteht zudem voraussichtlich am 15. November, in der Aula des Gymnasiums Werden die Möglichkeit zur Diskussion.

Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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