Theaterstück über das Ehepaar Zingler als historisches Lehrstück
Es schreit danach, es weiterzuspielen

Der Erzähler Chris Gollan, Rodica Proca als Margarethe Zingler und Markus Kiefer als Alfred Zingler zeigen Szenen aus dem Leben und Leiden des Gelsenkirchener Ehepaares. Foto: Gerd Kaemper
  • Der Erzähler Chris Gollan, Rodica Proca als Margarethe Zingler und Markus Kiefer als Alfred Zingler zeigen Szenen aus dem Leben und Leiden des Gelsenkirchener Ehepaares. Foto: Gerd Kaemper
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Die Premiere am 75. Todestag von Alfred Zingler war ebenso ausverkauft, wie zwei Tage später die Wiederholung des Stückes im Kulturraum „die flora“ und beide hinterließen Markus Kiefer und seine Mitspieler ein tief ergriffenes und nachdenkliches Publikum.

In ihrer Eröffnungsrede erinnerte sich „flora“-Leiterin Wiltrud Apfeld daran, dass sie bereits im Jahr 1993 gemeinsam mit Stefan Goch vom Institut für Stadtgeschichte eine Ausstellung nebst Katalog zum Leben von Alfred und Margarethe Zingler in der „flora“ beherbergt hatte.
Apfeld gab zu bedenken, das Vorbilder wie die Zinglers gerade in Zeiten in den ein Rechtsruck in der Republik spürbar ist, wichtig sind. „Wir können lernen von Menschen mit Rückgrat, die den Geschehnissen trotzen.“
Das Stück nahm die Zuschauer mit in die Zeit der noch jungen Liebe von Alfred (Markus Kiefer) und Margarethe Zingler (Rodica Proca), die wie Erzähler Chris Gollan schildert, ihre Flitterwochen im Schwarzwald verlebten und erfüllt waren von Liebe, Glück und der Hoffnung auf eine friedliche und demokratische Zukunft.
Schnell wechselt die Stimmung als Margarethe und Alfred sich im Exil in Holland wiederfinden. Da heißt es: „Du liebst Deutschland, aber es erwidert Deine Liebe nicht.“
Der Journalist Alfred stellt sich unterstützt von Margarethe, die ebenfalls journalistisch tätig ist, dem Kampf gegen offenes Unrecht und Willkür. Und doch sind ihre Tage einer wie der andere: Sie tippen auf ihren Schreibmaschinen, gehen spazieren und trinken Kaffee, in der Annahme es könnte der letzte sein, der letzte Kaffee oder aber die letzte Gelegenheit ihn zu trinken.
Als die Deutschen auch Holland besetzen, erlebt Alfred im Exil das gleiche Schicksal wie zuvor in Gelsenkirchen, statt Luft zu holen an der frischen Luft, wird er verprügelt, wenn er sich vor die Tür wagt.
Das Publikum erfährt, wie Zingler vor dem Volksgerichtshof unter Vorsitz von Roland Freisler steht. Der Sozialdemokrat, der von Freisler degradiert wird zum Kriegsverweigerer, Schreiberling und Zigarrenraucher, gesteht hier mit Stolz, dass er für die Rede- und Pressefreiheit eintritt und gegen den Nationalsozialismus. Und so wird er zum Tode verurteilt als „Marxist und gefährlicher Feind des Dritten Reiches“.
Über Briefe versuchen Alfred und seine ebenfalls inhaftierte Frau Margarethe bis zum bitteren Ende in Kontakt zu bleiben. Während Margarethe ihren Mann bittet: „Behalten Deinen Glauben an das Gute und Schöne“ hofft Alfred auf Freunde, die Margarethe nach seinem Tod zur Seite stehen.
Schließlich fällt am 28. August 1944 das Fallbeil für Alfred Zingler und betroffene Stille macht sich in der „flora“ breit.
Das Spiel der drei Protagonisten nach dem Drehbuch von Akin  und Edis Sipal gepaart mit der ungewöhnlichen und beinahe schon mystischen Musikeinlagen von Günther Menger, die er mit seinen selbst geschaffenen Klanginstrumenten erlingen lässt, sorgen für eine sehr atmosphärische Stimmung, die die jeweiligen Gefühle und Stimmungslagen der Darsteller sehr passend untermalt.
Ein Zuschauer resümierte passenderweise: „So kann man Heimatgeschichte anschaulich machen.“ Oder wie Wiltrud Apfeld bereits vor dem Stück aussprach, was im Anschluss daran viele der Besucher dachten: „Dieses Stück schreit danach weiter gespielt zu werden!“

Autor:

silke sobotta aus Gelsenkirchen

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