Stadtkämmerin Karin Welge ist die OB-Kandidatin der SPD
Frauenpower ins Rathaus

 „Kein Leben findet ohne Fehler statt. Nur wer nichts macht, der macht auch keine Fehler.“ Darum steht Karin Welge für eine Fehler-Kultur, in der Entscheidungen getroffen werden können, ohne Angst davor zu haben, denn das macht aus ihrer Sicht Politik ein Stück weit ehrlicher. Foto: Gerd Kaemper
  • „Kein Leben findet ohne Fehler statt. Nur wer nichts macht, der macht auch keine Fehler.“ Darum steht Karin Welge für eine Fehler-Kultur, in der Entscheidungen getroffen werden können, ohne Angst davor zu haben, denn das macht aus ihrer Sicht Politik ein Stück weit ehrlicher. Foto: Gerd Kaemper
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Karin Welge stellt sich zur Wahl als erste Oberbürgermeisterin der Stadt Gelsenkirchen. Die Erfahrungen, die sie mitbringt, qualifizieren sie. Nicht nur für diese Stadt. Auch für dieses Amt, mit all seinen Herausforderungen.

Fast zehn Jahre Gelsenkirchen sind ebenfalls Ausweis und Empfehlung für die erste Frau, die diese Stadt regieren und prägen könnte. Karin Welge trat in Gelsenkirchen zunächst als Sozialdezernentin an und ist heute im Amt der Stadtkämmerin. In Gelsenkirchen ist das eine Aufgabe, in der man Netzwerkerin, Krisenmanagerin und intelligente Strategin sein muss. Neben allen Zahlen kümmert sich die Stadtkämmerin auch um die Truppe der Feuerwehr, die nicht nur im Fernsehen einen Job macht, für den man „Feuer und Flamme“ sein muss.
Im vergangenen Jahr wurde Karin Welge zur Stadtdirektorin ernannt und ist damit bereits jetzt die zweite Kraft an der Spitze der Gelsenkirchener Stadtverwaltung. Das Tagesgeschäft heißt für sie Management und Führung der städtischen Verwaltung und das umfasst auch Verantwortung ihren vielen MitarbeiterInnen gegenüber.
Leicht gemacht hat Karin Welge sich die Entscheidung, für die SPD als Oberbürgermeisterin zu kandidieren, nicht. Doch letztlich gewann ihre tiefe Zuneigung zur Stadt und ihren Menschen. Diese Entscheidung hat durchaus auch etwas mit der schwierigen Situation, in der sich die Stadt finanziell und strukturell befindet, zu tun. Karin Welge ist niemand, der wegläuft. Sie will ändern. Zum Besseren. Und dafür setzt sie sich, ihre Lebenszeit und ihre Energie ein.
Wenn sie am 13. September als Siegerin aus der Wahl hervorgeht, dann gilt für Karin Welge das Prinzip der Bürgerpartizipation: „Wir müssen alle zusammen für ein gutes Klima in Gelsenkirchen sorgen. Ich werde den Weg ebenen für mehr Bürgerbeteiligung und das Bündeln aller positiv denkenden demokratischen Kräfte. Je mehr Köpfe für diese Stadt arbeiten und je mehr Herzen für Gelsenkirchen schlagen, um so schneller werden wir in der Lage sein, den Rest der Republik mit guten Schlagzeilen und Ergebnissen aus Gelsenkirchen zu überraschen.“
„Ich betrachte die Dinge gern von allen Seiten und bedenke die Folgen meiner nächsten Schritte“, erklärt Karin Welge ihre Arbeitsweise. „Schnellschüsse sind nicht mein Ding, deshalb schaue ich immer von mehreren Seiten auf ein Problem und schaffe mir ein Umfeld, in dem ich mit Menschen zusammenarbeite, die selbstbewusst ihre Meinung sagen. Das geht bei mir. Streit kann konstruktiv sein, wenn es um eine gute Sache, wenn es um Inhalte, wenn es um unser Gelsenkirchen geht. Und dann gemeinsam und konsequent die gefundenen Lösungen umsetzen. Ärmel hochkrempeln und zusammen anpacken.“
Welge wuchs im Saarland auf, einem armen Land, wie sie sagt. Ihr Großvater war Bergmann. Von ihm hat sie gelernt, die Füße auf dem Boden zu halten, nicht abzuheben. Eine Tugend, die sie auch hier in Gelsenkirchen wahrnimmt. Die Menschen können was. Aber sie machen kein großes Theater daraus. Das gefällt Karin Welge. Es ist die Atmosphäre ihrer Kindheit. Ehrlich sein. Und arbeiten, bis man erreicht hat, was man sich vorgestellt hat. Karin Welge hat sich durchgeboxt, nicht von ungefähr hat sie Rechtswissenschaften studiert.
Stadtgestalterin wurde sie zunächst in Xanten. Hier war sie 13 Jahre als erste Beigeordnete und Stadtkämmerin tätig. 2011 folgte dann das Amt der Sozialdezernentin in Gelsenkirchen. Karin Welge bewarb sich, bekam den Job und zog nach Gelsenkirchen. Und das tat sie gerne. Mittlerweile kennt sie Gelsenkirchen besser als manch einer, der auch seine Jugend in dieser Stadt verbracht hat. Einige Umzüge im Stadtgebiet haben dazu beigetragen. Wenn sie über die Feldmark redet, wo sich ihr aktueller Wohnsitz befindet, sagt sie mit einem sympathischen Lächeln: “Ich lebe aufrechten Herzens hier.“ Solche Sätze sollten Gelsenkirchen öfter begleiten. Gerade auch von Menschen, die in diese Stadt gezogen sind, sie sich erobert haben und die bleiben, weil ihnen gefällt, was sie sehen, was sie erleben.
