Kein Job wie jeder andere

Jasper Thimm übt auf der Lehrstation, wie man ein Medikament zu einer Infusionslösung zugibt. | Foto: KKRR
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Vielseitig, erfüllend und mit lebenslangem Lernen verbunden – das sind die zentralen Begriffe, mit denen zwei Pflegeauszubildende ihren zukünftigen Beruf beschreiben. Helen Kunigk ist Auszubildende zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, Jasper Thimm befindet sich im dritten Lehrjahr.

Sie sind das Bindeglied zwischen Ärzten, Therapeuten, Patienten sowie Angehörigen und betreuen und versorgen erkrankte sowie pflegebedürftige Menschen: Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger erfüllen damit eine wichtige Aufgabe, die auch gesellschaftlich von großer Bedeutung ist. Sie übernehmen die eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung von Menschen aller Altersgruppen in unterschiedlichen Lebens- und Krisensituationen in vielfältigen Einrichtungen des Gesundheitswesens. Darüber hinaus werden Pflegende unter anderem in den Bereichen Prävention, Forschung, Bildung und Management im Gesundheitswesen tätig.

Helen und Jasper absolvieren ihre Ausbildung in der Krankenpflegeschule der St. Elisabeth-Gruppe. Durch Theorie- und Praxisunterricht erhalten die Azubis medizinisches und pflegerisches Fachwissen, beispielsweise über verschiedene Krankheitsbilder und die Anatomie des Menschen. Sie erlernen auch den richtigen Umgang mit Patienten. Das theoretische pflegerische und medizinische Wissen können sie dann zuerst unter Anleitung und später immer selbständiger in der Praxis umsetzen, berichtet Sabine Dreßler, Leiterin der Krankenpflegeschule.

Zu den Einrichtungen der St. Elisabeth-Gruppe zählen drei Krankenhäuser der maximalen Breitenversorgung sowie Fachkliniken für rheumatische und psychiatrische Erkrankungen. Aber auch das Gästehaus St. Elisabeth mit seiner Kurzzeit- und Tagespflege, zwei spezialisierte Palliativ- und Hospizeinrichtungen und eine ambulante Pflegeeinrichtung zählen zu den praktischen Einsatzorten für Auszubildende.

Eine Besonderheit der Krankenpflegeschule ist die Lehrstation – also eine Station, auf der keine echten Patienten liegen. „Hier können die Azubis die wesentlichen pflegerischen Tätigkeiten unter Anleitung erfahrener Praxisanleiter frei üben“, fügt Dreßler hinzu. Um besser zu verstehen, wie man sich als Patient fühlt, schlüpfen die angehenden Pflegekräfte dort auch selbst in die Patientenrolle. Darüber hinaus lernen sie unter anderem die verschiedenen Pflegesysteme kennen. Man unterscheidet zwischen Bezugs-, Bereichs- und Funktionspflege. Unter Bezugspflege versteht man die ganzheitliche Versorgung eines Patienten, von der Aufnahme bis zur Entlassung. In der Bereichspflege versorgt man eine krankheitsbezogene Patientengruppe, also beispielsweise nur chirurgische Patienten. Das Gegenteil dazu ist die Funktionspflege. „Hier werden alle anfallenden Tätigkeiten aufgeteilt. Das bedeutet, dass eine Pflegekraft zum Beispiel bei allen Patienten auf der Station die Vitalzeichen erfasst“, erläutert Jasper. Häufig existieren in den Krankenhäusern Mischformen. „Eine Bezugspflege hat bereits beim Schichtwechsel ihre Grenzen“, schildert er seine Erfahrungen.

„Wer immer noch glaubt, dass Pflegekräfte nur Essen austeilen und Patienten waschen, hat ein völlig falsches Bild. Selbst in meinem Freundes- und Bekanntenkreis stoße ich oft auf diese Vorurteile“, erzählt Helen. „Das ist sehr schade, denn es ist ein moderner und vor allem total vielseitiger Beruf und eine spannende, abwechslungsreiche Ausbildung.“

Die 20-Jährige ist vor allem von den vielen Facetten des Berufs begeistert. Pflegekräfte dokumentieren nicht nur Veränderungen und besprechen diese Beobachtungen mit den Ärzten, sondern sie entscheiden auch selbst, wie man den Patienten pflegerisch beim Gesundwerden unterstützen kann. Ein Beispiel dafür ist das Vermeiden von Druckstellen durch zu langes Liegen, auch Dekubitus genannt. Darüber hinaus bringen Pflegekräfte Patienten zu Untersuchungen oder zum OP und führen Aufnahmegespräche mit neuen Patienten.

