Kultur, Natur und Geschichte im Ruhrgebiet
Geballter geht´s nicht!
- hochgeladen von Bernd Dröse
Wer errät auf Anhieb, wo das gezeigte Hinweisschild mit den angegebenen Sehenswürdigkeiten aufgestellt ist?
Keine der Anlaufstationen befindet sich weiter als 500 Meter vom Wegweiser entfernt. Ein Gewässer muss in der Nähe sein, ein Schloss, eine Galerie, ein Tiergehege , gehobene Gastronomie und ein Standesamt. Eigentlich fehlen sogar noch einige Hinweise, nämlich die auf eine architektonisch einmalige Brücke, auf ein großes Fußballstadion und auf einen herrschaftlichen Park. Wie viele Kilometer müsste man in anderen Gegenden fahren, um so viele Sehenswürdigkeiten innerhalb weniger Stunden vor die Kamera zu bekommen? Im Ruhrgebiet gibt es dagegen noch mehrere vergleichbare Hotspots.
Werden wir konkret! Die Wegeschilder befinden sich im Herzen des alten Oberhausen- unweit des Schlosses Oberhausen, das sich geschichtlich bis auf einen Rittersitz "Overhus" im 12./13. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Heute hat die Ludwigsgalerie, ein international renommiertes Kunstmuseum, hier ihr Zuhause gefunden. Zur Zeit ist dort Udo Lindenbergs Bilderausstellung "Kometenhaft panisch- Das ganze Universum kommt ins Ruhrgebiet" zu Gast. Wie passend- auch wenn es ´nur´4,6 Millionen Besucher sind, die u.a. wegen solcher kultureller Highlights das Ruhrgebiet aufsuchen und den Holteliers jährlich über 9 Millionen Übernachtungen bescheren. Die nächste, nicht ganz so grelle Ausstellung, findet direkt nebenan in der Gedenkhalle statt. Die städtische Ort des Gedenkens ist den Opfern des Nationalsozialismus gewidmet. Daneben befindet sich die Skulptur "Die Trauernde", die zu recht umstritten ist, obwohl sie zur Gedenkstätte zu passen scheint..
Direkt hinter dem Schloss und der Gedenkhalle führt die 406 Meter lange und mit 496 Aluminiumbögen gegliederte Brücke "Slinky Springs to Fame" vom Kaisergarten auf die Emscherinsel. Sie ist einem berühmten Spiralspielzeug nachempfunden und gehört , gerade wenn sie nachts von 293 eingebauten Leuchten angestrahlt wird, zu den Fotohighlights des Ruhrgebiets. Und wieder nur einen Steinwurf entfernt befindet sich das Kleintiergehege, das es sich zur Aufgabe gemacht hat , heimische Wild- und bedrohte Heimtierrassen zu zeigen und Zuchtprogrammen zuzuführen. Das Leitmotiv: "Ich schütze, was ich liebe". Neben Luchsen und Schakalen sind dort seit kurzem auch seltene Marmorfüchse zu beobachten. Und wer dann noch Lust und Kraft hat, kann anschließend noch den 29 Hektar großen Kaisergarten ein Naturschutzgebiet mit imposantem Baumbestand, erkunden.
Das GebIet um den Kaisergarten bildet insofern eine Ausnahme, dass es sich hier um ein historisch gewachsenes Areal im Ruhrgebiet und um keine Stätte der Industriekultur und -natur handelt, obwohl Natur und Kultur auch hier dicht verwoben sind.
Für fast alle anderen Hotspots von Natur und Kultur im Revier gilt:
"Die Pyramiden des Emschertals sind Gasometer und Bergehalden,(..) stillgelegte Hochofenkomplexe und Zechenanlagen." (R.Günter: Im Tal der Könige)
Die ungewöhnliche Dichte von Kultur und Natur im Ruhrgebiet resultiert aus einem tiefgreifenden Strukturwandel. Aus ehemaligen Industriearealen wurden Kulturstätten und Erholungsräume. Dabei entstanden große, naturnahe Landschaften wie Wälder, Heiden und Parks auf den ehemaligen Industriegeländen.
Ebenso geballt und vielfältig wie seine Bewohner bildet die Geschichte des Ruhrpotts die Grundlage für diese einmalige Gemengelage der Kulturen.
Der Begriff "Tal der Könige" ist keine Untertreibung. Auch wenn die Könige hier meist zum Industrieadel gehörten.
Community:Bernd Dröse aus Essen-West |

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