Daphne erstarrt zum Baum – Kunst trifft Botanik bei „artes herbaria“

Daphne erstarrt zur Pflanze.
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Wo: Havensteinschule, Küppers Hof, 46117 Oberhausen auf Karte anzeigen

Wenn Kunst auf Botanik trifft, ist das Ergebnis die Ausstellung „artes herbaria“, die am Freitag, den 13. Juli im Kunsthaus Haven in Oberhausen-Borbeck feierlich eröffnet wurde. Eingeladen hatten die Düsseldorfer Studenten der Kunstgeschichte, Kunstvermittlung und Kunstmanagement, Jenia Sychinskaya, Rojan Lynn Frey und Roger Rohrbach.

Und wer die Treppe zum Ausstellungsbereich hinaufgeht, erkennt schon auf dem Flur, dass die drei Kommilitonen nicht zuviel versprochen haben. In einer Installation des Künstlers Thimo Franke wachsen in einem Glasschrank Luftwurzler – auf ausgedienten Smartphones. Wer direkt an das Bildnis denkt, dass sich die Natur dereinst alles zurückerobern wird und letztlich über die Technik triumphiert, wird nur in Teilen bestätigt.

Der Sieg der Natur über die Technik wird – zumindest hier – durch die Technik bedingt

Denn damit die Pflanzen wachsen und leben können, sind im Dunkel des gläsernen Sarges Neonröhren und eine Beregnungsanlage notwendig, die stündlich für fünf Sekunden ihren Dienst tut.

Weiter in den eigentlichen Ausstellungsraum, einem ehemaligen Klassenraum der Havensteinschule, dessen historische Fenster für das richtige Flair sorgen, fällt der Blick sofort auf das Bildnis der Daphne von Luca Kohlmetz, die scheinbar, angelehnt an ihr Vorbild in der griechischen Mythologie, in einen Baum metamorphosiert. Zwar nicht in einen Lorbeer - aber der Besucher ist schließlich auch nicht Apollon.

Unweit der Daphne eine Installation der chinesischen Künstlerin Ke Li. In filigraner Kleinarbeit stellt sie aus Pflanzenteilen, garniert mit allerlei anderen Dingen, darunter ein Uhrwerk, traditionelle chinesische Märchen dar.

Doch auch die Fotografie kommt in dieser Ausstellung nicht zu kurz: Die Fotokünstlerin Nora Schattauer präsentiert Mikroskopaufnahmen von Blütenpollen – schwarzweiß und tausendfach vergrößert.
So gibt es, trotz der Kleinheit des Raumes, viel zu entdecken. Und ein guter Künstler lässt immer Raum für Interpretation – gute Künstler sind auch die drei Organisatoren, bei denen man direkt merkt, dass sie das, was sie hier tun, mit Herz und Überzeugung tun. Das schafft eine Atmosphäre, die den Gast spüren lässt, dass hier Kunst gelebt wird. Für den Moment glaubt man sich nicht in einem Klassenraum in Oberhausen, sondern in einem angesagten Kunstviertel europäischer Metropolen – auch die Pflanze im Waschbecken trägt dazu bei.

Nicht Blüten werden zu Geld, Blüten entstehen aus Geld

Und nicht nur die Ausstellung selbst lässt sich bei dieser Vernissage erleben, auch die anderen Künstler im Kunsthaus Haven haben ihre Ateliers dem kunstinteressierten Besucher geöffnet, so auch Philipp Valenta, der – unabhängig von und doch wieder passend zu artes herbaria – Blüten aus Banknoten fein säuberlich erst ausgeschnitten und dann zu Kunstwerken verarbeitet hat und nun an „Euro-Rettungsschirmen“ arbeitet – aus winzig kleinen Stückchen geschredderter Geldscheine.

Die Ausstellung gastiert noch bis zum 2. August im Kunsthaus Haven und kann samstags von 13 – 17 Uhr sowie nach Vereinbarung besichtigt werden. Und wer selbst Hand anlegen möchte, kann dies an den nächsten beiden Mittwochen tun – da öffnet Jenia Sychinskaya die Räume zum gemeinsamen Herstellen von Saatbomben und zum Malen mit Naturmaterialien.

Daphne erstarrt zur Pflanze.
Neues Leben wächst auf den Ruinen.

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