Gemeinsam und überall
"Für eine Region ohne Autobahn A46": Bürger aus 19 Ortsteilen der Region stellen gemeinsame Petition vor

 21 Bürger aus 19 unterschiedlichen, von den Planungen der A46/B7n betroffenen Stadt- und Ortsteilen, wehren sich gegen die den Autobahnbau. | Foto: privat
  • 21 Bürger aus 19 unterschiedlichen, von den Planungen der A46/B7n betroffenen Stadt- und Ortsteilen, wehren sich gegen die den Autobahnbau.
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21 Bürger aus 19 unterschiedlichen, von den Planungen der A46/B7n betroffenen Stadt- und Ortsteilen, haben heute eine gemeinsame Petition mit dem Titel "Gemeinsam und überall - Für eine Region ohne Autobahn A46" veröffentlicht. Sie kommen aus Fröndenberg, Schwitten, Halingen, Platte-Heide, Brockhausen, Niederhemer, Stübecken, Landhausen, Hüingsen, Obsthof, Rauherfeld, Lendringsen, Oesbern, Werringsen/Barge, Wimbern, Böingsen, Asbeck, Eisborn und Hüsten.

Damit gibt es erstmals eine gemeinsame Petition von Bürgern aus der gesamten Region, mit der die Planung der Autobahn nicht an der einen Stelle bekämpft und an der anderen befürwortet, sondern insgesamt abgelehnt wird. Stattdessen wird die Erarbeitung klimagerechter und intelligenter Mobilitätskonzepte ohne Autobahn gefordert. Ziel ist es, zunächst bis Ende August möglichst viele Unterstützer dafür zu gewinnen.
Die Petition kann ab sofort über die Homepage der GigA www.giga46.info unterzeichnet werden. Von dort wird man weitergeleitet auf die Plattform für Bürger-Initiativen openpetion.de. Dort findet sich auch die Möglichkeit, Unterschriftenlisten ausdrucken zu lassen.
Hintergrund der Petition ist die massive Ausweitung des Planungsraumes für den Bau der A46/B7n. Damit ist inzwischen die gesamte Region zwischen Hemer im Westen, Wickede im Osten, Fröndenberg im Norden und Hüsten im Süden von den Planungen der A46/B7n betroffen und bedroht. Somit müssen viele Bürger damit rechnen, dass die A46/B7n irgendwann vor der eigenen Haustür gebaut wird. Das hat insbesondere in den neu betroffenen Gebieten für große Aufregung gesorgt. Viele Menschen haben sich dabei an die GigA gewandt.
In ihrer Petition setzen sich die Erstunterzeichner dafür ein, dass die Lebensqualität der Region erhalten bleibt, die sie durch eine neue Autobahn mit zusätzlichem überregionalem Verkehr bedroht sehen. Dazu kommen die Zerschneidung und Zerstörung von Europäischen Schutzgebieten, Naturschutzgebieten und ökologisch wertvollen Wald- und Naherholungsgebieten sowie die Belastungen durch zusätzliche Schadstoffe.
Gemeinsam stellen sie in der Petition fest: "Wir wollen keine neue A46/B7n vor unseren Türen und auch nicht vor den Türen unserer Nachbarn. Der Bau dieser Straße ist an der einen Stelle nicht besser als an der anderen."
Konkret fordert die Petition deshalb den Stopp aller Planungen für den Bau der A46/B7n und die Streichung der Straße aus einem neuen und nachhaltigen Bundesverkehrswegeplan, der dem Klimaschutz Rechnung trägt. Unter dem Motto "Zukunft statt Asphalt" wird stattdessen die Erarbeitung klimagerechter und intelligenter Mobilitätskonzepte für eine Region ohne Autobahn gefordert.
Die Petition richtet sich an die Räte der von den Planungen betroffenen Städte Fröndenberg, Menden, Hemer, Wickede, Arnsberg und Balve sowie an die Landes- und an die alte und ab Endes des Jahres neue Bundesregierung.
Hier Stellungnahmen einiger Erstunterzeichner:
Anja Schmöle aus Niederhemer: „Das Thema Autobahn/A46 begleitet mich, seit ich klein bin, da ich in Niederhemer aufgewachsen bin und wohne. Ohne Frage ist die Verkehrssituation an der Kreuzung in Niederhemer besonders zu den Stoßzeiten belastet. Ich bin davon überzeugt, dass die Autobahn nicht die den Bürgern suggerierte Entlastung auf Hemers Straßen bringt, dass aber die daraus entstehenden Folgen für die ganze Region verheerend sind: Lärm, Luftverschmutzung, immense Kosten, Verbrauch von seltenen Ressourcen, Zerstörung von klimanotwendigem Lebensraum und Naherholungsgebieten. Ich bin dafür, dass sich die Verantwortlichen in Hemer über alternative Verkehrslösungen Gedanken machen.“
