Moltkehalde
RAG muss umfassend Information geben

Löscharbeiten am 25. Juli 2019
  • Löscharbeiten am 25. Juli 2019
  • Foto: Feuerwehr Gladbeck
  • hochgeladen von Jörg Weidemann

Mit 260 Grad Hitze war die, im Inneren brennende, Moltkehalde in Gladbeck schon die heißeste Halde im Ruhrgebiet. Aktuell wurden dort 360 Grad gemessen.

Die Sorgen der Anwohner sind vollständig berechtigt. Wenn im Nahbereich sogar Todesgefahr besteht, treten Giftstoffe aus, die auch weiter entfernt stark gesundheitsschädlich sein können. Uwe Rath hat für den Lokalkompass über den Brand letzte Woche berichtet. Die WAZ Gladbeck ist noch einen Schritt weiter gegangen, und hat bei der, für die Halde verantwortlichen, RAG-Tochter RAG Immobilien nachgefragt. Mit erstaunlichem Ergebnis: Detailergebnisse möchte der Konzern lieber für sich behalten.

Schweigen der RAG

Auch zum tatsächlichen Inhalt der Halde schweigt sich die RAG aus. Wer mit Kumpels spricht, die mit dem Befüllen der Halden betraut waren, kann spannende Geschichten hören (hinter vorgehaltener Hand). Über nächtliche Transporte und Entsorgungen von belasteten Geräten, die dort günstig entsorgt wurden.

Mit ihrer Aussage, seit Jahren werde die Halde überwacht, versucht die RAG Sicherheit zu vermitteln. Ein paar Zeilen weiter liest man, die Überwachung finde "regelmäßig mehrmals pro Jahr" statt. Von der Regierung in Arnsberg weiß man inzwischen, dass mehrmals bedeutet: zweimal im Jahr. Aber was ist an den anderen 363 Tagen?

Die Bezirksregierung Arnsberg hat jetzt wenigstens einige Meßergebnisse veröffentlicht. Die Werte für Kohlenmonoxid lagen dabei bis zu 2670 ppm hoch. Wer eine solche Konzentration des geruchlosen Gases einatmet, ist nach 30 bis 60 Minuten tot. Zu den von Anwohnern befürchteten Stoffen Benzol und PAK machte aber auch Arnsberg keine Angaben.

Die mediale Berichterstattung über den aktuellen Brand und die sprunghafte Zunahme der Innentemperatur der Halde hält sich sehr in Grenzen. Die WAZ hat bisher weder überregional noch in den Nachbarstädten Gelsenkirchen oder Bottrop berichtet. Überregional wurde das Thema bisher nur von Rote Fahne News aufgegriffen.

"RAG-Politik der verbrannten Erde im wahrsten Sinne des Wortes" (MLPD)

Die MLPD Gladbeck fordert eine umfassende und umgehende Information durch die RAG sowie eine unabhängige Untersuchung auf Kosten der RAG. "Der Umgang mit der Moltkehalde reiht sich ein in die Politik der verbrannten Erde, die die RAG im Ruhrgebiet mit dem Ende des Bergbau betreibt. Im Fall der Halde geht es sogar im wahrsten Sinne des Wortes um verbrannte Erde", so ein Sprecher der Partei.

Bottroper Erklärung wird auch in Gladbeck unterstützt

Er berichtet, dass schon einige Gladbeckerinnen und Gladbecker die sogenannte Bottroper Erklärung unterzeichnet haben. Sie wurde im Juni von 300 Demonstranten in Bottrop beschlossen. Darin wird die RAG aufgefordet, die über 200 Kündigungen zum Jahresende zurückzunehmen, die Flutung der Zechen umgehend zu stoppen und die Streichung des Deputat rückgängig zu machen, ebenso wie die Mieterhöhungen in den ehemaligen RAG-Wohnungen und Häusern. Bekannt ist auch eine Erklärung von 120 Ärzten, Apothekern und Psychologen gegen die Zechenflutung.

"Auch der Umgang mit vergifteten und brennenden Halden gehört in diese Rechnung aufgenommen. Die RAG ließ sich 2018 zum Ende der Kohleförderung rührselig feiern, mit Gottesdienst, Bundespräsident und Fußballstadion. In der Realität will sich die RAG ganz billig aus der Affäre ziehen. Damit darf sie nicht durchkommen", so der Genosse der MLPD abschießend.

Autor:

Jörg Weidemann aus Gladbeck

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