Ex-Juniorenweltmeisterin Wiebke Petersen kehrt als Autorin zum Ruderklub am Baldeneysee zurück
“Es war immer mein Traum, dass mal ein Buch von mir auf Deutsch erscheint!”

Wiebke Petersen ist nicht nur auf dem Wasser, sondern auch auf der Bühne in ihrem Element. | Foto: Meike Coenders
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  • Wiebke Petersen ist nicht nur auf dem Wasser, sondern auch auf der Bühne in ihrem Element.
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Noch nie zuvor war der große Saal der Vereinsräume des Ruderklubs am Baldeneysee (RaB) Schauplatz einer Buchpräsentation. Doch in diesem besonderen Fall, gab es keinen passenderen Ort, darin waren sich alle einig. Denn “Im selben Boot” ist autobiografisch und handelt von jener Junioren-WM zur Wendezeit, die für Petersen und ihre Ruderpartnerin Kathi zur Goldmedaille führte.

“Mein Schwager und meine Schwester, beide im Verein aktiv, haben mich bei der Organisation dieses Abends sehr unterstützt”, berichtet Wiebke Petersen, selbst - man ahnt es bereits - Kind des Traditionsvereins. Und so erschienen viele bekannte Gesichter und Wegbegleiter an diesem Samstagabend, um die Vorstellung ihrer Graphic Novel zu erleben. Viele der Anwesenden spielen darin selbst eine Rolle. “Ich bin total ergriffen. Es ist wie eine Brücke zwischen meinem vergangenen und meinem heutigen Leben", so die Autorin. Mit dem Tag der deutschen Einheit hätte auch das Datum nicht passender gewählt werden können. “Ich bin sowas von nervös” gesteht die Wahl-Französin, “Ich weiß gar nicht, ob ich heute intelligente Sätze sagen kann.”
Die Sorge erweist sich schnell als unbegründet, denn nach einer humorigen Anmoderation durch Stephan von Petersdorff, der damit den Vereinsvorstand vertritt, übernimmt sie routiniert das Mikrofon und beantwortet wortgewandt die Fragen, die ihr gestellt werden. Im Hintergrund läuft eine Präsentation, die auch Fotos aus der Vergangenheit bereithält. Heute ist Wiebke Petersen 47 Jahre alt und blickt auf große sportliche Erfolge zurück, doch bei ihren ersten Ruderschlägen auf Essens größtem See, die sie gemeinsam mit ihrer Schwester Britta absolvierte, waren davon höchstens Ansätze zu sehen. “Es endete mit einer Wasserschlacht”, erinnert sich Peter Riethmüller, der bei diesen ersten Versuchen dabei war. Dass Petersen es, nur wenige Jahre später, mit den Hochleistungssportlerinnen der DDR aufnehmen würde, ahnte damals noch niemand. Und doch fanden sich Petersen und ihre Partnerin nach dem Mauerfall in genau dieser Situation wieder. Die Qualifikation für die erste gesamtdeutsche Rudermannschaft war eine Herausforderung und parallel standen die ganz normalen Themen von heranwachsenden Mädchen auf dem Programm. Eine aufregende Zeit, die allemal ein Buch wert erschien, so fand Petersen, die von Petersdorff als Wegbereiterin für den Frauen-Rudersport betitelt wurde: “Seither sind viele Mädchen und Frauen in unseren Verein eingetreten.”
Rund 500 Mitglieder zählt der Traditionsclub an der Freiherr-vom-Stein-Straße unweit des Regattaturms und ist damit einer der größten in Essen.
“Ganz schön mutig”, findet von Petersdorff die Geschichte, die von großer Offenheit geprägt ist, so wie auch das Gespräch mit der Autorin an diesem Abend. Ihre Bücher veröffentlicht Petersen mittlerweile unter dem Pseudonym Zelba: “Im Französischen spricht sich das mit weichem S aus. Und dann dachte ich, wenn ich nun schon unter anderem Namen schreibe, dann kann ich jetzt auch Schweinereien schreiben.”
Bei einer Graphic Novel handelt es sich um einen Comicroman. Das Genre richtet sich, anders als der übliche Comic in Heftform, vorrangig an Erwachsene und so können in dieser Geschichte auch (fehlende) BHs eine Rolle spielen. Bereits seit den 1980er Jahren erfreuen sich Graphic Novels zunehmender Beliebtheit. In ihrer Wahlheimat Frankreich hat Wiebke Petersen bereits eine ganze Reihe Bücher veröffentlicht. Für den deutschen Markt hingegen ist sie eine Neuentdeckung des Verlags Schreiber und Leser, weshalb sie aktuell durch die Republik tourt, um das Buch bekannt zu machen. Letzte Station wird München sein, bevor es für die erfolgreiche Autorin nach Hause geht.

Wiebke Petersen ist nicht nur auf dem Wasser, sondern auch auf der Bühne in ihrem Element. | Foto: Meike Coenders
Mit Spannung erwarteten die Gäste ihre "Zelba". | Foto: Meike Coenders
Autor:

Meike Coenders aus Essen

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