Verwandlung von Struktur

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Wer sich fragt, was isländisches Eis, sphärisch anmutende Bäume und Linoldrucke gemeinsam haben, der sollte einmal bei der neuen Ausstellung im Finanzamt, Altendorfer Straße 129, vorbeischauen. Kira Prenger stellt aus und zeigt uns „Struktur(ver)wandlungen“.

Auf vier Etagen ist es sinnvoll in der obersten zu beginnen. Hier zeugen Fotografien von Prengers Islandurlauben.
„Die Gletscherstücke, die man an Islands Küste findet, haben mich einfach fasziniert“, berichtet Prenger. Ob klein oder auch sehr groß, die Eisstücke sind vollkommen individuell. Und vergänglich.
„Das ist eben das Schöne“, betont Prenger. Wenn man am nächsten Tag, gar nach ein paar Stunden zur selben Stelle zurückkehrt, sehen die Eisbrocken wieder völlig anders aus. Auf den ersten Blick denkt der Betrachter, die Künstlerin habe ihre Fotografien extra in schwarz weiß drucken lassen. Weit gefehlt.
„Die Fotos der Eisstücke sind wirklich in bunt“, erklärt Kira Prenger. „Die schwarzen Strände in Island rühren von den Zeiten der Vulkane her und das Schwarz spiegelt sich bei Nässe in den Eisstücken. Deswegen wirken die Fotos schwarz weiß, sind es aber nicht.“ Doch eben genau das macht die Spannung der Bilder aus. „Besonders die Eisstücke faszinieren mich. Die Eisfundstücke sehen aus wie Glas und jeder sieht durch die Wandelbarkeit des Eises andere Sachen darin.“ Eine eigene kleine Welt würde in ihren Bildern entstehen, ist sich die Künstlerin sicher.
Nach den Fotografien sieht man die Zeichnungen Prengers von Islandpferden mit ganz anderen Augen. „Ich zeichne gerne mit Blick auf Bildbände oder Fotos“, so Prenger.

Auseinandersetzung
mit Lebensräumen

So schießt sie sich ihre Bilder, die später gezeichnet werden meistens selber. „Bei den Pferden habe ich bewusst Stellen weiß gelassen, auch wenn es so wirkt, als wären dort auch Pferde.“ Das ist eben der Trick von Prenger: Sie will den Betrachter zum Nachdenken anregen. Einen weiteren Aspekt bringt die Künstlerin mit ihren Fotos von illuminierten Bäumen aus Langenfeld in ihre Ausstellung. Die Bilder von den farblich angestrahlten Bäumen wirken mystisch, der Betrachter kann die Konturen und Umrisse der Bäume nicht richtig erfassen, sieht Formen, Farben und bunte Flächen. Eben nicht sofort den Wald. „Das ist mein Ziel, dass man in den einzelnen Bildern noch etwas anderes sehen kann“, ist Prenger enthusiastisch.
Ihre Linoldrucke lehnt die Künstlerin an ihre Heimat an. Und die ist Essen. Als Tochter von Finanzamtvorsteher Ulrich Hartmann bemerkt sie: „Ich liebe Essen mit seinen Industriebauten und Zechen, Island für die wunderschöne Natur und lebe zur Zeit im Hochsauerland.“
Trotzdem ist Prenger ihrer Heimat treu geblieben und zeigt zum Beispiel in ihren Drucken die Zeche Zollverein. Außerdem lässt Prenger auch hier Teile von den Drucken weiß, rastert sie förmlich und verändert Dinge, um dem Betrachter zu zeigen: „Sieh genau hin!“
Ebenso wie Verwandlung in Prengers Werken stattfindet, verwandelt sich der Betrachter zusehends. So erkennt man die einzelnen Strukturen innerhalb eines Bildes als großes Ganzes und bezieht dies wiederum auf die ganze Ausstellung.
„Die ausgewählten Werke scheinen auf den ersten Blick nicht zusammenzupassen“, verdeutlicht Prenger. Doch wer genauer hinsieht, stimmt mit der Künstlerin überein: „Ich versuche jeder meiner Ausstellungen ein eigenens Thema zu geben, was sich in den einzelnen Zeichnungen, Drucken und Fotos manifestiert.“ Und das Thema für diese Ausstellung ist mit ihrem Namen konform: „Struktur(ver)wandlungen“. Verwandeln musste sich Prenger für die Ausstellung im Finanzamt aber nicht. Doch sie hat Neues geschaffen, denn „alle Werke, die man hier sieht, sind innerhalb von zwei Jahren eigenständig nur für diese Ausstellung entstanden.“
Und was meint der Vater Ulrich Hartmann? „Ich bin sehr stolz auf meine Tochter! Ihre Kunst ziert unsere sonst so weißen Wände ganz wunderbar!“
Wer jetzt selber einen Blick auf Prengers Werke werfen möchte, der kann dies zu den Öffnungszeiten des Finanzamtes montags, dienstags und freitags von 8 bis 12 Uhr, dienstags zusätzlich von 13.30 bis 15 Uhr, sowie donnerstags von 8 bis 18 Uhr. Fotos: Markus Decker

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