Friseure bangen um ihre Existenz
Den Kamm abgeben

Die Friseursalons im Kreises Mettmann machen auf ihre Lage aufmerksam: Mit einem Autokorso nach Düsseldorf soll Ende dieser Woche im sprichwörtlichen Sinne „der Kamm abgegeben werden.“
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Bis Mitte Februar soll der Corona-Lockdown vorläufig gelten: 443 Friseur-Salons, die Mitglied in der Innung des Kreises Mettmann sind, zählen jeden Tag. „Viel länger halten die meisten Inhaberinnen und Inhaber finanziell nicht mehr durch“, fürchtet Uwe Ranke, Friseur-Obermeister der Kreishandwerkerschaft. Um auf die drohenden Existenznot der Selbstständigen aufmerksam zu machen, sind Aktionen geplant.

Licht an für den Friseur: Unter diesem Motto stand das Projekt am vergangenen Wochenende. Salons ließen ihre Beleuchtung an und setzten ein Zeichen für ihre Situation. Mit einem Autokorso nach Düsseldorf soll zudem Ende dieser Woche im sprichwörtlichen Sinne „der Kamm abgegeben werden.“ Im Kreisverkehr am NRW-Landtag steht dafür eine Kiste für Handwerkszeug der Friseure, die im Anschluss an die Aktion als mahnendes Symbol an NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart übergeben wird.

Keine Rücklagen mehr

Auch an Landrat Thomas Hendele, an die Bürgermeister in den Kreisstädten, an Bundes- und Landtagsabgeordnete haben sich die Friseure schriftlich gewandt. Beklagen mangelnde Unterstützung für rund 2000 Angestellte und 141 Auszubildende. Im Vordergrund stehen allerdings bürokratische Hürden – die von der Beantragung von Überbrückungshilfen bis zum Kurzarbeitergeld reichen. „Die Rücklagen sind aufgezehrt“, sagt Torben Viehl und schätzt, dass in einem Salon mit Gehalt für zwei Angestellte, plus Miete, Fixkosten, Versicherungen und eigener Lebenshaltung für einen selbstständigen Friseur monatlich mindestens 8000 Euro zusammenkommen. Viele Friseure hätten schon länger nichts mehr für sich aus der Kasse genommen und ihr Erspartes aufgebraucht, weiß der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft aus Gesprächen.

Ansteckungsfälle

Im Gegenteil: Geld wurde während des ersten Lockdowns im Frühjahr in eine den Corona-Bestimmungen entsprechende Umgestaltung der Geschäftsräume investiert. Was zwar in den meisten Salons zu einer Reduzierung der Stühle führte. Doch die Vorsorge zählte sich aus. „Die Zahl der Ansteckungsfälle lag vor den Einschränkungen im Dezember laut Zentralverband des Friseurhandwerks bei unter einem Prozent“, sagt der Monheimer Friseurmeister Günter Pappers, der sich und fünf Angestellte durch die Pandemie bringt.

Schwarzarbeit

Dass Schwarzarbeit tabu sein muss, darüber ist man sich in der Kreishandwerkerschaft einig. „Von der Rechtswidrigkeit ganz absehen, führt dieses unsolidarische Verhalten nicht weiter“, betont Obermeister Ranke und appelliert an die Vernunft der Friseure.

Nachwuchs

Sorgen bereitet auch der Nachwuchs an Kamm und Schere, weil in den Kreisstädten unterschiedliche Regelungen gelten. Lehrlingswart Roberto Paciello bringt es auf den Punkt: „Die einen Auszubildenden dürfen am lebenden Objekt üben. Die anderen müssen eine Kunstperücke in Facon schneiden. Das kann so nicht weiter gehen.“

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Autor:

Bea Poliwoda aus Monheim am Rhein

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