Paul Leukers wird am Sonntag in Münster zum Diakon geweiht

Paul Leukers hat sich gemeinsam mit seiner Frau Kornelia auf die Weihe vorbereitet. Nach der Weihe wird er im Dienst statt Rollkragenpulli und Arbeitshose ein liturgisches Gewand tragen.
  • Paul Leukers hat sich gemeinsam mit seiner Frau Kornelia auf die Weihe vorbereitet. Nach der Weihe wird er im Dienst statt Rollkragenpulli und Arbeitshose ein liturgisches Gewand tragen.
  • Foto: Bischöfliche Pressestelle / Christian Breuer
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(pbm/cb) Der Rollkragen ist hochgeschlagen, Hosenträger spannen über die Schultern – Paul Leukers (54) kommt gerade von der Arbeit. Der gelernte Landwirt ist seit mittlerweile 27 Jahren selbständiger Handelsvertreter in der Landwirtschaft, ständig ist er auf den Höfen am Niederrhein unterwegs.

Wer Leukers so kennt wird zwei Mal hingucken müssen, um ihn künftig in der Kirche zu erkennen. In liturgischer Kleidung wird er dann einziehen, darf Trauungen, Taufen und auch Begräbnisse leiten, am Sonntag das Evangelium verkünden und predigen. Denn am Sonntag, 26. November, wird er in Münster zum Diakon geweiht.
Leukers lebt in Materborn, ist verheiratet, hat drei Söhne und wird auch nach der Weihe als Handelsvertreter arbeiten, er wird „Diakon mit Zivilberuf“. Die Aufgaben in der Kirche wird er ehrenamtlich übernehmen. „Ich engagiere mich da schon seit meiner Jugend“, blickt der gebürtige Kalkarer zurück, „zum Glück wurden mir nie Steine in den Weg gelegt. In dieser Zeit habe ich Geistliche erlebt, die authentisch waren und das gelebt haben, was sie erzählt haben.“ Leukers weiß, wie wichtig solche Vorbilder sind – als Darsteller des Heiligen Martin hat er selbst zehn Jahre lang erlebt, wie die Kinder ihn anblickten. „Ich habe sie dann als Martin gesegnet“, sagt er und wirkt nachdenklich, „aber ich hatte das Gefühl, dass da noch mehr sein könnte.“ Dieses Gefühl hatte er auch, wenn er mit Freunden oder Kunden über seinen Glauben sprach, „immer aus dem Bauch heraus“, aber nie mit der Gewissheit, die richtigen Antworten zu geben.
Der Entschluss zur Weihe reifte langsam, es war schließlich eine Predigt von Papst Benedikt XVI., die zur Entscheidung führte. „Ich weiß heute nicht mehr, worum es genau ging“, erzählt Leukers lachend, „aber nach der Predigt war für mich klar, dass ich Diakon werden möchte.“ Seine Frau Kornelia blickt ihn an, während er berichtet. „Ich war da schon überrascht, davon hatte er vorher nie gesprochen“, sagt sie, „aber ich habe den Entschluss mitgetragen, ich hätte auch gar nicht das Recht, ihn davon abzuhalten.“ Leukers nickt. „Wenn die Familie das nicht mitträgt, ist das ein Hinderungsgrund“, macht er deutlich.
Die Vorbereitung ist durchaus zeitintensiv. Vier Jahre musste Leukers nach seiner Zulassung im Fernstudium Theologie studieren, dazu kamen noch Seminare für die praktische Ausbildung. „Wir haben gelernt, wie man eine Predigt aufbaut, wie man Gespräche führt und mit der Bibel arbeitet“, erklärt Leukers. „Im Vorfeld war mir ehrlich gesagt gar nicht bewusst, wie viel Theorie man lernen muss. Bei der Abschlussprüfung habe ich mich gefühlt wie damals beim Abitur.“ Er lacht laut. „Dass ich noch mal in so eine Situation kommen würde, mit 50 Jahren, das hätte ich wirklich nicht gedacht.“
So vorbereitet, möchte Leukers den Menschen im Alltag die Kirche näherbringen, dabei auch an die Ränder der Gesellschaft gehen und als Seelsorger zur Verfügung stehen. Dabei hilft ihm, ist er sich sicher, seine Lebenserfahrung. „Ich bin Familienvater und stehe im Berufsleben. Ich spreche die Sprache der Menschen, mit denen ich zu tun habe“, erklärt er. Den Anderen auf Augenhöhe zu begegnen und sich auf sie einzulassen, das sei wichtig. „Künftig werde ich wohl mehr gefragt werden, wenn es um Religion und Gott geht, das ist eine neue Situation“, sagt er nachdenklich. „Ich habe durch die Ausbildung zwar mehr Sicherheit, aber vielleicht bringt das auch mehr Konfrontation. Je mehr ich einen Standpunkt vertrete, desto mehr bin ich auch angreifbar.“
Bei der Weihe werden er und die neun anderen Männer, die gemeinsam mit ihm geweiht werden, sich ausgestreckt auf den Boden vor den Altar legen, mit dem Gesicht nach unten. Es ist das äußerliche Zeichen dafür, dass der Kandidat sich ganz in Gottes Hand begibt. „Es ist eigentlich wie bei einer Priesterweihe, nur dass unsere Hände und Köpfe nicht mit dem Heiligen Öl Chrisam gesalbt werden“, erklärt er. Es wird, da ist er sich sicher, ein besonderer Moment: „Wir liegen dann da, wo vor uns schon hunderte Diakone, Priester und Bischöfe gelegen haben. Das wird einem dort bewusst“, sagt er.

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