Mit aufrechtem Herz möchte sie auch in den Wahlkampf gehen. „Gelsenkirchen braucht jeden Einzelnen. Wir brauchen Bürger, die sich für ihre Stadt einsetzen, sie gestalten wollen. Rumjammern hilft uns nicht weiter und rumjammern ist auch nicht unsere Mentalität im Ruhrgebiet. Die Atmosphäre unserer Stadt soll freundlich, offen und hilfsbreit sein. Das bekommen wir hin. Zusammen.“
Dazu braucht es auch eine hochprofessionelle Verwaltungsbesetzung. „Es ist wichtiger denn je, gut vernetzt zu sein auf Bundes- und Landesebene. Wir müssen schon jetzt daran arbeiten, wie unsere Bildung in 20 Jahren aussehen soll. Bildung ist für uns das essentielle Zukunftsthema und damit meine ich mehr als nur die rein schulische Bildung. Ich denke auch an die Herzensbildung.“
Karin Welge ist, wie schon gesagt, gut vernetzt. Ihre Beziehungen reichen über die Stadtgrenzen nach Düsseldorf und Berlin. „Das ist gut für Gelsenkirchen und für schnellere Entscheidungswege“, weiß Welge.
Bildung ist für sie der erfolgreiche Weg in die Zukunft. Ganztagsbetreuung für alle Kinder schafft Chancengleichheit. „Die ist derzeit nur punktuell in einzelnen Schulen möglich. Das sind unsere Vorreiter und wir werden für den Ausbau der Ganztagsbetreuung von diesen Schulen lernen und profitieren.“
Auch die polyzentrische Stadt ist für sie ein wichtiges Thema. „Als polyzentrische Stadt sind wir schon irgendwie einzigartig und das wird auch so bleiben. Dabei sollten wir aber eine gerechte Stadtentwicklung betreiben. Die Vielfalt unseres Stadtbildes ist ein Guthaben, die Aufwertung der Stadtgebiete, wie Schalke-Nord, muss forciert werden. Gelsenkirchen wird in den nächsten Jahren seinen Platz in der Metropole Ruhr erkämpfen und verteidigen.“ Ein wichtiges Ziel für Welge ist es, parteiübergreifend zu arbeiten: „Kommunalpolitik ist kein Kirchturmdenken. Erfolg geht, gerade im Ruhrgebiet, nur gemeinsam.“
„Stadtgesellschaft kann und muss man lernen“, davon ist Welge überzeugt. „Mit Andersdenkenden umzugehen, sie in den Diskurs einzubinden, sie nicht auszugrenzen, das ist eine Aufgabe für die nächsten Jahre.“
Welge ist sich im Klaren darüber, dass die Sorgen der Menschen angesichts der Armutsmigration vorhanden sind und nimmt an dieser Stelle auch Bund und Land in die Verantwortung. Bereits 2013 erklärt Welge: „Willkommen ist, wer unsere Werteordnung akzeptiert und sich an unsere Regeln hält.“ Sie glaubt, dass angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland jeder junge Mensch, der hierher kommt, ein System vorfinden sollte, in dem er umfassend ausgebildet wird, damit er der Gesellschaft etwas Positives zurückgeben kann. Gerade in Anbetracht der hohen Sozialleistungen, die Gelsenkirchen aufbringen muss, fordert Welge eine entlastende nationale Migrationskonferenz. Für mehr finanzielle Unterstützung und gerechten Ausgleich in den Kommunen.
Karin Welge weiß auch, dass das Thema Sicherheit für Gelsenkirchener ganz oben auf der Agenda steht: „Die Stadt kann nicht die Aufgaben von Polizei und Zoll übernehmen. Wir können aber die Zusammenarbeit, Abstimmung und Überprüfungsverfahren deutlich verbessern und verschärfen. Wir haben bereits übergreifende Ressorts eingerichtet und sind in einem Prozess, die Zusammenarbeit mit Polizei und Zoll effizienter zu gestalten. Die Rollen der Sicherheit gebenden Beteiligten müssen aber eindeutig geklärt sein, um keine politischen Mischkalkulationen aufzumachen.“ Darum spricht sie sich auch gegen eine Bewaffnung des kommunalen Ordnungsdienstes aus.
Karin Welge sieht sich als Teil eines Ganzen: „Wir alle sind Gelsenkirchen.“ Egal ob als Oberbürgermeisterin, als Lehrer, als Mitarbeiter bei den Gelsendiensten oder als Ehrenamtler: “Gelsenkirchen geht nur gemeinsam. Dann wird diese Stadt ein Erfolgskonzept für die Zukunft.“
Als überzeugte Demokratin wünscht sich Karin Welge eine hohe Wahlbeteiligung am 13. September und mit einem schelmischen Lächeln formuliert sie ihren letzten Interviewsatz: “Ich hoffe auf eine klare Entscheidung der Wähler, weil ich als Kämmerin weiß, dass eine Stichwahl die Stadt nur unnötig viel Geld kostet. Könnte ich besser einsetzen. Für meine ersten Stadtprojekte als Oberbürgermeisterin von Gelsenkirchen.“

Autor:

silke sobotta aus Gelsenkirchen

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