Etwas über: KUNSTKOPF STEREOFONIE - Und etwas über: PHILIPS CASSETTEN RECORDER UMBAU VON MONO IN STEREO - Uwe H. Sültz - Lünen - Germany

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Es waren die 1970’er Jahre als die Quadrofonie und Kunstkopf-Stereofonie ihren Höhepunkt erlebten… alles übrigens Vorläufer unserer heutigen Dolby Surround-Anlagen oder noch moderner das heutige Dolby Prologic II…

Was bezweckt die Kunstkopf-Stereofonie?
Mit zwei gesunden Ohren und etwas Unterstützung durch die Augen kann die Richtung und die Entfernung jedes Schallereignisses bestimmt werden… die Stereofonie ermöglicht das Bestimmen der Richtung von Schallergebnissen auf der Verbindungslinie zwischen den beiden Lautsprechern… die Quadrofonie erlaubt das Bestimmen in einer Ebene, aber nicht in der dritten Dimension, also der Vertikalen… dies ist mit der Kunstkopf-Aufnahmetechnik möglich.

Wir bauten damals die erste tragbare Kunstkopf-Stereofonie-Aufnahmeanlage in Lünen. Dazu wurde der welterste Cassetten-Recorder EL 3302, dritte Baureihe also, zum Stereo-Gerät umgebaut. Der Mono-Tonkopf wurde durch einen Stereo-Kopf ausgetauscht, sowie die gesamte Elektronik verdoppelt.

Die Mikrofon-Anschlussbuchsen waren bereits auf Stereo ausgelegt. Der Lautsprecher wurde entfernt, der frei gewordene Platz wurde für die zusätzliche Elektronik benötigt. Ein zweites Aussteuerinstrument wurde eingearbeitet, sowie 2 Aussteuerpotentiometer, die nach vorn gelegt wurden, um die originale Ledertasche nutzen zu können.

Unser Kunstkopf bestand damals aus „Mutters Perückenkopf“ aus Styropor, in dem an Stelle der Ohren je ein Mikrofon mit Kugelcharakteristik angebracht war. Wir konnten diese Kunstkopf-Mikrofon-Anlage selbst aufsetzen und Aufnahmen aus dem Theater, der Kirmes auf dem Lindenplatz oder anderen Lebenssituationen herstellen.

Kunstkopfaufnahmen sind ausschließlich zur Wiedergabe über Kopfhörer geeignet.

Etwas über Kunstkopf-Stereofonie:
Mit dem Wort Kunstkopf, oder englisch Dummy Head verbindet man eine spezielle Tonaufnahmetechnik – die „Kopfhörer-Stereofonie“ oder binaurale Tonaufnahme. Der Kunstkopf besteht aus einer Kopfnachbildung, in der an Stelle der Ohren je ein Mikrofon mit Kugelcharakteristik am Eingang der Gehörgänge mit der Nachbildung der Ohrmuscheln angebracht ist.
Durch die abschattende Wirkung des Kopfes und die für das Gehör auswertbaren Gangunterschiede zwischen den beiden Mikrofonpositionen können Aufnahmen gemacht werden, die durch die so aufgenommen interauralen Signaldifferenzen, also die Ohrsignale, bei der Wiedergabe über Kopfhörer eine recht gute Richtungslokalisation der Schallereignisse vermitteln. Die Rechts-links-Lokalisation geschieht sicher, Oben-unten- und Vorne-hinten-Unterscheidungen sind dagegen schwieriger. Die direkte Vorne-Lokalisation scheint immer in einem bestimmten Winkel nach oben verschoben. Kunstköpfe können laut Physikalisch-Technischer Bundesanstalt auch zur Messung der Belastung der Ohren durch Kopfhörer und anderer „ohrnahen Schallquellen“ eingesetzt werden.

Der erste Stereo-Kunstkopf mit Nachbildung des menschlichen Gehörganges wurde bereits 1933 gebaut.

Das erste im deutschen Radio ausgestrahlte Hörspiel in Kunstkopf-Stereofonie war zur Funkausstellung 1973 in Berlin die RIAS/BR/WDR-Produktion „Demolition“ (The demolished man) nach dem Roman von Alfred Bester.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kunstkopf

Tonträger in Kunstkopf-Stereofonie:
Auf der LP/CD Tales of Mystery and Imagination von „Alan Parsons Project“ wurde im Titel The Fall of the House of Usher das Gewitter in Kunstkopf-Technik aufgenommen.
Edgar Froese: Aqua, LP 1974
Can: Flow Motion, LP 1976
Jane: Fire, Water, Earth & Air, LP 1976
Harlis: "Night meets the day", Sky-Records 1977, Neuauflage: Sireena Records 2009
Godley & Creme: Consequences, 3-LP 1977
Lou Reed: The Bells, LP 1979
Pink Floyd: The Final Cut, LP 1983 (Alle Geräusche in KK-Stereofonie)
Megabyte: "Go For It!", CD 1990 (IC 710.106) Track 4 & 7
delta-acoustic-Sampler: kunstkopf-dimensionen, LP 10-130-1
Code III: Planet of Man, delta-acoustic LP 25-125-1
Seedog: We hope to see you, delta-acoustic LP 25-126-1
Kopfsongs: Folklore, delta-acoustic LP 25-127-1
Golem: Golem, delta-acoustic LP 25-127-1
alte Musik-Sampler: Kostproben, delta-acoustic LP 25-129-1
„Audiostax: Die Raumklang-CD“, CD 1987, Aufnahmebeispiele mit diffusfeldentzerrtem Kunstkopf. „Stakkato Spezial“, CD 1989, Hörtest-Beispiele in Kunstkopfstereophonie. Auch die CDs „Stakkato“ und „Stakkato 2“ aus den Jahren 1981 und 1988 enthalten Kunstkopf- sowie kunstkopfähnliche Aufnahmen. Alle CDs wurden von der Zeitschrift „AUDIO“ vertrieben und stellen Sampler verschiedenster Hörbeispiele dar.

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Autor:

Uwe H. Sültz aus Lünen

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