Gratisrollenspieltag in Frohnhausen war ein Erfolg

Tanja Thome erklärt eins der Spiele.
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Kurz vor der Ladenöffnungszeit von "Die Weiße Stadt" in der Mülheimerstr. 82 in Frohnhausen waren die Veranstalter Tanja Thome und David Hoffmann noch unschlüssig, wie viele Leute sich überhaupt für den Gratisrollenspieltag interessieren würden.

Tischrollenspiel, auch als Pen & Paper, Fantasy-Rollenspiel oder schlicht Rollenspiel bezeichnet, ist ein eher unbekanntes und oft genug falsch verstandenes Hobby. Sind das die Leute, die verkleidet und mit Latexschwertern durch den Wald laufen? Bezeichnet man so nicht diese Spiele wie "World of Warcraft"? Ist das nicht das mit den Armeen auf dem Tisch, bei denen man die Entfernungen der Einheiten ausmessen muss oder so etwas? Die Vorstellungen sind breit gestreut.

Dabei existieren Tischrollenspiele, wie wir sie heute kennen, bereits seit den 1970er Jahren. Zugpferde waren damals Spiele wie "Midgard" und "Dungeons & Dragons" - ja, genau, sowohl spätere Computerspiele als auch Filme basieren auf genau diesem Tischrollenspiel. In Deutschland etablierte sich besonders "Das Schwarze Auge" Mitte der 1980er Jahre. Und damals, da gab es die entsprechenden Regelbücher, Würfel und Abenteuerbücher in jedem Spielwarenladen und im Buchhandel zu kaufen. In den 1990er Jahren verschwanden Rollenspiele jedoch zusehends aus den Regalen des Spielwaren- und Buchhandels; in Essen hielten sich immerhin viele Jahre lang Rollenspielgeschäfte im Moltkeviertel und am Rüttenscheider Stern.

Doch auch diese Zeiten sind vorbei. Wo der Buchhandel schon beschäftigt damit ist, sich neben großen Online-Warenhäusern und E-Books überhaupt noch am Markt zu halten, sind die Rollenspielläden gänzlich verschwunden. Zu klein ist der Markt, zu gering der Nachwuchs. Ohne die Präsenz in der Öffentlichkeit gibt es allerdings auch keinen neuen Nachwuchs - und so bleiben die Rollenspiele in einer Nische haften.

Doch was ist nun eigentlich dieses Tischrollenspiel? Gänzlich ohne Verkleidung sitzt hierbei eine Gruppe von zumeist 3-6 Leuten am Tisch. Jeder denkt sich eine Spielfigur aus, deren Randdaten auf einem Blatt Papier notiert werden. Diese Randdaten geben Auskunft darüber, wie stark, klug, sportlich etc. die Figur ist. Einer der Spieler agiert als eine Art Moderator. Er gibt die Umgebung des Spiels vor, den Ort, das Wetter, Begegnungen mit anderen Menschen ... und hat optimalerweise einen Aufhänger für eine gemeinsame Geschichte vorbereitet. Das kann etwas wirklich Aufregendes wie eine Rettungsmission sein, es kann sich ebenso gut um die Lösung eines moralischen Problems handeln oder was ihm sonst so in den Sinn kommt. In der Rolle ihrer Spielfiguren, unterstützt von Würfeln, wenn es knifflige Situationen zu lösen gilt, stellen sich die Mitspieler diesen Aufgaben. Ein Spiel also, das irgendwo zwischen Lagerfeuergeschichten und Impro-Theater angesiedelt ist.

Reiner Novak betreibt in der Mülheimerstr. 82 "Die weiße Stadt", ein Geschäft, das viele aus der Umgebung von der Abholung ihrer Paketsendungen her kennen. Im Kern handelt es sich beim Sortiment dort um sogenannte Tabletop-Spielwaren. Tabletop, das sind die eingangs erwähnten Spiele, bei denen man ganze Gruppen oder Armeen von Figuren gegen einen oder mehrere andere Mitspieler ins Feld führt. Verwandt mit dem Tischrollenspiel, ist auch dieses Hobby breit gefächert. Auch hierbei gibt es unterschiedliche Welten und Spielsysteme, zum Hobby des Spielens kommt das Hobby des Sammelns oder der Miniaturmalerei hinzu. Da nicht nur das verpackte Material dort im Geschäft anzutreffen ist, sondern auch ein bisschen Miniaturenumgebung, sogenanntes Gelände, und da sich Tabletop-Spieler in "Die weiße Stadt" gerne treffen, um dort gegeneinander zu spielen, kann man vor Ort einen Eindruck von dem Ganzen gewinnen - oder wie Tanja Thome und David Hoffmann auf die Idee kommen anzufragen, ob man den Gratisrollenspieltag 2014 in den Räumlichkeiten anbieten dürfte.

Moritz Mehlem aus Koblenz kam 2013 erstmals auf die Idee, den Gratisrollenspieltag (GRT) bundesweit zu veranstalten. Ziel sollte es sein, das Hobby bekannter zu machen, zugleich jedoch auch Interessierte zusammen zu bringen und (wieder) in die Läden zu bringen. Er schrieb die deutschen Rollenspielverlage zwecks Sponsoring an und rief Rollenspieler dazu auf, vor Ort mit Hilfe des Unterstützungsmaterials der Verlage an einem bestimmten Tag etwas zum Thema Rollenspiel auf die Beine zu stellen. Die Aktion wurde gut angenommen, und so rief Moritz Mehlem sie 2014 erneut ins Leben.

Der GRT in "Die weiße Stadt" erlebte viele verwunderte Gesichter von Menschen, die einfach nur eine Paketsendung abholen wollten und dann feststellten, dass im Geschäft richtig viel los war. Die ersten Besucher sprachen die Veranstalter schon an, als sie noch dabei waren, das Material - Flyer, Poster, Einsteigerleitfäden und Abenteuer - auf dem bereitgestellten Tisch auszubreiten. Es kamen Leute, denen das Hobby bislang völlig fremd war, solche, die bereits einige Spiele ausprobiert hatten und gern neue kennenlernen wollten, und auch die Leute, die sich sonst ausschließlich mit Tabletop-Spielen befasst hatten, riskierten einen Blick.

Das Ergebnis waren einige anregende, informative und lustige Gespräche mit über zwanzig Besuchern, einiges an Austausch und neuen Informationen sowie zwei Spielrunden, die vor Ort das Hobby oder ein neues System praktisch erkundeten. Auch Inhaber Reiner Novak zeigt sich erfreut über die Resonanz des Rollenspieltages. Er kann sich auch in Zukunft gut Einsteigerrunden in verschiedene Systeme und ähnlicher kleiner Events im Geschäft vorstellen, je nach Zuspruch sogar eine Erweiterung seines Sortiments.
"Es ist immer etwas anderes, ob man irgendwas in einem Prospekt sieht oder in der Verpackung, oder ob man das Ganze einfach mal selbst praktisch ausprobieren kann", sagt er, und meint damit das Tischrollenspiel ebenso wie das Tabletop-Angebot des Ladens. "Wer möchte, kann sich hier im Laden gern registrieren, sodass er ganz komfortabel per E-Mail informiert wird, wenn ein solches Event ansteht. Und eine Pinnwand für Ankündigungen gibt es gleich neben dem Eingang ja auch noch."

Autor:

Tanja Thome aus Essen-West

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