Die Angst des Musicalstars vor dem Casting - oder wenn Roman Polanski auf die Bühne kommt:
Zum Vorsingen mit Jan Ammann

 Jan Ammann gehört zu den Top-Musicaldarstellern in Deutschland. Foto: Karim Khawatmi
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  • Jan Ammann gehört zu den Top-Musicaldarstellern in Deutschland. Foto: Karim Khawatmi
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Nach der Show ist vor der Show: Trifft man Musicalstar Jan Ammann, dann erzählt der sympathische Künstler meist schon vom nächsten Projekt, auf das er sich freut. Dabei war er gerade erst der gefeierte Star des Musicals Dr. Schiwago bei den Freilichtspielen in Tecklenburg.

In der Musicalszene ist er einer der wenigen Top-Stars, die jeder, der Musicals liebt, kennt. „Ich hatte viel Glück“, sagt der gebürtige Billerbecker bescheiden. Dabei hat er sich genau wie alle anderen durch die Castings, Auditions und Vorsingen gequält, die der Beruf Musicaldarsteller mit sich bringt...
„Schrecklich“, sagt er. „Audition ist immer Angst. Du musst in 16 Takten deine Persönlichkeit vorstellen, dabei natürlich jeden Ton treffen und dafür sorgen, dass du im Gedächtnis bleibst.“ Unzählige dieser Situationen hat der Bariton hinter sich gebracht. „Dabei weißt du nie, was sie wollen: Manchmal scheitert man, weil man zu groß ist oder zu klein, weil die Nase zu lang ist oder zu kurz. Da kannst du noch so schön singen.“

16 Takte für den ganzen Künstler

Als er entschied, dass er Sänger werden möchte, war Jan Ammann 14 Jahre alt, die Opernbühne war zunächst das Ziel. Ob er sich je Gedanken gemacht hat, dass die Berufswahl letztlich auch „Casting forever“ bedeutet? „Ich mache mir grundsätzlich viel zu wenig Gedanken“, lacht er und als er die Entscheidung traf, gab es auch noch keine Casting-Shows. Weil er unbedingt auf die Bühne wollte und ihn die Kombination aus Schauspiel und Gesang reizte, wurde es am Ende die Musical-Bühne, auf die er sich wagte.

"Audition ist Angst"

Und die eine oder andere Audition scheint da gut funktioniert zu haben? „Das stimmt. Zum Beispiel das Vorsingen für die erste Ludwig-Produktion in Füssen 2000, da war ich noch ganz jung. Die mochten einfach, dass ich ganz naiv an die Sache rangegangen bin“, erzählt der heute 44-Jährige. Eine Woche später hatte er den Vertrag. Ob es eine Rolle gespielt hat, dass er genauso groß ist wie König Ludwig einst und am selben Tag Geburtstag hat, ist nicht überliefert. Doch auch in der Füssener Nachfolge-Produktion „Ludwig2“ schlüpft der stimmgewaltige 1,94-Hüne bis heute regelmäßig in die Rolle des tragischen „Kini“, wie die Bayern ihn liebevoll nennen. Bis Ende Oktober kann man ihn übrigens im dortigen Festspielhaus noch dazu als Wotan im Nimsgern-Musical „Der Ring“ erleben.
Doch alles beginnt mit einem Vorsingen in einem leeren Theatersaal. „Ganz genau. Ich erinnere mich übrigens auch an ganz großartige Vorsingen, bei denen ich die Rolle am Ende trotzdem nicht oder erst später bekommen habe“, verrät er. Eines davon war für den Graf von Krolock im Musical „Tanz der Vampire“. „Damals war Roman Polanski persönlich dabei. Er kam auf die Bühne und sagte zu mir: „You‘re awfully young but you are good.“ Das weiß ich noch wie heute.“ Und der Altmeister behielt Recht: Ein paar Jahre später hat es dann geklappt mit dem Krolock, der Jan Ammann den absoluten Durchbruch brachte.

Durchbruch mit Graf von Krolock

„Es gab aber auch Auditions, bei denen mir die adrenalingeschwängerte Energie im Saal oder die Kollegen, die ich vorher getroffen habe, schon den Wind aus den Segeln genommen haben“, gibt er zu. Dann beneide er ein bisschen die Sänger, die sogenannte Vorsingwunder sind. „Ich habe es nie geschafft, schon beim Vorsingen die allerbeste Leistung zu bringen, aber es gibt Kollegen, die können das. Bei mir entwickelt sich das eher während der Probenzeit.“
Zu seinem Glück gibt es Produzenten, die das Potenzial erkennen: Bei der deutschen Erstaufführung des Musicals „Dr. Schiwago“ in Leipzig mit Jan Ammann in der Titelrolle ist er aufgrund seiner eindrucksvollen Darstellung - schauspielerisch und stimmlich - einmal mehr in die Annalen des deutschsprachigen Musicals eingegangen. Wie war eigentlich da das Vorsingen? „Es gab gar keins“, grinst er schelmisch. „Der Regisseur hat mich einfach gefragt, ob ich die Rolle haben will.“

Termine - Jan Ammann live:
Wer Jan Ammann live erleben möchte, hat dazu in nächster Zeit am Sonntag, 27. Oktober, 17 Uhr beim „Gala-Abend des Musicals“ in Solingen sowie am Donnerstag, 31. Oktober, 19.30 Uhr bis 1.30 Uhr beim Mitternachtsball im Colosseum Theater Essen die Möglichkeit.
Am Montag, 13. Januar, 19.30 Uhr gibt es das Solo-Konzert „Jan Ammann A Musical Love Story“ mit Gästenim Ebertbad in Oberhausen (Tickets jeweils auf soundofmusic.de).

Im nächsten Jahr steht Jan Ammann dann unter anderem als Wolf und Prinz im Sondheim-Musical „Intothe woods“ in Brunn am Gebirge in der Nähe von Wien auf der Musicalbühne.

Autor:

Silke Heidenblut aus Gelsenkirchen

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