Hilferuf in der Corona-Krise
Heilmittelerbringern droht das Aus

Leere Räume bei den Heilmittelerbringern sind in der Corona-Krise nichts Ungewöhnliches. | Foto: Budéus
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Von RuhrText

Unter massiven Umsatzeinbußen durch den Ausfall von Patienten infolge der Corona-Krise leiden auch die Therapeuten im Heilmittelbereich. Von Tag zu Tag wächst die Verunsicherung und Verzweiflung bei Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen. Die Heilmittelerbringer dürfen und sollen zwar weiterhin öffnen, aber aufgrund der Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus bleiben viele Kunden den Praxen fern. Sie befürchten, dass sie sich in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in den Praxen mit dem Virus infizieren können.

Daniela Kohlstadt-Budéus ist seit April 2014 in ihrer eigenen Ergotherapie-Praxis an der Kaiserstraße tätig. Die Ergotherapie ist ein Heilmittel, das vom Arzt verordnet werden muss. „Normalerweise habe ich etwa 40 Termine pro Woche. Derzeit sind es zwischen vier und zehn. Die Menschen wissen oft gar nicht, ob wir überhaupt noch geöffnet haben und sie zu uns kommen können. Die Umsatzeinbußen sind enorm. Im Moment kann ich noch alles bezahlen. Das liegt aber am Abrechnungszeitraum. Das Honorar erhalte ich immer mit etwa vierwöchiger Verzögerung. Spätestens im Mai wird es für mich problematisch“, sagt Kohlstadt Budéus, die fortfährt: „Wir Heilmittelerbringer befinden uns in einer akuten Notlage. Von den Hilfsprogrammen der Bundesregierung und des Landes sollen wir aber nicht bedacht werden. Dabei sind wir wichtige Bestandteile des Gesundheitssystems.“

Das wird auch in der Corona-Krise mehr als deutlich. Daniela Kohlstadt-Budéus ist auf psychiatrische Krankheitsbilder spezialisiert. „Viele meiner Angstpatienten leiden unter Depressionen und Panikattacken. Es ist absolut wichtig, dass wir weiterarbeiten dürfen, denn gerade in der jetzigen Zeit benötigen die Betroffenen dringend Unterstützung. Viele Psychotherapeuten haben nun geschlossen. Ich bin auch froh, dass die Kassen derzeit die Teletherapie gestattet und diese abgerechnet werden kann. Ich habe beispielsweise eine Borderline-Patientin, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Praxis kommen muss. Sie möchte diese im Moment nicht nutzen. Zumindest telefonisch kann ich ihr nun helfen. Es ist wichtig, diese Menschen stabil zu halten. Wenn wir schließen müssen, bliebe den Patienten nur der Gang in die Klinik. Und das darf gerade in der jetzigen Zeit doch nicht gewünscht sein.“ Zudem — so Kohlstadt-Budéus — verlange die Regierung, dass die Therapeuten in Schutzkleidung arbeiten sollen. Und diese sei aber nicht ausreichend vorhanden.

Unterstützung gefordert

Martin Adler ist Inhaber der gleichnamigen Physiotherapiepraxis in Speldorf. „Ich finde es eine Frechheit, dass wir Heilmittelerbringer möglicherweise nicht vom Rettungsschirm mitgetragen werden. Wir sind doch mitunter die Letzten, die noch immer die Menschen behandeln und haben keine Möglichkeit zum Homeoffice. Alle Praxen haben Umsatzeinbußen zwischen 60 bis 90 Prozent zu verzeichnen. Ohne Unterstützung wird es nicht gehen“, sagt Adler.

Der Spitzenverband der Heilmittelverbände hat ihren Mitgliedern empfohlen, sich mit ihrem Anliegen an die Öffentlichkeit zu wenden und somit Druck auf die Politiker und Entscheidungsträger auszuüben. Die Politik — so heißt es in einem Informationsblatt — nehme die Insolvenz von vielen tausend Heilmittelerbringern in Kauf und gefährde damit hunderttausende von Arbeitsplätzen sowie die Gesundheit der Bevölkerung. Der Verband fordert finanzielle Soforthilfen und fordert die Politik auf, die Heilmittelerbringer wie die Krankenhäuser und Ärzte unter den Rettungsschirm zu nehmen.

Leere Räume bei den Heilmittelerbringern sind in der Corona-Krise nichts Ungewöhnliches. | Foto: Budéus
Ergotherapeutin Daniela Kohlstadt-Budéus macht sich Sorgen um die Zukunft der Heilmittelerbringer. | Foto: Budéus
Autor:

Marcus Lemke aus Mülheim an der Ruhr

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