Für Pflegekräfte auf der Intensivstation spielt neben der Einschätzung des gesundheitlichen Zustandes der Patienten auch der kompetente Umgang mit den technischen Geräten eine wichtige Rolle. „Da keine Krankengeschichte der anderen gleicht und jeder Patient individuell betrachtet werden muss, ist es ein lebenslanges Lernen“, ergänzt Jasper. Er hat während der Praxisphasen im Krankenhaus schon viel erlebt: „Besonders schön ist es, wenn Patienten von der Intensivstation auf die normale Station verlegt werden können, weil es ihnen besser geht. Das zeigt dann, dass wir den Patienten erfolgreich dabei unterstützt haben, gesund zu werden.“

Was muss man für den Pflegeberuf mitbringen? „Abgesehen von rechtlichen Gegebenheiten sind die Fähigkeit, belastende Emotionen zu reflektieren, und die Bereitschaft, sich auf die Patienten, ihre Angehörigen und die Sorgen einzulassen, wichtige Voraussetzungen für den Pflegeberuf. Diese sozialen Kompetenzen erleichtern den Patientenkontakt und Beziehungsaufbau“, weiß Dreßler.

Wie wichtig der Beziehungsaufbau ist, zeigt ein Erlebnis von Helen: „Auf der geriatrischen Station hatte ich eine an Demenz erkrankte Patientin, die oft geschrien hat, nicht mehr reden konnte und nur gesummt hat. Daraufhin habe ich mir ein kleines Radio besorgt und in ihrem Zimmer Musik angemacht. Sofort begann sie mitzuwippen und mit Lauten zu singen. Dann fingen wir gemeinsam an zu tanzen. Man hat sofort gemerkt, dass sie die Musik beruhigt und entspannt hat, sodass ich mit der Pflege beginnen konnte.“ Und auch am nächsten Tag erkannte die Patientin die Auszubildende wieder. „Von da an war sie immer ruhig, sobald ich ins Zimmer kam. Das war ein besonders schönes Erlebnis für mich“, so die Auszubildende weiter. 

„Neben sozialen Kompetenzen ist auch eine gewisse Vorerfahrung in Form von Praktika oder ähnlichem hilfreich, um für sich selbst festzustellen, ob man den Beruf der Pflegekraft ausüben kann und möchte“, sagt Dreßler. „Ich habe vor meiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger eine Ausbildung als Rettungssanitäter gemacht. Dadurch habe ich gute Einblicke in das Gesundheitswesen bekommen und mein Interesse war geweckt, noch mehr über die Funktionsweise des menschlichen Körpers zu erfahren und tiefer in die Themen einzusteigen“, berichtet Jasper.

Bereits zwei Praktika vor dem Ausbildungsstart hat Helen in der St. Elisabeth- Gruppe absolviert. „Dadurch habe ich beispielsweise die Anästhesiepflege kennengelernt. Das fand ich so spannend, dass ich mir gut vorstellen kann, nach der Ausbildung die Fachweiterbildung Pädiatrische Intensivpflege und Anästhesie zu absolvieren“, sagt sie. 

Die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger beginnt in jedem Jahr zum 1. März und zum 1. September. Bewerbungsunterlagen können daher ganzjährig über das Jobportal der St. Elisabeth-Gruppe eingereicht werden. Bei Fragen zur Ausbildung steht Sabine Dreßler unter der Rufnummer 02323/4992630 zur Verfügung.

Quelle: St. Elisabeth-Gruppe

Jasper Thimm übt auf der Lehrstation, wie man ein Medikament zu einer Infusionslösung zugibt. | Foto: KKRR
Die angehende Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin Helen Kunigk übt auf der Lehrstation, wie man ein Nest für ein Frühgeborenes im Inkubator baut. | Foto: KKRR
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Wochenblatt Herne aus Herne

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