Seniorentanztheater lässt Bilder im Kopf entstehen
Tanzen in und für die Kirche

Christine Klüppelholz, Angelika Haschke, Hubert Baron und Susanne Ottomeyer-Figge vom Wuppertaler Seniorentanztheater sowie Pfarrer Martin Funda von der Evangelischen Kirchengemeinde Bredenscheid-Sprockhövel. Foto: Pielorz
  • Christine Klüppelholz, Angelika Haschke, Hubert Baron und Susanne Ottomeyer-Figge vom Wuppertaler Seniorentanztheater sowie Pfarrer Martin Funda von der Evangelischen Kirchengemeinde Bredenscheid-Sprockhövel. Foto: Pielorz
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Die Zwiebelturmkirche ist das Wahrzeichen der Stadt Sprockhövel und muss dringend saniert werden. Die Kosten für das umfangreiche Bauprojekt werden mit über 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Eine große Summe, die die Kirchengemeinde nicht alleine stemmen kann. Deshalb hat man sich viele Projekte überlegt, die gemeinsam mit Sponsoren zum Ziel führen sollen. Eine Idee ist die Benefizveranstaltung des Seniorentanztheater Wuppertal am Freitag, 30. November, 19 Uhr, in der Zwiebelturmkirche.
Der gebürtige Italiener Claudio li Mura ist in Deutschland aufgewachsen und hat auch hier seine Liebe zum Tanz entdeckt. Gegen den Willen der Eltern – vor allem des Vaters – besuchte er die Ballettschule. Heimlich. Natürlich kam li Muras Vater irgendwann dahinter und zerrte seinen Sohn eigenhändig aus dem Unterricht heraus. Doch die Leidenschaft zum Tanz war bereits entfacht. Seinen Eltern zuliebe fuhr li Mura zweigleisig: Er studierte, um den Anforderungen seines Vaters gerecht zu werden, doch die Leidenschaft holte ihn immer wieder zum Tanz zurück. Dabei ging und geht es ihm um den Ausdruck von Gefühlen, erst dann kommt die Technik. Seine zweite große Leidenschaft sind Lyrik und Sprachen. Claudio li Mura hat sich im Theaterschauspiel, Modern Dance und als Choreograph ausbilden lassen. Seine lyrischen Texte als Tanztheater zu präsentieren – das ist seine Passion. So setzte er diese Vorstellung in die Tat um und ist selbst aufgetreten - mit Klavier, klassischer Gitarre oder Jazzbegleitung. Man sagt über ihn, er habe die Gabe, in das Innere des Menschen zu sehen. Seine Wege kreuzten sich mit denen von Pina Bausch. Bis heute widmet Claudio li Mura jedes seiner Werke der verstorbenen Tänzerin. Die Ausbildung als Seniortrainer führt dann direkt zum Wuppertaler Seniorentanztheater, gegründet 2012 – das übrigens nichts mit einem Kreisen der Hüfte zu tun hat, sondern eher dem Anspruch folgt, sich selbst und seine Gefühle im Tanz auszudrücken. Das machen etwa zwanzig Tänzer und Tänzerinnen, alle über sechzig Jahre alt. Der älteste Teilnehmer, Hubert Baron, ist schon achtzig Jahre alt.

Bunte Bilder im Kopf

Was die Teilnehmer in tänzerischen Szenen darstellen, können die Zuschauer in der Zwiebelturmkirche erleben in dem Stück „Ode an Tersicore: So sind wir“ – eine auch für die Tänzer ganz besondere Bühne. Tersicore war übrigens eine Muse aus der griechischen Mythologie und gilt als Beschützerin des Tanzes. Angelika Haschke ist seit der Gründung des Tanztheaters dabei. „ich fühlte mich angesprochen durch die Werbung, gesucht würden Teilnehmer ab 55 Jahre ohne Tanzerfahrung. Mich hat es dann sofort gepackt“, erzählt sie. Susanne Ottomeyer-Figge kam 2014 dazu, Christine Klüppelholz vor einem Jahr – allerdings mischt sie in der Organisation und nicht im Tanz mit. Was allen wichtig ist: Das Projekt ist sehr gemeinschaftsorientiert. Aufgetreten sind sie sogar schon im Wuppertaler Opernhaus und im Theater am Engelsgarten. Ein Auftritt in der Kirche stellt sie allerdings räumlich und szenisch vor besondere Herausforderungen. Das Tanz-Wagnis ist mit einem schönen Ziel verbunden: die Einnahmen aus dem Projekt fließen zu einhundert Prozent in die Spendenkasse zur Sanierung der Zwiebelturmkirche. Und die muss gut gefüllt sein, will man die großen Aufgaben erfüllen, die mit der Sanierung verbunden sind. „Der erste Bauabschnitt umfasst die Sanierung des Daches von Kirchturm, Kirchenschiff und Dachstuhl. Die Kosten liegen bei kalkulierten 700.000 Euro“, erklärt Pfarrer Arne Stolorz. „Die Finanzierung ist eine Mischung aus Eigenmitteln (Rücklagen), Spenden und Stiftungsgeldern. Die nächsten Bauabschnitte werden dann nach diesem ersten Schritt folgen. Das wäre die Innensanierung und die Außenfassade. Neben den Eigenmitteln gibt es noch den Härtefonds des Kirchenkreises. Dann haben wir Gelder bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie bei der Kirchlichen Stiftung KIBA beantragt. Außerdem haben wir vom Landeskirchenamt die Genehmigung, den Verkaufserlös des Pfarrhauses Wuppertaler Straße 123 zur Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen unserer Kirche zu verwenden. Und wir hoffen natürlich auf Spenden. Mehr als 80.000 Euro liegen bereits vor und bei den Stiftungsgeldern haben wir auch eine Zusage von bisher 50.000 Euro.“
Das reicht aber noch lange nicht. Deshalb müssen pfiffige Ideen her, um weitere Gelder zu generieren. Eine der Ideen war der Verkauf eines Null-Euro-Scheines zugunsten der Kirchensanierung. Diese Scheine haben keinen Notenwert, sind aber wertvolle Sammlerstücke. Der Sprockhöveler Schein mit der limitierten Auflage von 5000 Exemplaren ist fast ausverkauft.
Oder eben die Idee mit dem Tanztheater. Wie sagte schon Augustinus (354 bis 430 v.Chr): „Ich lobe den Tanz, denn er befreit den Menschen von der Schwere der Dinge, bindet den Einzelnen zur Gemeinschaft. Ich lobe den Tanz, der alles fordert und fördert: Gesundheit und klaren Geist und eine beschwingte Seele. Tanz ist Verwandlung des Raumes, der Zeit, des Menschen, der dauernd in Gefahr ist zu zerfallen, ganz Hirn, Wille oder Gefühl zu werden. Ich lobe den Tanz. O Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen.“ Das sehen auch die Akteure so. „Wir tanzen 90 Minuten einzelne Szenenbilder zu komponierten Klassikstücken. Die Idee und die Choreographie kommen von Claudio li Mura. Wir wollen Besuchern vermittelnd: Tanzen in der Gemeinschaft ist schön, gesund, bringt Energie. Wir lassen abwechslungsreiche Bilder im Kopf der Besucher entstehen. Kommen Sie mit uns auf eine phantastische Reise.“
Karten im Vorverkauf (zehn Euro, erm. sieben Euro) gibt es in den Gemeindebüros der Kirchengemeinde, Telefon 02324/73686, und im „Buchladen“ in Sprockhövel, Hauptstraße 34. An der Abendkasse kosten die Karten zwölf Euro.

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