Empfang zum Frauentag ganz im Zeichen der Europawahl
Erkämpftes erhalten und weiter kämpfen

Die Mischung macht's und in diesem Jahr fanden sich unter den Besucherinnen des Empfangs zum Internationalen Frauentag nicht nur viele neue Gesichter, sondern auch viele zugewanderte Frauen. Und wie eine Gelsenkirchenerin im Kurzfilm schilderte, spiegelten sie das "kleine Europa" in der Kommune Gelsenkirchen wider. Fotos: Gerd Kaemper
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  • Die Mischung macht's und in diesem Jahr fanden sich unter den Besucherinnen des Empfangs zum Internationalen Frauentag nicht nur viele neue Gesichter, sondern auch viele zugewanderte Frauen. Und wie eine Gelsenkirchenerin im Kurzfilm schilderte, spiegelten sie das "kleine Europa" in der Kommune Gelsenkirchen wider. Fotos: Gerd Kaemper
  • hochgeladen von silke sobotta

Angesichts der zunehmenden Zahl an rechtspopulistisch orientierten Regierungen in Europa dürfte die diesjährige Europawahl richtungsweisend werden für die Zukunft der Europäischen Union. Damit verbunden sind aber auch die Rechte der Frauen, die sich unter eher rechts-konservativen Regierungen deutlich unterscheiden von demokratisch orientierten. Angesichts von 100 Jahren Frauenwahlrecht war die anstehende Wahl auch Thema des städtischen Empfangs zum Internationalen Frauentag.

Erstmals im stadt.bau.raum der Zeche Oberschuir an der Boniverstraße fanden sich dazu viele engagierte und vielfältig in der Stadtgesellschaft aktive Frauen ein, um den Tag gemeinsam zu feiern, zu genießen und vor allem miteinander ins Gespräch zu kommen.
Zur Eröffnung der Feier dankte die Leiterin der Gleichstellungsstelle der Stadt Gelsenkirchen, Dagmar Eckart, dem Oberbürgermeister für die Ermöglichung der Feier, denn er war der eigentliche Gastgeber, aber auch den vielen Helfern hinter den Kulissen, die zum Gelingen der Feier beigetragen hatten.
Durch das Programm führte als Moderatorin Karin Badar, die an den ersten Frauentag in Deutschland am 19. März 1911 erinnerte und ebenso an die erste Wahl, an der Frauen in Deutschland zur Wahlurne gehen durften, die am 19. Januar 1919, also vor 100 Jahren, stattfand.
Diese Daten nahm auch Oberbürgermeister Frank Baranowski in seiner Begrüßungsrede auf und erinnerte dabei auch daran, dass die Frauen auch in diesem Jahr wieder die Wahl haben: „Was steht bei der Europa-Wahl auf dem Programm? Demokratie bedeutet unter anderem zu wählen, wie es weiter gehen soll. Und bei dieser Wahl am 26. Mai steht quasi die Gleichstellung zur Wahl, weil diese bei Rechtspopulisten sehr unbeliebt ist.“
In Bezug auf die erste Chance deutscher Frauen zur Wahl zu gehen, merkte Baranowski an: „Andere Nationen hätten einen Nationalfeiertag aus diesem denkwürdigen Datum gemacht.“ Und er bezeichnete den ersten Urnengang der Frauen in Deutschland als „epochalen Moment, der würdig ist gefeiert zu werden. Denn es waren ein Weltkrieg und eine Revolution nötig, um das Frauenwahlrecht zu ermöglichen.“
Außerdem erinnerte der Oberbürgermeister daran, dass es bis 1997 noch fast 80 Jahre brauchte, ehe Vergewaltigung in der Ehe nicht mehr straffrei war. „Es ist ein zäher Fortschritt, aber er ist möglich. Und es braucht auch weiterhin Engagement und Argumente für diesen Fortschritt. Darum sollten sich Frauen nicht einschüchtern lassen von den in der Europäischen Union inzwischen kursierenden Vorurteilen gegen Frauen“, bekräftigte Baranowski und wünschte den Frauen Brot, Rosen und ein herzliches Glück auf.
Ein Kurzfilm von Filmemacherin Andrea Lötscher zum Thema „Mein Europa. Kommunal, national, international - weiblich!“ ließ in Gelsenkirchen lebende Frauen verschiedener Ursprungsnationalitäten zu Worte kommen. Dabei war egal, woher die Europäerinnen stammen, ob aus Italien, Rumänien, Bulgarien, sie sind froh, in Europa geboren zu sein. Denn Europa, wie wir es bislang kennen, bietet ihnen ein Leben in Freiheit und Frieden, das Wahlrecht und die gleichen Rechte, egal in welchem Land der Union sie sich gerade befinden.
Eine der Europäerinnen bezeichnete Gelsenkirchen als Stadt mit 120 Nationalitäten als „kleines Europa“. Alle Frauen im Film waren sich einig, dass gerade Frauen weiterhin ringen sollten für Frieden, Freiheit und Wohlstand „zu unserem Wohl, verdammt noch mal“, denn „so viele Frauen in Europa haben auch Macht und müssen diese nutzen... Wir dürfen nie aufhören zu kämpfen.“
In ihrem Impulsvortrag erinnerte Lynn Berg, wissenschaftliche Referentin des Forschungsinstituts für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW), daran, dass der Frauentag als Frauenkampftag aus der Wiege gehoben wurde und forderte: „Der Wert liegt auf dem Kampf. Der Frauentag sollte auch weiterhin ein Tag zum Streiten, Fordern und wütend sein bleiben.“
Sie ließ die Errungenschaften, die die Europäische Union auch für die Frauen in Deutschland bedeutet, Revue passieren, von den Anfängen im Jahr 1954 bis heute, denn „darin finden sich viele Meilensteine der Gleichstellungspolitik“. Dennoch hat die EU nach ihren Ausführungen oft das Augenmerk nur auf das Geschlecht in punkto Arbeit gelegt.
Als Szenario einer weiter ins rechtspopulistische tendierenden EU schwor sie herauf, dass aus „Freiheit und Gleichheit Zwang und Doktrin werden“ und damit Bedrohungsszenarien gegen die Gleichstellung voranschreiten würden. Sie appellierte an die Frauen: „Noch gibt es eine Chance: Die Wahlurne. Der Widerstand ist auf vielen Wegen möglich, einer der demokratischen ist der Gang zur Europawahl.“
Für den unterhaltsamen Teil des Abends sorgte Daniela Rothenburg mit ihrem Jazzduo, bestehend aus Norbert Labatzki und Gitarrist Roger van Triel, die die Besucherinnen mitnahmen auf eine „Tour d‘Europa“. Dabei gab es auch einen kleinen Abstecher nach Japan, das Girl of Ipanema wurde besungen, Hildegard Knef kam zu Wort, Gabriellas Song und der aktuelle Hit "All About That Bass" feierte eine ganz eigene und besondere Version im stadt.bau.raum.
Und weil Brot und Rosen zum Frauentag einfach dazugehören, gab es neben den vom Oberbürgermeister höchstpersönlich verteilten Rosen auch Grubenkniften und ein warmes Süppchen aus der Küche von Elke Schumacher für die anwesenden Europäerinnen.
"Gleichstellungsgegnern darf nicht das politische Feld überlassen werden, nicht in Europa, nicht in Deutschland, nicht in NRW und auch nicht in Gelsenkirchen,"
Lynn Berg, Forschungsinstitut fürgesellschaftlicheWeiterentwicklung.

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