Historischer Tag für Heiligenhaus: Entflechtungsstraße frei

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Am Freitagmittag war es endlich soweit: Die Entflechtungsstraße wurde dem Verkehr übergeben. Bürgermeister Dr. Jan Heinisch ist vorsichtig, wenn er von historischen Momenten spricht, aber „dieser Tag ist tatsächlich von stadtgeschichtlicher Bedeutung“, wie er feststellte.
Bevor er zusammen mit seinen Stellvertretern das obligatorische Band durchschnitt, erinnerte er daran, dass mit Beginn der individuellen Motorisierung Anfang der 50er Jahre das Straßendorf vom Verkehr regelrecht überrollt wurde. Bereits 1956 wurde eine Umgehungsstraße durch die Felder südlich der Stadt beschlossen. Doch dazu kam es nicht, stattdessen wurde der Engpass Kirchplatz abgerissen und die Hauptstraße autogerecht ausgebaut. Jetzt hofft der Handel, dass sich die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt verbessert und neue Impulse für den Einzelhandelsstandort folgen. Dr. Heinisch dankte allen, die mithalfen, dieses Projekt zu verwirklichen. Die Führung der Entflechtungsstraße bezeichnete der Bürgermeister als einen Kompromiss. „Es war das Machen des Machbaren“, so sein Fazit. Bevor er in einen Oldtimer-Bus von 1955 einstieg, appellierte Dr. Jan Heinisch an alle Autofahrer: „Fahren Sie bitte vorsichtig. Dies soll eine sichere Straße sein und eine Straße des Erfolgs.“ Die Mahnung zur Vorsicht ist angebracht: Im Zuge der Entflechtungsstraße wurde gestern nach 58 Jahren die Hauptstraße in Teilen wieder für den Gegenverkehr freigegeben, und zwar vom Höseler Platz bis zur Gohrstraße und die obere Hauptstraße zwischen Abtskücher Straße und Sachsenstraße /Westfalenstraße.

Klaus Seuthe hatte die Ehre, als Erster offiziell die Entflechtungsstraße in ganzer Länge zu durchfahren. Er saß am Steuer eines „Neoplan SH 6“, einer der ersten Reisebusse dieses Typs, der 1956 das Stuttgarter Auwärter-Werk verließ.
Auf den 24 Sitzplätzen genossen die Vertreter aus Rat und Verwaltung den nostalgischen Fahrkomfort, bevor alle Bürger zur Zeitreise in die Vergangenheit eingeladen waren.
Der Oldtimer aus den 50er Jahren wurde mit Bedacht gewählt, denn damals begannen die Verkehrsprobleme in der expandierenden Kleinstadt. Doch statt einer Umgehungsstraße wurde der verwinkelte Kirchplatz entfernt und die autogerechte Stadt gebaut, eine Entscheidung, die später bitter bereut wurde.
Vor 30 Jahren wurden die Stimmen vor allem aus den Reihen des Handels immer lauter, eine Umgehungsstraße zu bauen, damit eine Fußgängerzone geschaffen werden kann. Diese wurde 1981 im „Käseblättchen“ propagiert, von dem gestern ein vergilbtes Exemplar die Runde machte. Die Postille wurde von der damaligen Werbegemeinschaft Heiligenhaus herausgebracht, geschaffen vom Druckereibesitzer Manfred Gries. Später hatte der Ratsherr als Vorsitzender des Planungsausschusses maßgeblichen Anteil daran, dass der „Bypass“ für die Innenstadt geschaffen werden konnte. „Es mussten zahlreiche Gespräche mit Hausbesitzern und Mietern geführt werden, die wegen der Trassierung der Entflechtungsstraße ihre angestammten Häuser verlassen mussten“, erinnert sich Gries.
Bürgermeister Dr. Heinisch lobte das Engagement der Ratsmitglieder, die nicht nur die betroffenen Bürger überzeugten, sondern der Verwaltung viele Freiheiten ließen.
„Ein Außenstehender kann kaum ermessen, wie viel Arbeit in dieser Straße steckt“, so Bürgermeister Dr. Heinisch. Nicht nur der Ankauf der Grundstücke und die Schaffung des Baurechts waren ein Kraftakt, sondern auch die Finanzierung. Alleine hätte es die Stadt nicht geschafft, sie war auf die 65-prozentige Landesförderung angewiesen. „Das hat uns viel Überzeugungsarbeit bei den zuständigen Stellen gekostet“, erinnert sich der Bürgermeister, der sich freute, als am 13. September 2005 der Brief mit der Förderzusage im Rathaus eintraf.

Autor:

Miriam Dabitsch aus Velbert

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