Pille danach ist ein katholisches Tabu - auch im Kreis Kleve

Dr. Lubos Trnka, Chefarzt der Gynäkologie im Klever Krankenhaus, darf die „Pille danach“ nicht verschreiben.
  • Dr. Lubos Trnka, Chefarzt der Gynäkologie im Klever Krankenhaus, darf die „Pille danach“ nicht verschreiben.
  • Foto: Heinz Holzbach
  • hochgeladen von Annette Henseler

In dieser Woche sorgte der Fall einer vergewaltigten Frau in Köln für Aufsehen: Ihr waren in gleich zwei katholischen Krankenhäusern Untersuchung und Beratung verweigert worden. Als Begründung wurde die kirchliche Morallehre ins Feld geführt. Denn Katholiken ist die Abtreibung verboten - die Verschreibung der „Pille danach“ trifft laut Kirchenrecht genau diesen Punkt.

Im Kreis Kleve haben sich vier Krankenhäuser zum Verbund der Katholischen Kliniken im Kreis Kleve zusammengeschlossen. Was würde vergewaltigte Frauen, die sich an die Gynäkologen im Klever Sankt-Antonius-Hospital wenden würden, erwarten? „Nein, hier wird niemand weggeschickt. Wir sichern Beweismaterial und geben auch psychologische Unterstützung“, informiert Chefarzt Dr. Lubos Trnka. Im Klever Krankenhaus werde im gesamten Kontext informiert. Die „Pille danach“ ist allerdings kein ganz so großes Thema. Würden die betroffenen Frauen danach fragen, werde informiert. Verschrieben wird das Mittel, das eine Schwangerschaft verhindert, jedoch nicht. Und wenn Frauen nicht nach der „Pille danach“ fragen, scheint es auch keine entsprechende Information zu geben. „Wir dürfen informativ beraten“, lautet die Antwort, aber „wir dürfen nicht empfehlen.“

Insgesamt beurteilt Trnka die ärztliche Position in einem solchen Fall als ethisch schwierigen Konflikt. Die Frauen würden an den Haus- oder Facharzt verwiesen. Es komme aber extrem selten vor, dass ein Vergewaltigungsopfer die „Pille danach“ benötige: Zum einen, weil viele Frauen die ganz normale Pille nehmen, um Schwangerschaften zu verhindern, zum anderen, weil Frauen nicht zu jedem Zeitpunkt empfängnisbereit seien. „Das hinterfragen wir natürlich“, so Trnka.

Im Kölner Stadtanzeiger wird der ehemalige Chefarzt der Klever Gynäkologie, Dr. Bernd von Tongelen, wie folgt zitiert: „Ich war nicht mehr bereit, diese Grauzone zu akzeptieren.“ Er habe die Trägergesellschaft um eine klare Stellungnahme gebeten, wie man sich im Falle eines Beratungsgesprächs und der „Pille danach“ zu verhalten habe: „Ich wollte nicht ständig Gefahr laufen, meinen Arbeitsplatz zu riskieren.“ Diese Stellungnahme sei wie erwartet eindeutig ausgefallen. „Wir durften sie nicht verschreiben und haben die Patientinnen nach Emmerich verwiesen. Am St.-Willibrord-Spital sei den betroffenen Frauen „damals noch geholfen worden“. Von Tongelen arbeitet inzwischen an einer Klinik in Rotterdam. „Die Verlogenheit der Kirche ist unerträglich“, sagt er. „So lange niemand genau nachfragt, wird das Thema nicht angerührt. Im Zweifel wird dem Arzt gekündigt.“

Autor:

Annette Henseler aus Kleve

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