Zur Lage der Essener Bäderlandschaft - Zwei aktuelle Projekte
Immer mehr Nichtschwimmer

Bietet an sommerlichen Tagen einen erfrischenden Sprung ins Wasser: das Grugabad.
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  • Bietet an sommerlichen Tagen einen erfrischenden Sprung ins Wasser: das Grugabad.
  • Foto: Gohl / Lokalkompass.de
  • hochgeladen von Frank Blum

Immer weniger Kinder in Deutschland können schwimmen. Im Berliner Stadtteil Neukölln sind zum Beispiel vier von zehn Kindern Nichtschwimmer, obwohl eigentlich am Ende der dritten Grundschulklasse alle erfolgreich den Schwimmunterricht absolviert haben sollten. Die DLRG, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, schlägt schon Alarm und sieht eine zentrale Ursache im Bädersterben, das auch viele Schwimmvereine bereits ins Aus geführt hat. Zur Bäderlandschaft in Essen hat der Lokalkompass mit Jasmin Trilling, stellvertretende Pressesprecherin und Leitung Pressereferat und Social Media der Stadt Essen, gesprochen.

In NRW schließt seit der Jahrtausendwende durchschnittlich in jedem Monat ein Bad. Wie schaut die Lage in Essen aus? Wie viele Kinder gelten als Nichtschwimmer? Oder ist der Schwimmunterricht trotz regelmäßiger Pannen im neuen Sportbad Thurmfeld sichergestellt?

Die letzte Badschließung liegt in Essen schon länger zurück. Nach der Sanierung des Schwimmzentrums Oststadt (heute Bad und Sport Oststadt) wurde 2014 das Bad am Südpark geschlossen. Das im Jahr 2015 geschlossene Hauptbad wurde durch den Neubau des Sportbads Thurmfeld abgelöst.
Die Anzahl der Kinder, die nicht richtig schwimmen können, kann in Essen - wie auch in anderen Kommunen - nur geschätzt werden. Allerdings gehen auch wir davon aus, dass die Anzahl der Nichtschwimmer in der Bevölkerung insgesamt zunehmen. Die Sport- und Bäderbetriebe Essen verzeichnen seit einigen Jahren eine Steigerung bei den Rettungen in den Essener Schwimmbädern, die auf nicht ausreichende Schwimmkünste zurückzuführen ist.

Warum gönnt sich die Stadt Essen kein großes Freizeitbad - wie einst die Oase, obwohl diese in den Nachbarstädten betrieben werden, wie zum Beispiel der AQUAPark in Oberhausen?

In erster Linie gehört der Betrieb eines Freizeitbades nicht zu den Angeboten der Daseinsvorsorge. Sie eignen sich auch nicht in erster Linie für eine Schwimmausbildung. Hinzu kommt bei uns im Ruhrgebiet, dass es bereits eine sehr hohe Bäderdichte im Segment der Freizeitbäder gibt. Im Durchschnitt findet sich in der Metropole Ruhr mit insgesamt 13 Einrichtungen damit alle knapp 20 Kilometer ein Freizeitbadangebot.

Welche größeren Veränderung in der Essener Bäderlandschaft sind in nächster Zeit geplant?

Zwei Projekte bestimmen die Essener Bäderlandschaft in den nächsten Jahren: Der Neubau des Stadtbades Borbeck und die Machbarkeitsstudie für die zukünftige Entwicklung des Grugabades.
Beim Stadtbad Borbeck gehen wir derzeit davon aus, dass es im Jahr 2023 fertiggestellt wird. Im Verfahren der europaweiten Ausschreibung für den Generalplaner sei der Teilnahmewettbewerb inzwischen abgeschlossen. Nach Auswertung der eingegangenen Bewerbungen seien fünf Planungsbüros zur Angebotsabgabe aufgefordert worden.
Die Machbarkeitsstudie Zukunft Grugabad wurde im Januar auf den Weg gebracht. Im Sommer 2017 hat die Stadt Essen mit einem umfangreichen Beteiligungsprozess die Zukunft des Grugabads in Essen-Rüttenscheid in einer Ideenwerkstatt mit zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern diskutiert. Im Anschluss an den durchgeführten Beteiligungsprozess soll nun eine Machbarkeitsstudie beauftragt werden, um die entwickelten Gesamt- und Einzelmaßnahmen aufzuarbeiten und in ein zeitlich gestaffeltes Entwicklungs- und Sanierungskonzept inklusive dringend notwendiger Sofortmaßnahmen zu überführen.

Das Sportbad Thurmfeld ist besonders auf den Bedarf des Schul- und Vereinssport ausgerichtet und ersetzt das ehemalige Hauptbad an der Steeler Straße. Doch für die Öffentlichkeit ist es aufgrund der sehr eingeschränkten Öffnungszeiten (montags bis freitags von 6 bis 10 Uhr; samstags, sonn- und feiertags geschlossen) kaum nutzbar. Wieso kann es am Wochenende nicht von allen Bürgerinnen und Bürgern genutzt werden? Zumindest in Zeiten, wo das Grugabad Winterpause hat?

Die Ausweitung der Öffnungszeiten an Wochenenden wäre aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer des Sportbads Thurmfeld sicherlich wünschenswert, bleibt aber aufgrund des erforderlichen Personalmehrbedarfes aus Sicht der Sport- und Bäderbetriebe unwirtschaftlich. Die Ausweitung von Öffnungszeiten an Wochenenden wäre nur möglich, wenn an anderer Stelle Öffnungszeiten wegfielen, zum Beispiel für den Schulsport.

Bietet an sommerlichen Tagen einen erfrischenden Sprung ins Wasser: das Grugabad.
Oberbürgermeister Thomas Kufen (zweiter von links) und der ehemalige Beigeordnete Andreas Bomheuer bei der offiziellen Übergabe des Sportbades am Thurmfeld.

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