Eve Niemann (16) geht ein Jahr nach Chile

Eve Niemann wird ein Jahr nach Chile gehen und den STADTSPIEGEL-Lesern natürlich berichten.Foto: Pielorz
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Eve Niemann (16) besucht die Realschule Grünstraße. Die Schülerin hat schon immer ein Faible für Reisen gehabt und keine Probleme, auch mal in jüngeren Jahren ohne Mama und Papa zu verreisen. Nun steht ihr ein riesengroßes Abenteuer bevor, denn sie verlässt Deutschland im Rahmen eines Schüleraustausches für ein Jahr. Am 21. Februar startet ihr Flieger Richtung Santiago de Chile.

Eve Niemann ist Austauschschülerin des AFS, des American Field Service.
Unter dem Namen „American Field Service“ (AFS) retteten freiwillige Sanitätswagenfahrer Verwundete von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges. Auch im Zweiten Weltkrieg war AFS mit Hunderten von freiwilligen Fahrern weltweit aktiv. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kamen AFS-Sanitätswagenfahrer in den USA zusammen, um über die Zukunft des „American Field Service“ zu entscheiden: Die Veteranen beschlossen, Jugendaustauschprogramme ins Leben zu rufen mit der Vision, das Verständnis zwischen den Kulturen zu fördern und damit den Weltfrieden zu sichern.
Von 1948 bis 2010 haben rund 28.000 deutsche Schüler am AFS-Entsendeprogramm teilgenommen. Rund 18.000 internationale Gastschüler wurden in Deutschland aufgenommen.
Eine von ihnen will nun auch Eve Niemann werden. Die Sechzehnjährige ist neugierig und offen und hat nur einen Wunsch: Mal raus aus Hattingen und Weltluft schnuppern.
„Zuerst gab es ein Auswahlwochenende. Man lernt Jugendliche kennen, die bereits mit AFS unterwegs waren und die von ihrem jeweiligen Gastland erzählen und man hat die Wahl, verschiedene Länder anzukreuzen, die für einen selbst infrage kommen“, so Eve Niemann. Für sie war zunächst die erste Wahl Amerika, dann aber konkreter Südamerika. Spanisch spricht sie nicht, aber das kann man lernen.
„Man wohnt in Gastfamilien und alle, die schon einmal mit AFS unterwegs waren, haben erzählt, wie schnell man die Sprache des jeweiligen Landes lernt, wenn man sie noch nicht beherrscht. Außerdem sprechen die Gasteltern in der Regel Englisch. Ich mache mir da überhaupt keine Sorgen.“
Für Eve Niemann soll es Chile werden. Natürlich organisiert die Organisation die Reise und sucht die Gastfamilie aus. Auch eine Betreuung vor Ort wird es geben. „Das Wichtigste ist, dass die Jugendlichen selbst diese Erfahrung machen wollen und nicht ihre Eltern im Mittelpunkt stehen, die einen Auslandsaufenthalt wünschen. So soll die vorzeitige Rückkehrerquote möglichst niedrig gehalten werden“, sagen Eves Eltern, Stephan und Barbara Niemann.
Deren Herz klopft allerdings schon schneller, wenn sie an den Abreisetag der Tochter denken. „Wir wissen, dass sie in ihrer ganzen Persönlichkeit gestärkt wird und sich diesen Aufenthalt sehr wünscht. Aber es ist halt sehr weit und der AFS wünscht sich, dass die Eltern die Kinder nicht im Ausland besuchen. Das bedeutet, wir sehen Eve erst Anfang Januar 2014 wieder. Zumindest persönlich, denn zum Glück gibt es ja Skype, Facebook und E-Mail.“
Dass sie Heimweh bekommen wird, glaubt auch Eve Niemann. „Aber mein Wunsch, diese Erfahrung zu machen, ist einfach stärker als das Heimweh und die Angst vor möglichen Schwierigkeiten.“
Bis jetzt ist der Norden Chiles im Gespräch, konkret die Stadt Calama mit 170.000 Einwohnern. „Das kann sich allerdings noch ändern. Die Gasteltern lernt man erst vor Ort kennen. Und bei Ankunft im Gastland gibt es ein Orientierungsseminar, bevor man in die Familie reist, in der man wohnt.“
Noch ist Eve die Ruhe selbst, doch sie weiß: „Das ändert sich garantiert, je näher der Abflugtermin kommt.“
Neue Erfahrungen wird sie jede Menge sammeln. Zum Beispiel trägt sie in der Schule eine Schuluniform. Die Gastfamilie übernimmt während der Zeit des Aufenthaltes die Verantwortung für sie und durch den AFS ist sie selbstverständlich versichert.
Die Kosten für den Aufenthalt, die je nach Land unterschiedlich sind und pro Schuljahr zwischen 6.000 und 13.000 Euro liegen (Stipendien gibt es aber auch und kürzere Aufenthalte sind auch möglich), decken alle Kosten der Organisation. Die Gastfamilien selbst arbeiten ehrenamtlich und erhalten kein Geld. Sie behandeln den Gastschüler wie ihr eigenes Kind.
Eves beste Freundin ist natürlich nicht davon begeistert, dass sie auf Eve verzichten muss. Einen konkreten Freund gibt es im Leben der Sechzehnjährigen zur Zeit nicht. „Und sonst hätte ich mich wahrscheinlich vorher von ihm getrennt“, sagt sie, wildentschlossen, eine der vermutlich aufregendsten Zeit ihres Lebens zu erleben.

Den STADTSPIEGEL-Lesern hat sie versprochen, sich regelmäßig in Wort und Bild zu melden, um von ihren Erfahrungen zu berichten.

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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