Interview mit Reinhard Wolff - alias Zwakkelmann Schlaffke - über seine (und andere) Musik
Von einem, der auszog, um Punk zu sein - aber nicht rebellisch, sondern humorvoll

Typisch Zwakkelmann!
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Da sitzt er und wirkt eigentlich gar nicht punkig. Oder verrückt. Oder übermäßig lustig. Oder provokant. So wie in vielen seiner Videos halt. Zwakkelmann (gebürtig Reinhard Wolff) ist der zuverlässige Typ.

Irgendwann, ziemlich am Ende des Interviews, sagt er den wunderschönen Satz: "Ich bin eigentlich sehr froh, dass ich nicht besonders erfolgreich bin!"  Und plötzlich fügt sich alles zusammen, was den Hamminkelner Altpunk immer ausgemacht hat: Überschaubare Zufriedenheit mit einer großen Portion Anspruchslosigkeit, viel Augenzwinkern mit ein bisschen Rebellion, realistische Selbsteinschätzung, politische Auseinandersetzung mit viel Humor.

"Der Punk ist heute im Establishment angekommen", sagt Herr Zwakkelmann. Ein paar Minuten zuvor hat er den Begriff "Punk-Spießer" genannt. Aber wie meint er das bloß? So wie die Grünen, die heute mehr für die breite Mitte stehen als für unangepasstes Aufmucken?

Man wird schlauer aus ihm, wenn man seiner Antworten auf meine Interview-Fragen liest. Also gebt Euch Mühe. Hier bietet sich die seltene Gelegenheit, Schlaffke Wolff kennen zu lernen. Los geht's ...

dibo: Lieber Zwakkelmann, als wie seriös würdest du dich selbst bezeichnen?
Zwakkelmann: Schwer zu sagen. Wahrscheinlich bin ich seriöser, als mancher meint. Ich kann es zum Beispiel nicht leiden, wenn jemand unpünktlich oder generell unzuverlässig ist. Auf der anderen Seite könnte ich mir nie vorstellen, beispielsweise adrett mit Anzug und Krawatte in einer Bank zu arbeiten. Eine Stimme in mir würde sich immer dagegen wehren. Vielleicht ist meine Punk-Sozialisation daran Schuld.

dibo: Liege ich falsch, wenn ich Dir eine gewisse Unreife unterstelle?
Zwakkelmann: Unreife höchstens vordergründig, um unter anderem Leute zu ärgern. Zum Beispiel mit dem ersten Song unserer neuen CD „Notdurftverrichtungs-Zeitanalyse“. Es gibt tatsächlich noch Menschen, die sich über solch harmlose Texte aufregen.
Ich würde eher Naivität sagen. Man sollte, auch wenn es manchmal schwer fällt, sich seine Naivität bewahren. Und nicht zu vergessen den Humor.

dibo: Du hast drei relativ kurze Sätze: Beschreib dich bitte mal als Menschentypus!
Zwakkelmann: Verlässlich, weil ich eher eine treue Seele bin.
Verwirrt, weil mich manches überfordert.
Verkopft, weil ich mir bisweilen zu sehr einen Kopf mache.

dibo: Im Spätsommer 2018 hast Du ein Konzert im Hambacher Forst gegeben. Bist du politisch ambitioniert?
Zwakkelmann: Ich will das nicht überbewerten, aber wenn es passt, engagiere ich mich gerne politisch. Wie zum Beispiel bei der Hambacher Forst-Geschichte oder bei Konzerten gegen Rechts. Auch klingt in meinen Texten durchaus ab und an politisches durch.

dibo: Warum die neue CD zu diesem Zeitpunkt?
Zwakkelmann: Das hat sich einfach so ergeben. Wir haben uns mit den Papa Punk-Aufnahmen ziemlich viel Zeit gelassen, nur irgendwann waren sie dann doch fertig. Wir mussten uns aber auch nach unserer Plattenfirma richten, da Fratz, unser Plattenboss, lange mit seiner Haus- und Hofband Wizo auf Tour war.