Julius van der Burg vom Obsthof: „Wenn wir in 20 Jahren auf eine zerstörte Welt blicken, weil viele Teile der Erde durch die Klimakrise unbewohnbar sind und wir zwar keine Wälder, dafür aber tausende Kilometer Autobahnen haben, dann sind die meisten heute verantwortlichen Politiker*innen wahrscheinlich nicht mehr aktiv. Wir als jüngere Generation werden dann mit diesen Entscheidungen leben müssen, die getroffen wurden, als wir diese nicht mal durch Wahlen beeinflussen konnten. Ein Projekt, das im letzten Jahrhundert geplant wurde, darf die Zukunft aller zukünftigen Generationen nicht derartig gefährden. Deshalb ist es so wichtig, diese Entscheidungen anders zu beeinflussen. Wir müssen unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen.“
Helga Luther aus Fröndenberg: „Fröndenberg liegt unmittelbar an der Ruhr, dem Fluss, der viele Menschen mit Trinkwasser versorgt. Ausreichendes und sauberes Wasser wird immer seltener durch Klimawandel und verschiedene Schadstoffeinträge. Das Ruhrtal mit auenähnlichen Abschnitten, mit durchgehenden Wasserschutzzonen, Naturschutzgebieten und einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt ist in höchsten Grad schutzbedürftig. Das alles wäre durch den Bau einer neuen Autobahn in höchsten Maß gefährdet.“
Jutta Salmen aus Halingen: „In Zeiten des Klimawandels muss die Verkehrswende forciert werden. Dies bedeutet, daran zu arbeiten, dass es möglich ist, sauber und bezahlbar unterwegs zu sein und nicht durch noch mehr Autobahnen noch mehr Umwelt zu verbrauchen. Mein Wohnort Halingen ist das "Dorf zwischen Ruhr und Wälkesberg". Der Bau der Autobahn im Mendener Norden wäre für Halingen und das Ruhrtal eine unbeschreibliche Katastrophe!“
Heiner Korte aus Brockhausen: „Für mich ist die A46 eine Luxusautobahn, die nicht erforderlich ist. Wir können sämtliche Autobahnen in der Umgebung in kürzester Zeit erreichen. Generell sehe ich durch die A46 eine nutzlose Zerstörung der Natur. Viel wichtiger wären in der Region ein Ausbau und die Verbesserung der Rad- und Fußgängerwege Diese befinden sich in desolaten Zuständen. Gerade in der jetzigen aktuellen Corona-Zeit ist es eine Verantwortungslosigkeit, Geld in nutzlose Autobahnen zu investieren.“ 
Christian Dümpelmann aus Wimbern: „Das Dorf Wimbern ist jetzt schon ziemlich zerstreut und in mehrere kleine „Siedlungen“ unterteilt. Das macht es sowieso schon schwierig genug, das Dorf „zusammenzuhalten“. Als Vorstandsmitglied in der Schützenbruderschaft weiß ich, wovon ich rede. Wenn jetzt noch eine Autobahn oder eine ausgebaute mehrspurige Bundesstraße quer durch das Dorf verläuft, wäre das für das Dorfleben, die Gemeinschaft und den Zusammenhalt eine Katastrophe. Ich selbst bin in Wimbern geboren und aufgewachsen. Vor vier Jahren haben meine Frau und ich hier ein Haus gekauft und mittlerweile haben wir einen zweijährigen Sohn und eine fünf Monate alte Tochter. Ich denke, das alles ist Grund genug, um gegen den Bau der A46/B7n in welcher Form auch immer, zu sein.“
Rolf Freitag vom Rauherfeld: „Die bisherige primäre Streckenführung der Autobahnergänzung A46 wird obererdig bis in die unmittelbare Nähe unterhalb vom Rauherfeld und damit zwischen dem Stadtkern Menden und dem Ortsteil Lendringsen geführt. Auf dem Weg dorthin und danach als dreispurige B7 werden schützenswerte Natur- und Naherholungsgebiete zerstört und gewachsene Strukturen getrennt. Nicht nur die CO2-Werte werden dramatisch ansteigen, auch die Feinstaubbelastung wird die Gesundheit stark beeinträchtigen. Die Autobahn richtet sich gegen eine lebenswerte Region und widerspricht den heutigen Mobilitätsbestrebungen, sie ist nicht mehr zeitgemäß.“

Autor:

Lokalkompass Iserlohn-Hemer aus Iserlohn

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