Lust auf New York - Interview mit Udo Jürgens

Udo Jürgens (links) mit den Hauptdarstellern Charlotte Heinke und Karim Khawatmi des Musicals „Ich war noch niemals in New York“ bei der Premiere - zur letzten Vorstellung reist er auch meistens an... Foto: stage/Winkler
  • Udo Jürgens (links) mit den Hauptdarstellern Charlotte Heinke und Karim Khawatmi des Musicals „Ich war noch niemals in New York“ bei der Premiere - zur letzten Vorstellung reist er auch meistens an... Foto: stage/Winkler
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Staunende Augen der Musical-Besucher im Metronom Theater Oberhausen Mitte September: Ist das nicht? Ist das nicht? Ja, er war es: Udo Jürgens saß ganz privat - zusammen mit Sohn Jonny und dessen Familie - in der Vorstellung von „Ich war noch niemals in New York“. Ganz ohne Medienrummel ...

Ein größeres Kompliment für ihre Leistung auf der Bühne können die Darsteller des Udo Jürgens-Musicals kaum bekommen: Der Meister selbst ist so begeistert von der Show, dass er extra noch einmal anreiste, bevor sie am 24. Oktober zum letzten Mal in Oberhausen und wohl zunächst auch in Deutschland gespielt wird.

Am 30. September feierte Udo Jürgens seinen 79. Geburtstag, Grund genug, ihm vor dem Ende der Spielzeit noch ein paar Fragen zu stellen...

Seit Dezember 2007 begeisterte Ihr Musical über drei Millionen Besucher.
Was empfinden Sie, wenn Sie auf diese Zeit zurückblicken?

Wenn ich an das Musical „Ich war noch niemals in New York“ denke, durchströmt mich ein Glücksgefühl. Es war ein schwieriges Unterfangen und wir waren zuerst überhaupt nicht sicher, ob das eine gute Idee ist. Aber es ist uns gelungen ein gutes Buch, eine gute Geschichte zu entwickeln und diese auch gut umzusetzen. Der Wunsch, für das Kreativteam, also unter anderem für die Musik-Arrangements, die Bühnenbilder und die Choreografie internationale Fachleute zu gewinnen hat sich als richtig erwiesen. Es ist eine Produktion geworden, die auch am Broadway laufen und zu Ehre gereichen würde. Deshalb ist es für mich ein großes Glück, dieses Musical auf der Bühne zu haben.
Hamburg, Wien, Zürich, Stuttgart, Oberhausen, Tokio - warum begeistert Ihr Musical die Menschen auf der ganzen Welt? Was ist das Besondere daran?
Das Besondere an unserem Musical ist die Mischung aus der Musik und einer Geschichte, die in jedem Nachbarhaus quer durch Europa oder sonst wo auf der Welt genauso geschehen kann. Wir alle haben früher oder später Probleme mit unseren eigenen Eltern. Was geschieht, wenn sie alt werden? Wir sind alle nicht mehr in der Lage sie bei uns zu Hause aufzunehmen. Die Lebenssituationen, die Häuser und Wohnungen haben sich seit meiner Jugend extrem verändert. Auf dem Bauernhof, wo ich aufgewachsen bin, hatte man immer eine Möglichkeit, Angehörige in irgendwelchen Räumen unterzubringen. Heute ist das für die meisten Leute unmöglich geworden. Wir sollten aber auch darüber nachdenken, was wir mit uns selbst machen, wenn wir gebrechlich werden. Das ist ein ganz aktuelles Thema, durch das sich jeder angesprochen fühlt, weil er es aus dem eigenen Leben kennt. Zu dieser Geschichte kommt eine Musik, die seit mehreren Generationen in Deutschland und den Nachbarländern die Menschen zeitweise begeistert hat, auf jeden Fall aber innerlich berühren kann. Diese Mischung ist eine Trumpfkarte, deren Kraft ich mir vorher nicht vorstellen konnte.

Wie sind Ihre Gefühle zum vorläufigen Ende des Musicals in Deutschland? Wehmut? Stolz?
Der Stolz überwiegt, aber es weht natürlich eine gehörige Portion Wehmut mit. Ich bin ja meistens dabei, wenn die letzte Vorstellung gespielt wird. Dann fließen Tränen. Sogar bei den Musikern habe ich das erlebt. Bei den Darstellern sowieso. Man liegt sich in den Armen und schluchzt. Das steckt an. Auch ich habe schon oft feuchte Augen bekommen, als ich im Theater saß und merkte, dass die Leute um mich herum da und dort eine Träne zerdrückten. Deshalb ist die Wehmut auf jeden Fall groß.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von „Ich war noch niemals in New York“?
Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, deshalb weiß man nie genau, was wird. Vor 30 Jahren wäre ich sicher gewesen, dieses Musical spielt jetzt in vielen anderen Städten und Theatern und schafft es auch ins Ausland. Mit solchen Dingen kann man heute nicht mehr fest rechnen. Ich hoffe natürlich, dass es doch noch weiterlaufen wird und freue mich darüber, wenn ich höre, dass darüber nachgedacht wird, das Stück nach Berlin oder in andere deutsche Städte zu bringen. Auch Wien hat sich bereits positiv für eine Neuaufnahme in zwei drei Jahren ausgesprochen. Das wäre wirklich toll, wenn das klappen würde. Amsterdam und sogar der Broadway haben Interesse bekundet. Aber ich habe volles Verständnis für eine gewisse Zurückhaltung, denn für Amerika müssten wir das Buch sehr stark umschreiben. Ich hoffe zumindest, das Musical gerät nicht in Vergessenheit und wird dann und wann wieder aus der Versenkung herausgeholt.

Das Musical:

Das Musical „Ich war noch niemals in New York“ erzählt eine Generationen-Geschichte:

Die Alten, die unglücklich im Altenheim sind, und sich einen letzten Traum erfüllen wollen: New York...

Deren Kinder, die mitten im stressigen Arbeitsleben stehen, keine Zeit für ihre Eltern haben - und irgendwie auch nicht wollen, dass diese nach New York fahren...

Der Nachwuchs ist das Enkelkind, das noch cool genug ist, um ein Herz für die Alten zu haben...

Bis 24. Oktober im Metronom-Theater Oberhausen, Karten-Telefon 0201/ 8046060

Autor:

Silke Heidenblut aus Gelsenkirchen

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