dibo: Siehst Du dein künstlerisches Werk in der Tradition der Ramones?
Zwakkelmann: Was die Kontinuität, die Geradlinigkeit angeht, schon.

dibo: Du wohnst am Rande des eher spießigen Dingden. Fühlst Du dich dort wohl?
Zwakkelmann: Ich als Punk-Spießer fühl mich wohl dort. Nee, im Ernst, ich mag das Dörfliche, die Einöde, die Natur etc.. Ich glaub, in einer Stadt würde ich vor die Hunde gehen. Wobei ich mich schon manchmal frage, was aus mir geworden wäre, wenn ich meinetwegen irgendwann in meine Lieblingsstadt Hamburg gezogen wäre? Vielleicht wäre ich dort ein freierer, glücklicherer Mensch geworden. Vielleicht auch nicht. Das kommt übrigens auch in der Papa Punk-Story vor.
Ich bin zwischen Stadt- und Landleben ein bisschen hin und her gerissen. Durch die Musik komme ich ja viel herum. Allein der Straßenverkehr in manchen Städten ist dann oft zum Abgewöhnen. Das Nachtleben entschädigt einen dann meist wieder.

dibo: Wenn es die Sex Pistols noch gäbe und Du berühmt werden wolltest - mit welchen Worten würdest Du dich bei Johnny Rotten bewerben?
Zwakkelmann: Einem Großmaul wie Johnny sollte man am besten großmäulig begegnen. Ich würde sagen, nein, rufen: „Johnny, Du alter Sack, lass mich mal ans Mikrofon! Ich kann viel besser singen als Du! Und manchmal wäre es klüger, wenn Du Dein Maul halten würdest.“

dibo: Welche Musikstile kannst Du akzeptieren, welche sind NoGos für dich?
Zwakkelmann: Akzeptieren kann ich beispielsweise klassische Musik. Die ist ideal zum Abschalten. Pardon, ich meinte, zum Entspannen.
Ich mag auch vieles aus den 60er Jahren. Beat, Chanson oder alten Schlager. Egal, ob die Beatles, The Kinks, Beach Boys, Alexandra, Hildegard Knef oder Udo Jürgens. Das war Musik, bei der die Melodie, die Stimme, das Gefühl im Vordergrund stand und trotzdem alle Beteiligten ihr Handwerk verstanden. Vieles von damals ist und bleibt unerreicht. Das liegt vielleicht auch daran, dass damals oft live mit Orchester aufgenommen wurde.
Ich kann generell mit Rhythmus orientierter, tanzbarer Musik wenig anfangen. Zum Beispiel Tekkno, Disco oder Hip Hop. Oder noch schlimmer, blankpolierter Mallorca-Bums-Schlager. Ganz schlimm. Da steckt so eine plumpe Mentalität dahinter, die ich mich abstößt. Das ist für mich schon ein NoGo. Schlimm finde ich, wenn Musik nur dazu gemacht wird, Kohle zu scheffeln. Das findet in der Papa Punk-Story übrigens ebenfalls Erwähnung.

dibo: Was genau geht der Welt verloren, wenn Herr Schaffke sich dereinst entscheidet, dem Musikerleben abzuschwören?
Zwakkelmann: Ein paar brauchbare Songs und nette Auftritte vielleicht. Und es gab wohl niemanden, der so viele Klamotten liegen gelassen oder verloren hat, wie Herr Zwakkelmann.

dibo: Danke fürs das wirklich nette Gespräch!
Zwakkelmann: Ich danke dir!
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Der Künstler über sein neues Werk
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Wichtige Zwakkelmann Daten: ledig, Schuhgröße 47, Jugendhausleiter in Anholt, Hobbys: spazieren gehen, blöd glotzen, Fotos machen, Gitarre spielen und singen. (O-Ton: "Zwakkelmann ist ein kostenintensives, sehr zeitaufwändiges Hobby."); Bier und Kaffee trinken, Literatur und Musik.
Weitere Infos gibt's auf der Zwakkelmann-Homepage!
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Eine Ramones-Video!

Autor:

Dirk Bohlen aus Wesel

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