RB 37 Entenfang wird abgeschnitten - Protestbewegung zur Erhaltung des SEV
Schlag ins Gesicht

Die Haltestelle Entenfang soll stillgelegt werden
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  • Die Haltestelle Entenfang soll stillgelegt werden
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Samstagnachmittag, 14. Dezember, 16 Uhr, am Haltepunkt Entenfang des Schienenersatzverkehrs der Linie RB 37. Ziemlich genau an der Stadtgrenze zwischen Entenfang auf Mülheimer Seite und Bissingheim auf Duisburger Seite.
Beste Kaffeezeit. Es regnet, erst nur spärlich, aber nach kurzer Zeit öffnet sich der Himmel und es gießt. Trotzdem haben sich weit über 100 Personen eingefunden und machen lautstark ihrem Ärger Luft und protestieren.
Wogegen? „Wir werden wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Und sind zum Spielball der Rathäuser in Duisburg und Mülheim geworden“, klagt einer der Protestierenden. Es geht um eine Strecke von gut zwei Kilometern. Auf dieser Strecke der Bissingheimer Straße zwischen den Haltepunkten Bissingheim und Entenfang fährt seit Sonntag, 15. Dezember, kein Bus und auch keine Bahn mehr. Anwohner in Bissingheim und Bewohner der Ferienanlage am Entenfang sind so vom Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) abgeschnitten werden.
Anstelle der Bahn fährt ein Bus als Schienenersatzverkehr. Früher wurde die Strecke noch im 20-Minuten-Takt, dann alle 30 Minuten und später nur noch stündlich befahren. Im Schienenersatzverkehr (SEV) machte sich jede Stunde ein Bus, der von den Anwohnern liebevoll „Entenfang-Express“ genannt wird, von der Haltestelle Entenfang in Richtung Duisburg Hauptbahnhof auf den Weg. Damit soll jetzt Schluss ein. Am 14. Dezember fuhr der letzte Bus. Doch es regt sich Protest. Eine Unterschriftenliste, die den Bürgermeistern von Mülheim (Ulrich Scholten) und Duisburg (Sören Link) zugestellt wurde, ist von weit über 350 Personen unterschrieben worden. 

Wie soll ich jetzt einkaufen

Sarah Welsch (32 J.) wohnt am Ende von Bissingheim und ist auf den ÖPNV angewiesen. „Ich benötige jetzt wesentlich mehr Zeit, um morgens zur Arbeit und abends wieder zurück zu kommen.“ Gleiches gilt auch für ihren 12-jährigen Sohn Leon, der zum Mercator Gymnasium nach Duisburg muss. „Das ist ein herber Verlust an Freizeit für uns.“ Anita Kaiser (74 J.) ist geh- und zu 70 Prozent schwerbehindert. „Ich wohne am Entenfang. Wie soll ich jetzt einkaufen und meine Arztbesuche erledigen?“, fragt sie rat- und fassungslos. Hans-Jürgen Tebbe (73 J.) ist wütend auf Politik und Verwaltung. „Ich wohne seit 1985 in der Siedlung Entenfang. Wir zahlen pünktlich unsere Steuern und Versicherung. Da kann man doch auch mal erwarten, dass sich jemand aus den Rathäusern in Mülheim und Duisburg hier blicken lässt, oder!?“ Doch weit und breit keine Spur. Dafür ist aber ein Fernsehteam des Senders RTL vor Ort.
„Etwa 500 Personen haben am Entenfang ihren ersten Wohnsitz“, sagt Helmut Kopp. Der Duisburger lebt selbst seit fast 20 Jahren dort und ist Mitinitiator der Protestbewegung. „Mit Wegfall des öffentlichen Personenverkehrs wäre der Entenfang von der Umwelt abgeschnitten, wenn man kein geeignetes Fahrzeug besitzt“, kritisiert er. „Das betrifft das ganze Leben. Nur noch sehr schwierig sind Schule und Arbeitsplatz, Geschäfte, Ärzte und Apotheken zu erreichen.“

Straße ohne Beleuchtung

Nicole Kucharski, Mitinitiatorin der Protestler, wohnt mit ihren beiden schulpflichtigen Kindern ebenfalls am Entenfang. Gemeinsam mit Helmut Kopp organisiert sie den Protest. "Der Wegfall der RB 37 ist für mich wie ein Schlag ins Gesicht“, sagt sie. Nicole Kucharski arbeitet im Schichtdienst, Auto oder Führerschein besitzt sie nicht. Bislang fuhr sie mit dem „Entenfang-Express“ zur Arbeit. "Ohne wäre ich eine Stunde länger unterwegs“, sagt sie. Ihre Kinder (15 und 17 Jahre) besuchen die Sekundarschule Am Biegerpark; auch sie nutzten bislang die RB 37, um vom Campingplatz aus zur Schule zu kommen. Weil die Buslinie 928 den Entenfang nicht anfährt, müssen Nicole Kucharski und ihre Kinder künftig erst zum Bissingheimer Dorfplatz, bevor sie den ÖPNV nutzen können. „Das sind knapp drei Kilometer, die man über eine Straße ohne Beleuchtung und Bürgersteig laufen muss.“
Das alles in Zeiten, wo die Bürger aus klimatischen Gründen stärker den ÖPNV nutzen sollen.
Die Oberbürgermeister von Mülheim und Duisburg lassen mitteilen: „Für eine Verlängerung der Linie 928 ist der Straßenquerschnitt zu schmal." Bisher konnte der SEV jedoch fahren.
Die Protestler sagen: "Und die Buslinien, die durch Bissingheim fahren, nutzen Straßen, deren Querschnitt bei den dort oft auf beiden Seiten parkenden Autos noch schmaler ist." Oberbürgermeister Scholten aus Mülheim will jedoch einen Vorschlag der Einrichtung eines Sammeltaxis an den OB Link in Duisburg weiterleiten.

Autor:

Heinz Haas aus Mülheim an der Ruhr

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